Volltextsuche über das Angebot:

14 ° / 1 ° heiter
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland RND

Navigation:
Google+
Das Kuratorium "Rettet Meißen - jetzt e.V" besteht seit knapp 25 Jahren und sucht neue Mitglieder

Das Kuratorium "Rettet Meißen - jetzt e.V" besteht seit knapp 25 Jahren und sucht neue Mitglieder

Meißen. Jens Petzold steht in einer der zwei Bohlenstuben des Prälatenhauses wie in einer Schatzkammer. Nur dass die Preziosen dort nicht in schweren Truhen lagern, sondern an Wänden.

Immer wieder zeigt er auf die schon freigelegten Fresken aus dem frühen 16. Jahrhundert und ein paar der aus den folgenden fünf Jahrhunderten stammenden Übermalungen, die hier und dort zu sehen sind. Auch die namensgebende Wandverkleidung mit Holzbohlen in einem Teil des Raumes ist ihm viele Worte wert. Er lässt keinen Zweifel daran, dass das spätgotische Gebäude mit der schönen Adresse Rote Stufen 3 eines der wertvollsten Kulturdenkmale Sachsens ist.

Das 1509 erbaute Haus gehört der Stadt und wird vom Kuratorium "Rettet Meißen - jetzt e. V." verwaltet, das es seit über zehn Jahren restauriert. Für Petzold, seit zweieinhalb Jahren Vereinsvorstand, ist dies das beste Beispiel für die wichtige Rolle des Kuratoriums und die Bedeutung bürgerlichen Engagements. "Es gibt vieles, was man verbessern kann - nur zu meckern hilft da nicht", sagt der Meißner Unternehmer.

Aus ähnlichen Gründen kam er auch vor 15 Jahren zum Kuratorium, das noch Ende 1989 von honorigen Meißnern und Dresdnern als erster ostdeutscher Verein gegründet wurde, der sich dem Erhalt historischer Bauten verschrieben hat. Zu den Gründungsmitgliedern zählten unter anderen der Physiker Manfred von Ardenne, der Architekt Herrmann Rühle und der Kammersänger Peter Schreier. Durch Benefizaktionen, Spenden und Mitgliedsbeiträge hat der rund hundertköpfige Verein in seinen fast 25 Jahren rund fünf Millionen Euro eingesammelt, die alle in Meißens Baudenkmale gesteckt wurden: in die Albrechtsburg, die Frauenkirche oder die Klosterruine Heilig Kreuz etwa. Derzeit konzentriert sich das Kuratorium auf die Nicolaikirche und das Prälatenhaus.

Dort wurde auch Petzold das erste Mal auf das Kuratorium aufmerksam. "Ich habe beobachtet, wie ein paar Menschen sich um das Prälatenhaus gekümmert haben", erinnert er sich. Er hatte damals selbst alle Hände voll zu tun: Weil er in der Stadt keinen Wohnraum gefunden hatte, kaufte er eines der sanierungsbedürftigen Altstadthäuser unterhalb des Prälatenhauses. 15 Jahre hat der studierte Bauingenieur gebraucht, um das alte Gemäuer mit eigenem Geld und viel Eigenleistungen auf Vordermann zu bringen.

Ähnlich geht der Verein vor, dem Petzold damals beitrat. Stück für Stück hat er das Prälatenhaus saniert, etwa das Dach erneuert oder die zwei Bohlenstuben restauriert. Allerdings muss auch vieles noch getan werden. "Ich will ehrlich sein, wir benötigen sicher noch zehn Jahre", sagt der Kuratoriums-Vorstand. Als nächstes soll für 40 000 bis 50 000 Euro eine Heizung eingebaut werden, die zum Schutz der Fresken für ein gleichbleibendes Klima sorgen soll. Später sind der Aufbau eines Kachelofens nach historischem Vorbild und die Restaurierung der Treppe geplant.

Am Ende soll das Gebäude, das bis in die späten 70er Jahre noch bewohnt war, als Vereinshaus genutzt werden. "Wir sanieren nicht, damit es dann verschlossen bleibt", betont Petzold. Im Erdgeschoss ist schon jetzt eine kleine Küche eingerichtet, dazu gibt es Sanitäranlagen im Hof. Diese Räume können für Familienfeiern gemietet werden, was im Verbund mit der Terrasse vor dem Gebäude ein offenbar recht attraktives Angebot ist. Fast jedes Wochenende gebe es Einmietungen, sagt Petzold, dazu gelegentlich Konzerte und Ausstellungen in Räumen der oberen Etagen, die aus konservatorischen Gründen nicht vermietet werden können.

Obwohl man alle Möglichkeiten ausreize, die Spendengelder mit Fördermitteln zu versilbern, stehen künftig also weiter kleine Sprünge an. Das Engagement endet aber nicht bei Finanzierungsfragen. Mit dem kürzlich gegründeten Kulturverein habe man die Idee entwickelt, ruinöse Baudenkmäler für kurze Zeit zu öffnen und so für Meißner erlebbar zu machen. "Es gibt diese Ruinen, man muss es leider so sagen", sagt Petzold. Ohne das Kuratorium wären es jedoch noch ein paar mehr.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 02.07.2014

Uwe Hofmann

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Region News
Anzeige

Ob zur Entspannung, in der Mittagspause oder zum Spaß mit Freunden. Auf unserer Spieleseite können Sie wählen zwischen Denksport-, Geschicklichkeits-, Such- und Sportspiele. Jetzt gratis spielen im Spieleportal von DNN.de! mehr

30.04.2017 - 13:27 Uhr

Souveräner Heimerfolg der Veilchen gegen einen direkten Konkurrenten im Abstiegskampf.

mehr