Volltextsuche über das Angebot:

8 ° / 7 ° Regen

Navigation:
Google+
Das Meißner Weinhaus Schuh erlaubt einen Blick hinter die Kulissen - Heute wird gegen Mehltau und Fäulnis gespritzt

Das Meißner Weinhaus Schuh erlaubt einen Blick hinter die Kulissen - Heute wird gegen Mehltau und Fäulnis gespritzt

Sörnewitz/Meißen. Winzer Walter Schuh rangiert die schmale Raupe an einen Wasseranhänger. Kurz darauf füllt er den angebauten Tank des Weinberggerätes auf. Mit Eimern gibt er eine Flüssigkeit dazu, die an aufgelöste Backhefe erinnert.

Voriger Artikel
Aronia-Ernte läuft - Fest auf Coswiger Plantage findet am 30. und 31. August statt
Nächster Artikel
Zoll fasst Schmugglerpaar mit 750 Gramm Crystal an der Grenze

Winzer Walter Schuh bringt Pflanzenschutz im Dunkelfelder aus. Es wird gegen Echten und Falschen Mehltau sowie gegen den Fäulniserreger Botrytis gespritzt.

Quelle: Lars Müller

"Wir spritzen heute den Dunkelfelder noch einmal gegen Echten und Falschen Mehltau sowie gegen Botrytis", sagt der 59-Jährige. Botrytis sind Schlauchpilze, die an Blättern, Stielen und insbesondere auch bei Trauben für Grauschimmel und Fäulnis sorgen. "Ohne Pflanzenschutz geht es nicht im Weinberg, deshalb haben wir auch nichts zu verbergen", stellt Schuh senior klar. Viele seiner Winzerkollegen werden beim Thema "Chemieeinsatz im Weinberg" eher einsilbig, passt diese Arbeit doch so gar nicht in das Klischee von Winzerromantik und Weingenuss im Kerzenschein.

Die Winzerfamilie Schuh hingegen setzt auf Transparenz - und darauf, so wenig wie möglich Chemie einzusetzen. "Aus Kostengründen und vor allem der Umwelt zuliebe sollte man erst mit dem Pflanzenschutz beginnen, wenn die Wetterbedingungen für Pilzinfektionen ausreichen. Hierzu ist es wichtig, die Lebensbedingungen der Pilzkrankheiten genau zu kennen", sagt Juniorchef Matthias Schuh, während sein Vater mit der Raupe zurück in die Steillage tuckert. Der 26-jährige Weinbautechniker treibt die Umstellung des Betriebs auf biologischen Anbau voran, seit 2011 sind die 0,63 Hektar der Rebsorte Regent biozertifiziert. "Ich will nun mehr Erfahrungen sammeln und weitere Rebsorten nach und nach umstellen", sagt Matthias, der vor einem Jahr voll in den Familienbetrieb eingestiegen ist.

Dazu probiert er auch neu zugelassene Mittel aus, setzt sie in bestimmten, eingegrenzten Blöcken ein und vergleicht die Ergebnisse mit herkömmlich behandelten Rebflächen. So zum Beispiel testet er ein neues biologisches Mittel gegen Botrytis: Auf die Trauben aufgebrachte Mikroorganismen besiedeln dabei offene Wunden und unterdrücken durch ihre Population den Botrytispilz. Matthias schwört auf traditionelle Rebsorten. Pilzwiderstandsfähige Neuzüchtungen überzeugen ihn bisher nicht. "Es liegt mir sehr am Herzen, mit Rebsorten zu arbeiten, die sich bereits Jahrhunderte etabliert haben." Die alten Rebsorten an biologische Kultivierung zu gewöhnen sei möglich, aber eben nicht von heute auf morgen.

Selbst im Bio-Anbau geht es nicht ohne Spritzen. Allerdings ist synthetische Chemie verboten. Erlaubt sind hingegen Mittel auf Basis von Stoffen, die in der Natur vorkommen. Tonerdepräparate, Schwefel, aber auch Backpulver oder Kaliwasserglas zur Stärkung der Traubenschale kommen zum Einsatz. Überhaupt gehe es beim Pflanzenschutz nicht nur um Verhütung oder Bekämpfung von Pilzkrankheiten und Fäulnis, sondern auch um vorherige Stärkung der Reben, betont Matthias. Magnesium beispielsweise verhindere die Stiellähme, bei der die Stiele der Trauben und das Traubengerüst in der Reifezeit absterben und die Trauben vor der Ernte zu Boden fallen. Auch ein gesunder Boden stärke die Rebstöcke und könne somit Krankheiten eindämmen. Zudem experimentiert er mit Maßnahmen zur Blütezeit, welche die Struktur der Trauben deutlich auflockert. Lockere Trauben faulen nicht so leicht, weil sie nach Regen besser abtrocknen und die Beeren weniger gequetscht werden.

Peronospora (Falscher Mehltau), Oidium (Echter Mehltau) und der Botrytispilz seien die gefährlichsten und verbreitetsten Schädlinge für die Weinkulturen hierzulande, sagt Matthias. Um sie in den Griff zu bekommen, werde pro Vegetationssaison sechs bis sieben Mal gespritzt. Den richtigen Zeitpunkt für den Pflanzenschutz legt der erfahrene Winzer nach Witterung und Entwicklungsstand der Reben samt Trauben fest. "Sich stur auf einen Spritzkalender zu verlassen und alle 14 Tage Pflanzenschutzmittel zu versprühen, ist weder effektiv noch zielführend", betont Matthias. Man müsse seinen Weinberg eben genau kennen, um Pflanzenschutz wirksam und umweltschonend betreiben zu können. Nicht umsonst sei Winzer ein Lehrberuf. Zwischen letzter Spritzung und Lese liegt immer eine Wartezeit von bis zu fünf Wochen, die vom jeweils eingesetzten Mittel abhängig und vom Gesetzgeber vorgeschrieben ist. Der Jungwinzer betont, dass im Weingut Schuh gänzlich auf Insektizide und Herbizide verzichtet wird. Grünwuchs am Rebstock wird mechanisch entfernt. Gegen Insekten geht der Betrieb - von Wespenfallen abgesehen - derzeit nicht vor.

Ein Problem sieht Matthias Schuh auf die sächsischen Winzer zukommen: die Kirschessigfliege. Das Schadinsekt wurde aus Asien eingeschleppt und kann ganze Ernten kurz vor der Reife ruinieren. Dagegen seien die allgegenwärtigen Wespen harmlos. Vögel, die es in ganzen Schwärmen auf reife Trauben abgesehen haben, werden mit Ultraschall vergrämt oder durch Netze von den süßen Früchten ferngehalten. Gegen Wild im Weinberg helfen Schutzzäune. Mancherorts im Elbland sorgen auch Waschbären schon für Ärger in Weinbergen. Sie lassen sich bisher aber kaum wirksam vertreiben.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 18.08.2014

Lars Müller

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Region News
Anzeige

Ob zur Entspannung, in der Mittagspause oder zum Spaß mit Freunden. Auf unserer Spieleseite können Sie wählen zwischen Denksport-, Geschicklichkeits-, Such- und Sportspiele. Jetzt gratis spielen im Spieleportal von DNN.de! mehr

Die Friedensburg gehört als fester Bestandteil zu Radebeul. Soll sie zukünftig wieder als Gaststätte genutzt werden? Und falls ja, wie genau? Sagen Sie uns Ihre Meinung und stimmen Sie ab! mehr