Volltextsuche über das Angebot:

28 ° / 15 ° Regenschauer

Navigation:
Google+
DRK bezieht neue Werkstatt für Menschen mit Behinderung in Meißen

Vier Millionen Euro Investition DRK bezieht neue Werkstatt für Menschen mit Behinderung in Meißen

Das Deutsche Rote Kreuz nimmt in der nächsten Woche einen Werkstattneubau für 120 Menschen mit Behinderung in Betrieb. Etwa 90 Prozent der Arbeit machen dort Aufträge aus der Wirtschaft aus, eine Konkurrenz für regionale Unternehmen wolle man dennoch nicht darstellen, sagt Werkstattleiter Michael Rollberg.

Werkstattrundgang mit Michael Rollberg, DRK-Vorstand Rüdiger Unger, Sozialministerin Barbara Klepsch (CDU) und OB Olaf Raschke (parteilos).

Quelle: Uwe Hofmann

Meissen. An den Anpfiff kann sich Rüdiger Unger, Landesvorstand des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) noch lebhaft erinnern. An seinem ersten Arbeitstag musste er im Landratsamt Meißen antanzen und sich dort vorwerfen lassen, dass das DRK nicht genügend für behinderte Menschen tue, wie er sich erinnert. Der Vorwurf gehört nun endgültig der Vergangenheit an: Mit Beginn der nächsten Woche wird die Meißner DRK-Behindertenwerkstatt neue Räume an der Ziegelstraße beziehen. Bis zu 120 Menschen sollen in dem neuen Komplex, der neben der 1999 errichteten Hauptwerkstatt entstanden ist, einen Arbeitsplatz finden. „120mal entsteht hier die Chance zur Teilhabe“, lobt Sozialministerin Barbara Klepsch (CDU).

Ganz konfliktfrei lief es bei der vier Millionen Euro teuren Investition nicht ab, wie Unger berichtet. So hat man aus diversen Gründen mehrere Planungsbüros verschlissen, Probleme gab es mit der Genehmigung einer Zufahrt zum Grundstück und ganz am Beginn der Arbeiten, als „Dinge zutage gefördert worden, die kein Bauherr gerne hat“, wie Unger sagt. Weil sich viele Scherben und Metallteile im Boden fanden, rückte sogar der Kampfmittelbeseitigungsdienst an, um die Erdarbeiten zu überwachen. Es hätte ja auch eine Weltkriegsbombe sein können, die die Metalldetektoren derart zum Auslösen brachte. Trotz aller Probleme sei man beim DRK gelassen geblieben. „Vielleicht weil wir lange nicht daran geglaubt haben, dass wir es überhaupt finanziert bekommen“, wie Unger sagt. Als vom Freistaat 2,3 Millionen Euro Fördermittel kamen, sei das schon etwas überraschend gewesen, weil es wenige Zeit zuvor noch geheißen habe, dass man keine neuen Arbeitsplätze für Menschen mit Behinderung in Sachsen benötige. „Vielleicht ist es gerade gelungen, weil wir das nicht so verbissen gesehen haben“, meint Unger. Wie auch immer: Der Neubau verschafft den Meißner DRK-Werkstätten, die insgesamt 268 Menschen Platz geben und eine von vier derartigen Einrichtungen im Landkreis Meißen sind, ganz neue Möglichkeiten.

20 bis 30 neue Plätze könne man durch das neue Werkstatthaus schaffen, sagt Werkstattleiter Michael Rollberg. Insgesamt sind im Meißen 238 Menschen mit Behinderung beschäftigt. Die bisher als Außenstelle genutzten Räume an der Zaschendorfer Straße, die wegen ihrer Enge und mangelnder Barrierfreiheit nicht geeignet sind, werde nach dem Umzug an ein anderes Unternehmen abgeben. Am neuen Standort bleiben die lärmintensive Holz- und Metallverarbeitung in der Hauptwerkstatt, ruhigere Gewerke wie Druck- und Werbeservice, Montage, Sortierung und Kabelkonfektionierung ziehen dagegen in den Neubau. Das hilft auch Konflikte unter den Mitarbeitern vorzubeugen, von denen die meisten eine geistige Behinderungen, viele aber mehrere Handicaps haben.

Dennoch leisten die Mitarbeiter, die aus dem ganzen Landkreis, manche auch aus Dresden, stammen augenscheinlich gute Arbeit. So gehören reihenweise namhafte Unternehmen aus der Region zu den Auftraggebern, etwa aus der Automobilzulieferindustrie, der Verpackungsindustrie, dem Oberleitungsbau oder der Kabelherstellung. Auch Meißen bestelle sein Stadtmobiliar wenn es irgend geht nur noch in den DRK-Werkstätten, meint Oberbürgermeister Olaf Raschke (parteilos). Die neuen Bänke am Elberadweg habe man zum Beispiel dort gekauft. Laut Werkstattleiter Rollberg sind die Mitarbeiter, die von 23 fachspezifisch ausgebildeten Gruppenleitern angeleitet werden, zu 90 Prozent mit Auträgen aus der Wirtschaft und nur zu einem Zehntel mit DRK-eigenen Produkten beschäftigt, wozu die Konfektionierung eines Hygienebeutels für Asylerstaufnahmen oder der Druck von Broschüren gehören.

Mit dem neuen Werkstattbau hofft Leiter Rollberg auf neue Aufträge. „Wir können im Tischlereibereich und im Druck Meisterqualität bieten“, sagt er selbstbewusst. Und das bei nur 75 bis 80 Prozent der marktüblichen Kosten. Dennoch achte man darauf, dass man für regionale Anbieter nicht den Markt kaputt mache. Ziel sei es ohnehin, die Mitarbeiter soweit zu qualifizieren, dass sie im ersten Arbeitsmarkt eine Anstellung finden. 20 ausgelagerte Arbeitsplätze gehören derzeit zu den DRK-Werkstätten. Dabei arbeiten Menschen mit Behinderung in Betrieben, werden aber nominell zu den Werkstätten gezählt. Alle ein bis zwei Jahre werde aus so einem Arbeitsverhältnis auch eine ordentliche Übernahme, sagt Rollberg.

Von Uwe Hofmann

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Region News

Ob zur Entspannung, in der Mittagspause oder zum Spaß mit Freunden. Auf unserer Spieleseite können Sie wählen zwischen Denksport-, Geschicklichkeits-, Such- und Sportspiele. Jetzt gratis spielen im Spieleportal von DNN.de! mehr

16.08.2017 - 17:02 Uhr

Der Angreifer hat die rund einstündige OP gut überstanden. Nun steht die langwierige Reha an.

mehr