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Daniel von Sachsen will Friedwald in Coswig noch in diesem Jahr eröffnen

Alternative Bestattung Daniel von Sachsen will Friedwald in Coswig noch in diesem Jahr eröffnen

Mit sechs Jahren Verzögerung bekommt Coswig nun doch einen Friedwald. 2010 erteilte der Stadtrat den Plänen Daniel von Sachsens noch eine Absage, im Friedewald Bestattungsplätze unter Bäumen einzurichten. Da sich die Bestattungsform nicht mehr verhindern lässt, hat die Stadt nun umgeschwenkt und behält sich als Träger des Friedwaldes ein Mitgestaltungsrecht.

Bunte Bänder und Plaketten markieren in vielen Friedwäldern, wie hier im ersten sächsischen Friedwald bei Bennewitz, die Begräbnisstellen.
 

Quelle: Andreas Döring/Archiv

Coswig.  Mit sechs Jahren Verzögerung bekommt Coswig nun doch einen Friedwald. 2010 erteilte der Stadtrat den Plänen Daniel von Sachsens noch eine Absage, im Friedewald Bestattungsplätze unter Bäumen einzurichten. Bei seiner jüngsten Sitzung am Mittwoch entschieden die Stadträte nun dafür, dass die Stadt künftig als Träger des Bestattungswaldes ins Boot des Wettinerprinzen steigt. Der Grund: Trotz seiner Niederlage 2010 hat von Sachsen das Vorhaben immer weiter vorangetrieben. Im vergangenen Jahr stellte er nach geltender Gesetzeslage einen Antrag beim Landratsamt Meißen und steht nach Aussage von Oberbürgermeister Frank Neupold (parteilos) kurz vor einer Genehmigung. „Wir werden einen Bestattungswald, und dass ist auch der Landeskirche bewusst, nicht mehr aufhalten können“, sagte dieser. In der Frage, ob man einen fremden Träger in die Stadt lässt oder sich ein Mitgestaltungsrecht bewahrt, haben sich die Stadträte für die Mitwirkung entschieden.

Als Träger übernimmt Coswig Verwaltungsaufgaben, führt etwa das Baumkataster, in dem die Begräbnisplätze verzeichnet sind. Laut Bürgermeister Thomas Schubert (parteilos) hofft man auf Einnahmen, die man für den Fall zurücklegen will, dass die vier von der Kirche geführten Friedhöfe im Stadtgebiet in wirtschaftliche Schieflage geraten. Für Stadtrat Thomas Werner-Neubauer (Linke/SPD/Grüne) eine „absurde Situation“. „Wir bekommen Geld, das wir eventuell der Kirche zur Betreibung geben können.“ Aus seiner Fraktion kamen vor allem ablehnende Stimmen. Stadtrat Frank Ulbricht sprach von einer „Unterbesetzung der Friedhöfe“ und meinte damit wohl, dass von 7000 Begräbnisplätzen auf den Friedhöfen schon jetzt knapp 3000 unbelegt seien, wie die Stadt 2010 vorrechnete. „Bei der Sache können wir uns keine wirtschaftliche Konkurrenz leisten“, sagte er. Die meisten Stadträte sahen die Sache jedoch pragmatisch, wie CDU-Fraktions-Chef Joachim Eichler: „Wir haben vor sechs Jahren Haltung bewiesen. Wenn man das nicht durchhalten kann, muss man den Blick nach vorn richten.“

Das tut auch Daniel von Sachsen, der anders als vor sechs Jahren eine eigene Betreibergesellschaft für den Friedwald gegründet hat. Mit dieser Naturruhe Friedewald GmbH „behalten wir alles in unserer Hand und geben es nicht an ein Unternehmen aus Westdeutschland“, sagt er. 2010 hatt er noch mit der Friedwald GmbH verhandelt, die im vergangenen Jahr den ersten sächsischen Friedewald bei Bennewitz eröffnet hat. Der Wettiner und Coswig müssen nun noch Verträge abschließen, außerdem muss die Stadt noch eine Satzung erlassen. Abhängig von ausstehenden Genehmigungen geht von Sachsen davon aus, dass der Friedwald im Spätsommer oder Frühherbst eröffnet wird.

Davor muss allerdings auch baulich noch etwas geschehen. So ist am Kreyernweg, der am südlichen Ende des 40 Hektar großen Friedwaldareals liegt, ein Parkplatz mit 25 Plätzen geplant, der mit pflegeleichtem Schotterrasen bepflanzt wird. Kreyernweg und Gabelweg habe man schon ausgebaut, sogenannte Rückegassen, die eigentlich für die Bewirtschaftung angelegt sind, müssten aber noch mit einer Mulchschicht für die Friedwaldgäste begehbar gemacht werden, sagt von Sachsen. Neue Wege würden jedoch keine angelegt. Zusammen mit einem neuen Andachtsplatz beziffert der Wettiner die Investitionskosten auf rund 100 000 Euro.

Geplant ist es, den Friedwald quartiersweise von Süden her freizugeben. „Wir waren in den letzten sechs Jahren nicht untätig und haben den Nadelgehölzbestand Stück für Stück mit stabilen Laubgehölzen aufgewertet“, sagt der Wettiner. Allerdings sollen ältere Bäume, meist 50 bis 70 Jahre alte Buchen und Eichen als Begräbnisbäume ausgewählt werden. Ein Begräbnisplatz an ihren Wurzeln wird für 99 Jahre garantiert. Falls ein Baum wegen Sturmschäden oder Schneebruch eher abstirbt, gibt es Ersatzbäume in der Umgebung. Etwa 85 Begräbnisbäume kommen auf den Hektar, macht insgesamt etwa 3400 Bäume, an deren Wurzeln bis zu zwölf Begräbnisplätze liegen. Wer einen ganzen Baum für sich allein oder seine Familie kauft, zahlt 4500 Euro, 350 Euro kostet ein Platz unter einem Gemeinschaftsbaum. „Wir sind kein Discountangebot“, sagt von Sachsen. Gleichwohl preiswerter, da Grabstein und Grabpflege gänzlich entfallen, gar unerwünscht sind.

Das vor allem will der Landeskirche nicht schmecken, die um die Friedhofskultur fürchtet. „Es ist nicht der Untergang der abendländischen Bestattungskultur“, sagt von Sachsen, der mit den Gemeinden zusammenarbeiten will. Kirchliche Prediger seien im Friedwald willkommen. Außerdem sei die Konkurrenz wegen des großen Einzugsgebiets nach bundesweiten Beobachtungen geringer als befürchtet. Bestattungswälder sorgten demnach für 2,5 Prozent weniger Friedhofsbestattungen in den betreffenden Gemeinden. Da das Einzugsgebiet eines Friedwaldes mit 50 Kilometern gegenüber eines üblichen Friedhof viel größer ist, dürften aber mehr Friedhöfe in der Umgebung diesen Effekt spüren.

Von Uwe Hofmann

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