Volltextsuche über das Angebot:

10 ° / 7 ° Regenschauer

Navigation:
Google+
Der Dresdner Frank Richter wandelt auf den Spuren Caspar David Friedrichs

Der Dresdner Frank Richter wandelt auf den Spuren Caspar David Friedrichs

Caspar David Friedrich muss einst bei seiner Reise im Sommer des Jahres 1810 zusammen mit Georg Friedrich Kersting durch das Riesengebirge gutes Wetter und damit eine klare Sicht gehabt haben.

Voriger Artikel
Der Sandmann kommt: Meißner Weihnachtsausstellung widmet sich dem Abendgruß
Nächster Artikel
Betonschwellenhersteller Rail.One wird indisch - Standort Coswig nicht betroffen

Caspar David Friedrichs Gemälde "Ruine Eldena im Riesengebirge" ist heute in Besitz des Pommerschen Landesmuseums in Greifswald.

Quelle: aus "Caspar David Friedrich..."

Das sei aus diversen Zeichnungen Friedrichs abzulesen, denn der Gipfel der Schneekoppe, der im Schnitt an 296 Tagen im Jahr im Nebel oder in Wolken steckt, ist öfter klar und deutlich auf den Zeichnungen zu sehen, wie der Dresdner Frank Richter in seinem Buch "Caspar David Friedrich - Das Riesengebirge und die böhmischen Berge" festhält, das jetzt im Verlag der Kunst erschienen ist.

Von der Riesengebirge-Tour zehrte Friedrich sein Leben lang

Was den Maler einst so beeindruckt hatte, wurde Richter bei seinen eigenen Wanderungen durch die karge Landschaft sowie bei Touren durch die Vulkankegel-Landschaft Nordböhmens, die in Friedrichs Werk ebenfalls eine besondere Rolle spielen, schnell klar: die Sicht des Malers auf die Natur, wie dieser "das Unscheinbare wahrnimmt, wie er jenseits aller Sehgewohnheiten Dinge sichtbar macht, die ein flüchtiger Blick übersieht".

Von der Tour zehrte Friedrich ein Leben lang. Neun Riesengebirgelandschaften hängen heute in verschiedenen Museen, vier weitere sind verschollen bzw. verbrannt. Und auch alle wichtigen Berge Nordböhmens, das er sieben Mal durchstreifte, sind auf Friedrichs Gemälden zu sehen. Das beginnt beim Milleschauer und endet beim Kaltenberg. Von einigen Touren ist wenig bekannt, etwa von der durch Nordböhmen über Prag nach Wien. Wären da nicht noch ein paar Bleistiftzeichnungen, auf denen manchmal 1807 steht "und die sich eindeutig lokalisieren ließen, würden wir völlig im Dunkeln tappen", schreibt Richter.

Wichtige Impulse erhielt das Werk des Dresdners von längst vergriffenen Publikationen Günter Grundmanns und Karl-Ludwig Hochs. Und damit deren "wertvolle Texte" nicht vergessen werden, zitiert der Autor ausführlich Passagen aus ihnen.

Unter sorgfältig abwägender Berücksichtigung des Forschungsstandes vergleicht Richter Fotos seiner eigenen Touren mit den Skizzen und Bildern Friedrichs, um so den besonderen Blick des Künstlers für die Natur deutlich zu machen, außerdem um landschaftliche Veränderungen aufzuzeigen. So hält er fest, dass Friedrich für sein Spätwerk "Ruine Eldena im Riesengebirge" auf eine Zeichnung zurückgriff, die auf der Wanderung entstanden ist. Er verwendete sie spiegelbildlich, "denn die Bergkontur soll aufsteigen, nicht absinken, wie auf der Zeichnung", schreibt Richter. Was an den Riesengebirgebildern Friedrichs auffällt: Sie sind fast ohne Ausnahme Kammbilder. Nur von der Höhe gleitet eben das Auge von Hang zu Hang, von Bergrücken zu Bergrücken zum Horizont. Nicht immer ist es möglich, eine Landschaft genau zuzuordnen. Die Zeichnungen zum im Besitz der Klassik Stiftung Weimar befindlichen Gemälde "Böhmische Landschaft" sind verschollen, schreibt Richter, sich offenbar sicher, dass welche existierten.

Auch die Geschichte der Teschener Bilder wird erhellt

Auch die Geschichte der Tetschener Bilder wird in einer Art Exkurs dargelegt, erworben einst von Anton Graf Thun-Hohenstein und seiner Braut Theresia Brühl, die Friedrich Mitte 1808 im Atelier besuchten. Bis 1921 hingen die Bilder, darunter das Gemälde "Kreuz im Gebirge", der Tetschener Altar, im Tetschener Schloss, dann wurden sie verkauft. Urenkel Jaroslav von Thun-Hohenstein vermerkte in seinem überlieferten Tagebuch: "Gestern, sehr merkwürdig, war ein Berliner Antiquar Namens Blumenreich hier, um die drei Bilder aus den 20er Jahren des vorigen Jahrhunderts von Caspar David Friedrich abzuhandeln. Gar nicht sehr hübsch, flach und sparsam gemalt, typisch für diese Kunstform Zeit - er zahlt dafür 80.000 Mk!" Die Böhmische Landschaft mit Milleschauer und das Kreuz im Gebirge gingen schließlich für die Summe von 275 000 Mark nach Dresden, die Böhmische Landschaft für 90 000 Mark nach Stuttgart. Die Bezahlung setzte sich aus einem Geldbetrag und anderen Bildern im Tausch zusammen, hält Richter fest, ohne weiter ins Detail zu gehen.

Eine Vielzahl von Selbstzeugnissen Friedrichs, Zeittafeln und Landkarten ergänzen die Detailanalysen um einen größeren Kontext. Das Werk Richters ist sehr aufschlussreich, bei dem einen oder anderen Detail zuckt man allerdings zusammen. Wenn Richter an die Reise von Preußens König Friedrich Wilhelm III. und seiner Frau Luise durch Schlesien im Jahr 1800 erinnert und dabei schreibt, die Königin hätte die "neu erworbenen Gebiete" kennenlernen wollen, dann ist das etwas verwegen. Neu erworben? Schlesien war zu diesem Zeitpunkt schon fast 60 Jahre preußisch.

Christian Ruf

Frank Richter: Caspar David Friedrich - Das Riesengebirge und die böhmischen Berge. Verlag der Kunst. 143 Seiten mit zahlreichen Abb., 16,95 Euro

Der Autor stellt sein Werk am Freitag, 20 Uhr, im Kulturhaus Loschwitz vor.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 14.11.2012

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Region News

Ob zur Entspannung, in der Mittagspause oder zum Spaß mit Freunden. Auf unserer Spieleseite können Sie wählen zwischen Denksport-, Geschicklichkeits-, Such- und Sportspiele. Jetzt gratis spielen im Spieleportal von DNN.de! mehr