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Demokratietest: U18-Wahlschule in Pirna mit Jungpromis

Demokratietest: U18-Wahlschule in Pirna mit Jungpromis

Heute dürfen Jugendliche, was ihnen das Wahlgesetz noch nicht zubilligt: Eine gute Woche vor der "echten" Wahl können bundesweit Minderjährige ihre Stimme bei der U-18-Wahl abgeben.

In Pirna wollen die Probewähler ihre Stimmabgabe am Abend mit einer Party feiern.

Die Idee der U18-Wahl wurde 1996 in Berlin erstmals praktiziert. Inzwischen richten viele Schulen und Jugendeinrichtungen provisorische Wahllokale ein. Mit einem Bildungsprojekt hat die Pirnaer "Aktion Zivilcourage" auf diese Wahl vorbereitet. Unter dem Motto "Ich bin wählerisch" organisierte sie an 21 Schulen des Landkreises Sächsische Schweiz-Osterzgebirge besondere Vertretungsstunden im Fach Gemeinschaftskunde (DNN berichteten), in denen größtenteils junge Persönlichkeiten aus Wirtschaft, Pop oder Sport unterrichteten. Aber auch rund 40 Schüler sind vom Zivilcourage-Verein geschult worden, um solche Stunden vor ihren Mitschülern zu halten.

Am Mittwoch vermittelten die beiden Dresdner Musiker Christoph Meißelbach und Felix Franz Zehntklässlern der Waldblick-Oberschule in Freital einen Demokratie-Grundkurs. Kann Streit auch nützlich und gut sein? Wo wir doch sonst so auf Harmonie bedacht sind? Die Musiker der Rockband "Pi!" steigen mit anschaulichen Beispielen aus ihrer eigenen Rockband ein. Wie soll das Cover der Band-CD aussehen, in welche Stilrichtung will man sich entwickeln? Die Schüler sollen selbst Vor- und Nachteile verschiedener Formen der Entscheidungsfindung bei Streitfragen benennen. Wie verletzend, schmalspurig, aber auch bequem es zugehen kann, wenn nur einer sagt, wo es lang geht. Wie das aus der UNO bekannte Einstimmigkeitsprinzip als das andere Extrem zu Blockaden und gleichfalls zu überproportionaler Macht einzelner führen kann.

Wie von selbst gelangt die Klasse schließlich zum Mittelweg, dem Mehrheitsprinzip. "Heraus kommt nicht unbedingt die optimale Problemlösung, aber eine, mit der die meisten leben können", schlussfolgert Sänger Christoph, der nicht ganz zufällig bereits junger Assistent am Institut für Politikwissenschaft der TU Dresden ist. Das kommt gerade in Freital hervorragend an, obschon der Gemeinschaftskundeunterricht hier nicht schlecht sein kann. Denn bei den "Waldblick"-Mittelschülern rennen die beiden "Dozenten" offene Türen ein. Viele sind mit dem Demokratie-Handwerk vertraut, und die Hälfte der Klasse beteiligt sich rege an der Diskussionsstunde. Das ist nicht überall so, wissen die "Pi!"-Musiker und Tom Waurig von der Aktion Zivilcourage. "Aber etwas bleibt immer in den Köpfen hängen", sagt Waurig, und aller Erfahrung nach stimuliert man damit auch das Gespräch im Elternhaus. Vor allem zeigt das "Gespräch auf Augenhöhe" bei dieser Art Schulstunde eine besondere Wirkung.

In der Tat goutieren die Freitaler Schüler sowohl den Stil der nur wenig älteren Pop-Musiker wie auch deren Praxisbezug. "Das sind normale Menschen - die anderen sind halt Lehrer", meint ganz unbefangen ein Fünfzehnjähriger. Einige werben ausdrücklich für die U18-Wahl, die sie heute Abend mit einer Party in Pirna feiern wollen. Aber für ein Wahlalter 16 plädieren nicht alle. Ausgerechnet die Hellsten halten sich noch für zu wenig erfahren, um eine fundierte Entscheidung treffen zu können. Wenn, dann sollte es zuvor bitte keinen Wahlkampf an der Schule, aber ausführliche Parteieninformationen geben, meinen sie.

Der überproportional hohe Zuspruch der potenziell jüngsten Wähler zu rechten Parteien war nicht Auslöser des Projektes der Aktion Zivilcourage und beunruhigt auch die Schüler kaum. Einer findet die Argumente und Plakate der NPD sogar "sehr überzeugend". Die Auseinandersetzung mit ihnen stellen die meisten auf eine Stufe mit der über Parolen anderer Parteien. Kein Wort darüber, welche sie favorisieren. Das bleibt Wahlgeheimnis eben auch bei den U-Achtzehnern.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 13.09.2013

Michael Bartsch

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