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DNN-Ausflugsserie: Von Bergen und Burgen in Böhmen

DNN-Ausflugsserie: Von Bergen und Burgen in Böhmen

"Mehr Drehmoment!" Anja wippt auf dem Fahrersitz, so als könnte sie das Auto dadurch schneller machen. Dann bricht sie den Überholversuch ab und gibt sich wieder dem entspannten Gleiten hin, das sie später besonders komfortabel nennen wird.

Von Christoph Springer

Nein, mit der 200 PS-Kanone der 24-jährigen Fahrlehrerin kann unser Cabriolet nicht mithalten, es hat andere Qualitäten. Dach auf, Dach zu. Das ist der Clou des Autos und das Wetter auf unserer Böhmentour spielt mit. Kühle 14 Grad auf dem Kamm des Erzgebirges, angenehme 25 in Doksy (Hirschberg am See), da kommt die elektrische Dachmechanik in Bewegung.

Wir fahren eine Route, die mehr als 300 Kilometer lang ist und den Titel "Durch Elbtal und Daubaer Schweiz zur Böhmischen Seenplatte" trägt. Sie ist für mehrere Tage ausgelegt und führt - nebenbei bemerkt - über herrliche Motorradstraßen. Wir müssen laut Auftrag aber mit vier Rädern vorlieb nehmen, wir fahren

Automobil . Besser: Anja fährt. Sehr gern sogar.

Deˇcˇin (Tetschen) und Ústi (Aussig) lassen wir links liegen, schnell erreichen wir Lovosice. Wären wir nur auf der anderen, der östlichen Seite der Elbe gefahren. Die Strecke führt direkt vorbei am größten tschechischen Mineraldüngerproduzenten, der Firma Lovochemie. Wir lernen, dass die Herstellung von Dünger mit Chemiegestank zu tun hat und freuen uns, als wir dem Miefwind über die Elbe nach Osten entkommen. Das Zentrum von Litomeˇrˇice (Leitmeritz) lassen wir links liegen, sehen aber gleich neben der Brücke noch die Schiffsanlegestelle, an der die Rundfahrten auf der Elbe beginnen (siehe Tipps auf der letzten Seite). Von jetzt an geht es leicht bergan, wir durchfahren eine Hopfenanbau-Region mit vielen kleinen Dörfern. Tschechische Traktorfahrer sind hier die Helden der Landstraße, sie brettern mit ihren riesigen Maschinen ohne Bedenken über noch so kleine Straßen. Die Gegend hat etwas Barockes - Hopfenfelder auf sanften Hügeln, hübsche Kirchlein mit Zwiebeltürmen, kleine Schlösser und große Herrenhäuser zieren die Strecke und von rechts aus der Ferne grüßt die Daubaer Schweiz. Ein Sandsteingebirge mit Kegelbergen und viel Wald.

Wir suchen den Höllengrund, ein kleines Tal nahe dem Örtchen Zahrádky (Neugarten) und fahren mit dem Auto beim ersten Versuch glatt daran vorbei. Man muss schon genau hinsehen, um auf der linken Straßenseite diese Schlucht zu finden, die ein Bach erzeugt hat. "Peklo" heißt das kleine Tal in tschechischer Sprache. Man findet es nahe dem Schloss, das den Namen Nový Vítkovec (Neuschloss) trägt und in einer englischen Parkanlage steht. Das Schloss selbst kann nicht besichtigt werden. 2003 wurde es bei einem Feuer zerstört, es hat nur ein Notdach, soll aber wiederaufgebaut werden. Zahrádky ist übrigens auch für Eisenbahnfans ein lohnenswertes Ziel. Schließlich führt dort die Strecke der nordböhmischen Transversalbahn Litomerice - Liberec über zwei sehenswerte Brücken.

Wie im DNN-Reiseplan vermerkt wenden wir uns nun nach Süden, obwohl Doksy (Hirschberg am See) und der Machasee nun schon in greifbarer Nähe sind. Das Felsendorf Drazeˇjov (Draschen) ist das nächste Ziel der Autoreise durch Nordböhmen. Früher lag es frei auf einem Felsen, damals war wohl die Beschreibung richtig, dass seine Häuser "wie Schwalbennester an der sonnendurchglühten Felswand kleben". Die Zeit sorgte für Abhilfe, jetzt umgibt das Dorf auf dem Sandsteinfelsen ein Waldsaum, der auch vor zu großer Hitze schützt. Nun ist Drazeˇjov ein malerischer, verschlafener Ort, kaum zu finden von Touristen und abseits der Ausflüglerströme nach Doksy. Um so größer der Genuss beim Fußmarsch durch den Ort. Bunte Blumen zieren die kleinen Gärtchen, in denen jede Felsplatte ein Treppchen, ein Platz für eine Sitzecke, einen Pflanzkübel oder für einen Holzscheitstapel ist. Und doch finden in den kleinen Gärten auch Swimmingpools, Hollywoodschaukeln und große Grills Platz. Wer freundlich fragt, darf ungehemmt fotografieren und mit etwas Glück entstehen dabei herrliche Aufnahmen vom Leben in dem Felsendorf.

Nun aber führt die Autowanderung durch Böhmen geradewegs nach Doksy. Besser noch, man steuert gleich Staré Splavy (Thammühl) an. Dort ist es etwas ruhiger als in Doksy, wenigstens werktags. Beide Orte liegen vis-à-vis am See, werden durch eine kleine Schiffslinie verbunden und stehen bei Urlaubern hoch im Kurs. An Sommerwochenenden kann man kaum treten, Auto an Auto reiht sich dann auf den schmalen Straßen in den zwei Orten, das ist kein reines Vergnügen. Wir haben Glück, es ist ein sonniger Dienstag und selbst im Edelrestaurant direkt neben der Schiffsanlegestelle von Staré Splavy gibt es einen freien Tisch in der ersten Reihe. Man spricht deutsch und die Preise sind günstig - das schicke und gerade neu eröffnete Restaurant "Nad Jezerem" (Über dem See) ist also eine Empfehlung wert. Vorausgesetzt, man erwartet keine tschechische Küche - die gibt es dort nicht.

Für den anschließenden Verdauungsspaziergang bietet sich der Uferweg an, ebenso kann man aber durch den Ferienort streifen und Häuser bewundern. Auch die Altvorderen in Tschechien wussten in bester Lage und sehr schön zu bauen. Zugleich fällt auf, dass es offenbar nicht leicht fällt, die Bausubstanz mancher historischen Villa im Bestzustand zu halten.

Von dem ist auch der Státní Hrad Bezdeˇz (Burg Bösig) weit entfernt. Kein Wunder, schließlich stammt das historische Gemäuer aus dem 13. Jahrhundert. Es ist die am vollständigsten erhaltene Königsburg Böhmens und wird im historischen DNN-Reisebericht als "großartigste Burgruine Böhmens" gepriesen. Der Autor des historischen Berichts spricht gar von der "Wartburg des Böhmer Landes". Diese Bezeichnung passt vor allem zu Lage und Anmutung der Anlage aus der Ferne. Am Fuße des Burgbergs überrascht zunächst das geschäftige Treiben der Parkplatzwächter. Fast meint man, das ganze Dorf sei dort damit beschäftigt, die Stellgebühren zu kassieren. Aufstieg und Burgbesichtigung könnten leicht einen eigenen Besuchstag in Böhmen füllen.

Wir wenden uns indes wieder nach Norden. Die lange Tour endet mit einer zügigen Heimfahrt auf kürzester Strecke.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 10.08.2012

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