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Coswiger Tischlerei produziert in neuer Halle

Coswiger Tischlerei produziert in neuer Halle

Vorsichtig setzt Andreas Völkel in der neuen Montagehalle der Walther Expointerieur GmbH in Coswig eine Glasscheibe auf die andere. Für die Auszüge aus Briefen des Dichters Heinrich von Kleist, die in schwarzen Lettern die gläserne Oberfläche zieren, interessiert sich der Dresdner Tischler kaum.

Coswig.

Die Zeit drängt. Seine Kollegen und er müssen schneiden, schleifen und montieren. Das Mobilar für die neue Dauerausstellung im Kleist-Museum von Frankfurt (Oder) muss bald fertig sein.

Und es stehen bereits weitere Aufträge für Projekte in ganz Deutschland an. Rund 80 Prozent seiner sechsstelligen Umsätze macht "Walther Expointerieur" über die Produktion für Sammlungen und Messen - meist im Inland. Etwa 20 Prozent mit Sonderanfertigungen für Küchen, Geschäfte, Büros und mehr. Im Dresdner Hygienemuseum sind Möbel aus dem Coswiger Gewerbegebiet Südstraße genauso zu sehen wie zum Beispiel im Martin-Gropius-Bau Berlin.

Die Auftragsbücher der Tischlerei sind laut Geschäftsführung gut gefüllt. Die 42 Mitarbeiter des Familienbetriebs, der sich für fast zwei Millionen Euro eine neue Montagehalle aus dem Boden hat stampfen lassen, haben reichlich zu tun. Nichts deutet darauf hin, dass das Unternehmen trotz guter Geschäfte im Vorjahr kurz davor stand aufzugeben. Denn am 23. März 2012 war bei einem Feuer auf dem Firmengelände eine der zwei alten Werkshallen niedergebrannt.

Sie wurde bei dem Großbrand komplett zerstört. Bis zu 64 Feuerleute waren im Einsatz, um zu löschen. Der Rauch war damals so dicht, dass Coswigs Einwohner immer wieder über Radio von der Polizei aufgefordert wurden, die Fenster geschlossen zu halten. Die Halle fiel in sich zusammen. Verletzt wurde zum Glück niemand.

"Die Brandursache ist bis heute nicht eindeutig geklärt", sagt Produktionsleiterin Fanni Walther. Möglich, dass ein Kabelbrand das Feuer entfacht hatte. Es könne aber auch sein, dass sich Material in der Lackiererei entzündet hat. Rund drei Millionen Euro Schäden hinterließ das Feuer. Die Versicherung zahlte nur einen Teil davon, die Coswiger Firma klagt darum vor Gericht.

"Zum Glück standen die Kunden nach dem Brand weiter zu uns, Aufträge blieben deshalb nicht aus", sagt Fanni Walther. "Das größte Problem war ein anderes." Es habe zunächst schlichtweg an Platz für die Produktion gemangelt. "Wir hatten aber Glück im Unglück", erinnert sich die Tochter von Firmengründer Frank Walther. Denn nur zwei Wochen vor dem Brand hatte das Unternehmen nach zwei Jahren der Verhandlungen die benachbarte Halle samt Maschinen und Mitarbeitern der insolventen Firma "Magazin 5" übernommen. Nur deshalb konnte die Fertigung überhaupt weiter gehen, heißt es aus dem 1994 im Moritzburger Ortsteil Steinbach gegründeten Betrieb.

Nur wurde es in der verbliebenen Halle der Tischlerei eng. Lediglich ein Drittel der bisherigen Produktionsfläche stand dort zur Verfügung. Die Mitarbeiter mussten in zwei Schichten statt zuvor in einer rotieren. "Das war eine große Umstellung", sagt Tischler Völkel, der seit 2002 für die Coswiger arbeitet. "Das größte Problem war damals, sich nicht gegenseitig zu behindern." Noch zu bearbeitende Teile standen neben Vitrinen und Podesten für Ausstellungen.

Ein Neubau musste her - da waren sich Frank Walther und seine Tochter einig. Nun bietet die neue, über 4000 Meter große Halle aus Aluminium und Stahl genug Platz für Montage, Schlosserei, Lackiererei und Glaserei. In wenigen Tagen ist die Einfahrt zu den neuen Parkplätzen hinter der Halle fertig. Dann sind die Bauarbeiten auf dem Areal beendet.

"Weitere Investitionen sind nicht geplant", sagt Fanni Walther. Was mit den Areal der Firma auf der anderen Straßenseite passiert sei offen. Nachdem dort die Halle niedergebrannt war, wurde die Fläche für Parkplätze genutzt. Möglich wäre es, dass dort Solaranlagen aufgestellt werden. Ein Verkauf sei aber eher zu erwarten.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 13.08.2013

Stephan Klingbeil

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