Volltextsuche über das Angebot:

15 ° / 6 ° Regenschauer

Navigation:
Google+
Der Altenberger Michael Rösch ist überglücklich, wieder bei der Biathlon-Weltelite mitzumischen

Der Altenberger Michael Rösch ist überglücklich, wieder bei der Biathlon-Weltelite mitzumischen

Auch wenn es in Östersund bei seinem Weltcup-Comeback, dem Einzel über 20 km, aufgrund einiger gesundheitlicher Probleme nur zur Rang 50 reichte und er im Sprint nicht über Platz 76 hinaus kam, ist Michael Rösch überglücklich, wieder Teil der großen internationalen Biathlon-Elite zu sein.

Voriger Artikel
Schwer verletzter Fußgänger in Coswig mit Helikopter ausgeflogen
Nächster Artikel
Asyl-Notunterkunft in Großröhrsdorf muss schließen - Landrat hofft auf Hilfe des Freistaats

Michael Rösch ist wieder im Weltcup am Start, doch inzwischen vertritt er das Biathon-Entwicklungsland Belgien.

Quelle: imago

Hinter dem 31-Jährigen liegen zwei harte Jahre und ein Nationenwechsel.

Wie geht es Ihnen, wie haben Sie sich vor dem ersten Weltcup-Start nach rund 1000 Tagen Abstinenz gefühlt?

Ich war absolut nervös, hatte Schmetterlinge im Bauch. Auf der anderen Seite habe ich aber nach über zwei Jahren Training und immer wieder Training dem Wettkampf entgegengefiebert. Ich konnte es kaum erwarten, dass es losgeht. Am Start konnte ich noch lachen. Es war schön wieder zu Laufen. Das Einzelrennen ist natürlich nicht meine Lieblingsdisziplin und es war hart, die Strecke weich und tief. Zur Zeit plage ich mich mit starken Schienbeinschmerzen, was natürlich nur semioptimal ist.

Wie ist Ihr Verhältnis zu den deutschen Athleten?

Zwischen uns gab es keine Probleme. Sie sind auch jetzt alle nett, keine Probleme, egal ob Trainer, Wachser, Betreuer oder Sportler. Sie haben sogar mein Gepäck von Lillehammer im LKW mit nach Schweden genommen.

Wenn Sie auf die letzten zwei Jahre und die damit verbundenen Strapazen zurückblicken, haben Sie Ihre Entscheidung jemals bereut?

Nein, den Schritt habe ich nicht bereut. Mein Sport ist mehr für mich als nur irgendeine Beschäftigung, Biathlon ist mein Leben. Sicher habe ich damals Fehler gemacht, habe vielleicht auch den falschen Leuten vertraut. Doch auch der DSV hat sicher in Bezug auf mich nicht alles richtig gemacht. Doch wer mich kennt, weiß, wenn ich einmal etwas entschieden habe, dann ziehe ich das Ding auch konsequent durch.

Stimmt es, dass Sie damals aus dem Internet erfuhren, dass Sie nicht mehr zum Kader des DSV gehören?

Ja, nach der WM in Ruhpolding 2012, an der ich wegen Krankheit nicht teilnehmen konnte, erfuhr ich übers Internet, dass ich raus bin. Es hat keiner mit mir darüber gesprochen, aber ich habe auch nicht die Kommunikation gesucht. Vielleicht hätte ich das tun sollen. Doch ich sah für mich keine Perspektive mehr, zumal der DSV mehr auf die jüngeren Athleten gesetzt hat. Sicher war ich damals trotzig und habe mich dann entschlossen, etwas Neues anzufangen und für ein anderes Land zu starten.

Sie gaben dafür auch Ihre sichere Beamtenlaufbahn bei der Bundespolizei auf. Haben Sie diesen Teil der Entscheidung nicht später bereut?

Nein. Das hing ja miteinander zusammen. Natürlich habe ich damit eine große materielle Sicherheit aufgegeben, doch ich finde, gerade das zeigt doch, wie wichtig mir mein Sport war und ist. Und vielleicht hat es auch sein Gutes, denn ob die Beamtenlaufbahn für mich genau das Richtige wäre, weiß ich nicht. Die Perspektive, die mir Belgien möglicherweise eröffnet, wo ich als Trainer arbeiten könnte, gefällt mir schon besser.

Wie sind Sie aber in diesen zwei Jahren finanziell über die Runden gekommen, zumal die großen Sponsoren abgesprungen sind?

Ich habe im Prinzip mein ganzes privates Vermögen, eine sechsstellige Summe, investiert. Zwischenzeitlich war ich sogar auf dem Weg zum Arbeitsamt, um Hartz IV zu beantragen. Meine Eltern haben mir dann 5000 Euro geliehen, damit ich mir was zu essen kaufen kann und überhaupt über die Runden komme. In all der Zeit konnte ich ja keinen Cent verdienen. Mein Glücksfall war dann Carsten Klemm von der Dresdner Firma Entire Infra. Das Unternehmen hatte mich schon vorher unterstützt und hat auch in der schweren Zeit zu mir gestanden.

Was hat Sie hochgehalten und was hat Ihnen die schwere Zeit persönlich gebracht?

Hochgehalten haben mich der Antrieb, unbedingt weiter Biathlonsport zu betreiben, und natürlich meine Eltern und Freunde. Gebracht hat mir die Zeit sehr viel. Während mir früher alles mundgerecht gemacht wurde, musste ich mich nun um alles selber kümmern. Angefangen von den Flügen, Trainingspläne schreiben, Trainingspartner suchen und, und, und.

Nachdem es endlich mit dem belgischen Pass geklappt hatte, holten Sie bei der Sommer-WM in Tjumen das erste Gold für Belgien. Wie haben Sie das empfunden?

Das war fast unbeschreiblich, auch wenn nicht die komplette Weltspitze dabei war. Aber für mich war es Balsam auf die Seele und das Preisgeld konnte ich gut gebrauchen (lacht).

Biathlon in Belgien steckt aber noch in den Kinderschuhen. Im Weltcup sind Sie auf sich allein gestellt, ohne Wachstechniker, Physiotherapeuten und andere Betreuer. Sind Sie da nicht im Nachteil?

Das mag vielleicht sein, aber jammern nützt nichts. Ich muss das Beste aus der Situation machen. Ein bisschen Glück habe ich auch, dass ich einen Mann von der Skifirma Fischer schon viele Jahre kenne. Er stellt mir konkurrenzfähiges Material zur Verfügung. Ohne gute Ski nutzt die beste Form nichts. Mein Vater ist zudem jetzt als Betreuer dabei, und zudem hat mir die Zusammenarbeit mit Klaus Siebert seit August unheimlich viel gebracht.

Was sind Ihre weiteren Ziele, gibt es noch einen Traum?

Ein Podestplatz wäre natürlich ein Traum und noch mal eine Olympia-Teilnahme. Aber erst einmal ist es mein Ziel, dass ich mir so viele Punkte erkämpfe, dass ich nicht nach den drei ersten Weltcups, für die ich eine Wildcard besitze, wieder rausfliege. Das wird schwer genug, denn ich habe ja keinen Wettkampf-Rhythmus mehr, den muss ich mir neu erarbeiten.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 09.12.2014

Interview: Astrid Hofmann

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Region News

Ob zur Entspannung, in der Mittagspause oder zum Spaß mit Freunden. Auf unserer Spieleseite können Sie wählen zwischen Denksport-, Geschicklichkeits-, Such- und Sportspiele. Jetzt gratis spielen im Spieleportal von DNN.de! mehr

23.09.2017 - 10:49 Uhr

Au Backe! Torsten Gütschow, der frühere dynamische Stürmer und heutige Trainer von Budissa Bautzen, musste in der Regionalliga eine derbe Schlappe einstecken.

mehr