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Coswiger OB Neupold: "Wir sind mal wieder einen anderen Weg gegangen"

Coswiger OB Neupold: "Wir sind mal wieder einen anderen Weg gegangen"

In Coswig hat OB Frank Neupold eine Kurskorrektur ausgerufen: 2015 will man kein Großprojekt angehen. Was dennoch in der Großen Kreisstadt wichtig ist, hat er DNN-Mitarbeiter Uwe Hofmann im Interview verraten.

Frage: Auch 2014 gab es wieder Ereignisse, die so wohl nur in Coswig vorstellbar sind. Zum Beispiel die Einweihung des Bildungszentrums West. Gibt es eigentlich in Coswig eine Art und Weise, an Dinge heranzugehen, die es sonst nirgends gibt?

Frank Neupold: Da haben wir aus einer völlig ausweglosen Situation für diese Schule ein heute für runde 6,5 Millionen Euro saniertes Gebäude gemacht. Die Idee war einfach: Man nimmt die evangelische Grund- und Oberschule und unsere staatliche Grundschule zusammen, erhält einen Grundschul-Zug im Spitzgrund und schafft ein neues Zuhause für die evangelische Schule. Uns ist nicht bekannt, dass es so etwas noch einmal in Sachsen gibt. Wir haben so ein Modell in Thüringen entdeckt, das dann für uns das Vorbild war. Wir haben den Landkreis überzeugt, letztendlich auch das Land, sonst hätten wir ja nicht die Fördermittel bekommen. Ich denke schon, dass wir damit mal wieder einen anderen Weg gegangen sind.

Ist das auch ihrer Einschätzung nach eines der wichtigsten Projekte im Jahr 2014?

Ja. Es ist das wichtigste. Die Jahre zuvor war die Erweiterung des Gymnasiums ein großer Erfolg. Aber beim Bildungszentrum muss man auch sehen, dass dort der Kindergarten saniert wurde, die Außenanlagen und alles andere gemacht wurden.

Wenn es um Schulen geht, müssen wir auch über die Oberschule Kötitz reden. Die wurde vor Jahren noch wegen zu geringer Schülerzahlen von der Bildungsagentur kritisch beäugt. Jetzt muss sie erweitert werden. Ist das eine schöne Aufgabe für Sie?

Wir freuen uns natürlich, dass der Standort jetzt sicher ist. Das hat sich aus meiner Sicht die Stadt mit ihrem Imagewechsel und vor allem auch die Schule mit den Leistungen ihrer Schüler und dem damit einhergehenden Ruf selbst erarbeitet. Das ist wohl der Grund, weshalb die Schülerzahlen in der Schule so gestiegen sind. Es zahlt sich auch der Mut aus, diese Integrationsthematik anzugehen. In die Schule gehen Schüler aus sieben oder acht verschiedenen Nationen, ohne dass es Stress gäbe. Das ist etwas Besonderes. Die Erweiterung bringt sicherlich viel Arbeit mit sich. Aber man liest anderswo eher über Schulschließungen als Erweiterungen. Wenn man in einer Stadt lebt, in der es genau anders ist, dann ist das doch ein sehr positiver Stress.

Sind die Schulen denn so etwas wie die Aushängeschilder der Stadt? Das Gymnasium hat ja wegen seines musischen Profils einen ausgezeichneten Ruf, die Oberschule Kötitz wegen ihrer vielen Aktivitäten auch.

Es gibt eine Zufriedenheitsanalyse der Industrie- und Handelskammer und der Handwerkskammer Dresden, die basiert auf Angaben aus dem Frühjahr 2014. Da liegen wir im Punkt Image der Stadt auf einer Skala von 1 bis 4 bei 1,9. Das ist für Coswig ein super Ergebnis. Da liegen wir weit vor vielen anderen Städten.

Das ist aber nur eine Umfrage unter Unternehmern.

Es ist aber schon ein Ausdruck dafür, dass dieses Image der Stadt Coswig sich gewandelt hat. Das zeigt auch die Entwicklung der Einwohnerzahl, die sich ja wiederum auf die Schülerzahl niederschlägt. Da haben wir 2014 das erste Mal seit der Wende einen Zuwachs von 84 Menschen verzeichnet.

Welche Rolle spielen dabei Siedlungsgebiete? Oder ziehen die Neu-Coswiger alle ins Wohngebiet?

Mit dem Abschluss des Stadtumbaus an der Dresdner Straße merkt man, dass es stabiler wird. Die Menschen ziehen dann nicht mehr weg. Es ist zwar noch ein Block, der zurückgebaut wird, aber das hat keine Auswirkungen mehr. Mit der Bekanntgabe des Umbauprogramms sind viele weggezogen, auch ganz aus der Stadt raus. Also da wird es jetzt stabil und bei den Ansiedlungen merkt man, dass an jeder Ecke gebaut wird. Große Siedlungsgebiete haben wir in Coswig ja nicht. Aber überall wackelt es. Gerade an der Köhlerstraße und der Försterstraße gibt es zwar noch ein paar Ruinen, aber es ist enorm viel saniert worden. Und das wirkt sich bei den Schülerzahlen aus.

Sind denn auch Asylbewerber unter den Zuzüglern? Es leben ja schon einige im Wohngebiet Dresdner Straße.

Nein, es sind 2014 keine dazugekommen.

Kann Coswig keine mehr aufnehmen?

Naja, wir haben ja 16 Familien in den Wohnungen untergebracht. Ich denke schon, dass in dem Gebiet eine gewisse Sättigung da ist. Ich kann nicht einfach so Asylbewerber, die ja anders leben, unterbringen, nur weil Leerstand da ist. Wir haben eine Verantwortung zur Unterbringung, aber ich kann nicht davon ausgehen, dass Menschen, die in einer ganz anderen Kultur aufgewachsen sind, die schlechte Dinge erlebt haben, dass ich die unvorbereitet mit unserer Kultur konfrontiere. Da müssen wir sensibel herangehen. So wie wir das gemacht haben, ist das ein gelungener Versuch, aber wir werden in diesem Jahr wohl versuchen, ein paar andere Wege zur Unterbringung zu gehen. Die Verteilung in den Gebieten, zumindest was die Dresdner Straße betrifft, ist abgeschlossen. Da müssen wir in andere Gebiete gehen und sehen, ob wir vielleicht ein bisschen konzentrierter herangehen.

Also ein Heim?

Nein, Heimcharakter sollte es nicht haben, weil das von Erfahrungen her die schlechtere Variante ist. Allerdings ist es so, dass vermehrt junge Männer kommen. Da sind Wohnungen mitten im Wohngebiet schlecht, weil die andere Interessen haben und die auch anders wahrgenommen werden als Familien. Das muss man beachten. Ich muss auch an den Nachbarn denken, nicht nur an den Asylbewerber. Das ist nicht ganz einfach. Wir haben noch keine zündende Idee dazu.

Anderes Thema: Im Pumpenhaus Kötitz müssen Millionen investiert werden, obwohl es dafür noch keine Zusage von Fluthilfe-Mitteln gibt. Ist das nicht ein Risiko?

Ich muss davon ausgehen, dass wir, egal ob wir Fördergelder bekommen oder nicht, das Pumpenhaus so ertüchtigen, dass es nicht wie bei der Flut 2002 einen Rückstau aus dem Kanal in die Innenstadt verhindert. Das ist das oberste Ziel, mit und ohne Fördermittel.

Das ist bei einer Flut der verwundbarste Punkt von Coswig, oder?

Ja. Wir haben zwei verwundbare Stellen bei einer Flut, das ist Brockwitz und das ist der Kanal. Zumindest bei den Pegelständen, die wir bisher hatten.

In Brockwitz ist es so, dass man den Menschen zumindest die Selbsthilfe ermöglicht hat, weil der allgemeine Flutschutz erst einmal nicht kommt.

Der Bebauungsplan dient eigentlich dazu, dass die Menschen in einem gewissen Maße selbst über ihr Schicksal entscheiden können. Indem man auch genehmigungspflichtige Umbauten am Haus vornimmt, die ein Hochwasser erträglich machen. Das kann das Heben sein oder ein Neubau. Die Umsiedlungsthematik, die nach wie vor eine Rolle spielt, hat den Nachteil, dass ich das Bauland nicht zur Verfügung habe und dann auch der Rückbau ansteht. Allerdings hoffen wir noch, dass der Flutschutz kommt.

Ich stelle mir jetzt Brockwitz in 15 Jahren vor: Alle haben die Häuser gehoben und dann soll eine Flutschutzwand kommen.

Na das geht dann nicht. Wir haben eine Priorität, was den Flutschutz angeht. Je geringer die Probleme werden, die durch ein Hochwasser entstehen, desto mehr sinkt diese Priorität. Im Moment ist sie aber schon so schlecht, dass man auf lange Sicht nicht mit dem Flutschutz rechnen darf, den das Gebiet braucht.

Es wird spannend sein zu beobachten, was in den nächsten Jahren an der Niederseite passiert.

Ja. Es gab Widerstände der Behörde, aber die werden kleiner. Es wird vielleicht wirklich ein Pilotprojekt, so wie wir uns das wünschen.

Spannend wird es 2015 auch an der Staatsstraße 84neu. Der Abschnitt 2.1 soll im Frühjahr fertig werden. Wie geht es dann eigentlich weiter? Die Planungen für den Abschnitt 2.2, der durch das Gewerbegebiet Grenzstraße führt, sollen ja lange geruht haben.

Es gab Anfang Dezember ein Treffen, bei dem sich die Bürgermeister, das Wirtschaftsministerium und das Planungsbüro Deges getroffen haben. Das Planungsverfahren wird von vorn begonnen, das hängt mit überschrittenen Fristen, anderen Ideen, auch mit Geld zusammen. Es gibt schon ein paar Einschnitte, um Kosten zu sparen, was grundsätzlich richtig ist. Das große Fazit ist, dass sowohl Coswig als auch Radebeul an der Schnittstelle Grenzstraße viel Positives erleben werden. Da sollen unsere Wünsche weitgehend berücksichtigt werden. Inwieweit das fachlich geht, werden wir sehen. Es wird sicher noch ein Jahr dauern. Im weiteren Verlauf durch Coswig durch denke ich schon, dass Lösungen erarbeitet worden sind, mit denen Coswig leben kann.

Was sind denn die erfüllten Wünsche?

Dass wir die Staatsstraße nicht als Hochstraße bauen, dass wir die Anschlüsse an die Schiffsmühle bekommen, dass der ganze Quellverkehr dort abgeleitet wird. Positiv ist auch, dass es weitergeht durch Coswig und nicht an der Schiffsmühle endet. Da gab es ja auch Bedenken. Es wird Anschlüsse an der Cliebener Straße geben und an der Ziegelstraße. Das ist uns angekündigt.

Was bedeutet die Fertigstellung des Abschnitts 2.1 für die Kötitzer? Verstehe ich das richtig, dass man die Naundorfer Straße saniert, damit der Fernverkehr nicht durch den Ortskern rollt?

Naja, das ist eher ein zeitlicher Zufall, den wir nutzen. Nach dem Plan sollte die Staatsstraße ja schon seit Herbst wirksam sein. Nun ist es verschoben bis in den Mai. Die Verkehrsdichte, die man sich auf der Staatsstraße 84neu erhofft, wird man aus meiner Sicht ohnehin erst haben, wenn sie zwischen Dresden und Meißen komplett ist.

Abgesehen von dem angesprochenen: Was wird in diesem Jahr wichtig sein?

Wir werden den Stadtumbau abschließen, zumindest im Wesentlichen. Auch die Sanierungsgebiete werden abgeschlossen.

Also zwei sehr langfristige Projekte, die zu Ende gehen.

Ja. Es wird auch gesellschaftliche Höhepunkte geben, etwa 25 Jahre Städtepartnerschaft mit Ravensburg. Das ist schon eine Verpflichtung.

Sonst stehen keine Großprojekte an?

Es ist vielleicht eine Kurskorrektur, aber wir werden 2015 mal keine neuen Rathäuser oder Kitas oder Villen bauen. Das ist nun alles erledigt.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 21.01.2015

Uwe Hofmann

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