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Coswiger Aronia-Ernte futsch: Flutschäden bereiten den Obstbauern Sorgen

Coswiger Aronia-Ernte futsch: Flutschäden bereiten den Obstbauern Sorgen

Für Michael Görnitz von der Obstbau GbR in Coswig ist 2012 ein Erntejahr zum Vergessen. "Das ist doch Wahnsinn", ringt der Betriebsleiter um Worte.

Coswig.

"Mal extreme Hitze, dann immer wieder Starkregen und dieses schlimme Hochwasser - unfassbar." Vor allem die jüngste Flut habe ihm zugesetzt, sagt der Unternehmen aus dem Ortsteil Neusörnewitz.

Auf einer Fläche von einigen hunderttausend Quadratmetern standen die Felder am Elbufer tagelang unter Wasser. Nachdem die Wassermassen gewichen sind, müssen dort Schlamm, Gerümpel und anderes Treibgut entfernt werden. Danach stehen Bodenproben an. Qualitätskontrollen sowieso. Das Bio-Unternehmen wolle seine hohen, selbst gesetzten Standards weiterhin erfüllen, sagt Görnitz.

Wahrscheinlich werde es aber auf den Aronia-Feldern in Coswig, Kötitz und Brockwitz nach der jüngsten Flut Ausfälle von 250 Tonnen geben, schätzt er. Diese Flächen umfassen die größte zusammenhängende Aronia-Plantage in Deutschland. Jammern will der Obstbauer aber nicht. Trotz der immensen Flutschäden versucht er, optimistisch in die Zukunft zu blicken. "Wenn das Wetter sowie Böden- und Fruchtqualität stimmen, sind hier noch einige Aroniasträucher zu retten. Bis zur Ernte Ende August, Anfang September ist noch etwas Zeit."

Darauf setzt auch die Aronia Original Naturprodukte GmbH. Das Dresdner Unternehmen ist seit über zwei Jahren Exklusivpartner der Coswiger, die vor der Wende die Lebensmittelkonzerne Haribo und Schwartau in der BRD belieferten, die wiederum den Farbstoff der Beeren nutzten. Heute nimmt Aronia Original fast die ganze Aronia-Ernte des Obstbaubetriebs ab. Die auch Apfelbeere genannte Aronia wird wegen ihres hohen Gehalts an Zellschutz-unterstützenden Pflanzenstoffen eine gesundheitsfördernde Wirkung nachgesagt. Die Dresdner verarbeiten die Beeren und vermarkten sie zum Beispiel als Saft, Konfitüre, Wurst, Nascherei oder Naturkosmetik.

"Es sieht zwar auf der Plantage noch schlimm aus, aber die Aronia hat eine ungeheure Kraft", sagt "Aronia Original"-Geschäftsführer Jörg Holzmüller. "Erst nach Analyse der Proben werden wir sehen, wie hoch die Ausfälle tatsächlich sind." Für die Gesamtproduktion bringe dies keine Einbußen mit sich: Man könne auf Aronia-Erträge von Partnerbetrieben in Polen zurückgreifen.

Für die regionale Marke "100 Prozent Direktsaft aus Beeren vom Elberadweg" hätte ein Total-Ausfall der Coswiger Ernte Konsequenzen. "Davon gehen wir aber nicht aus", erklärt Holzmüller. Ebenso Görnitz: Da die Obstbau GbR Aronia auch auf höheren Flächen in Meißen-Zaschendorf angebaut hat, kann in diesem Jahr der Aronia-Regionalsaft angeboten werden, sagt der 27-Jährige.

Um die Beeren auf den fast 400 000 Quadratmetern großen Feldern am Elberadweg steht es trotzdem schlecht. Das Hochwasser traf die Pflanzen in einer empfindlichen Phase, so Görnitz. "Viele Beeren fielen ab, ich muss die Sträucher dort wohl zurückschneiden." Damit seien zwei Jahre Ertrag futsch.

In ersten Schätzungen beziffert Görnitz seinen Gesamtschaden auf rund 400 000 Euro. "Wenn man die Langzeitschäden samt künftigen Ernteausfällen berücksichtigen würde, wäre diese Zahl siebenstellig", sagt Görnitz. Anders als beim Ackerbau seien die Dauerkulturen stärker betroffen. 150 Tonnen Quitten, fast 40 Tonnen Sauerkirschen - alles futsch.

Diese Bäume müsse der Betrieb mit 16 Mitarbeitern allesamt roden. "Da ist nichts mehr zu machen", sagt Görnitz. "Acht Jahre haben wir zum Beispiel in die Sauerkirschen investiert, dieses Jahr stand eigentlich die erste richtig gute Ernte an." Daraus wird nichts. Er muss alles neu pflanzen. Mit Sicherheit nicht aber mehr in Elbnähe, sagt Görnitz. Das Obstbauunternehmen verfüge noch über genug Flächen in der Region. 1,5 Millionen Quadratmeter bewirtschaftet der Betrieb. Er würde die Felder am Elbufer bei einer "angemessenen Entschädigung" sogar aufgeben, damit sie bei Flut als Ausweichflächen genutzt würden. Doch damit beschäftigt sich der Neusörnewitzer noch nicht.

Er hofft zunächst auf Unterstützung von Agrarverbänden und Unternehmen, denen die Obstbauern selbst halfen. Vor allem aber hofft der Betriebsleiter darauf, dass es nicht mehr so heftig regnet. Wegen der jüngsten Niederschläge kommen 60 Erntehelfer aus Rumänien kaum zum Einsatz. Sie warten in der eigens für sie errichte-ten neuen Wohnanlage der GbR auf besseres Wetter. "Wenn es regnet, kommen außerdem keine Selbstpflücker hierher", sagt Görnitz. Zu pflücken gebe es allerdings trotz Flut noch genug. Das Erdbeergeschäft sei etwa bisher ganz gut gelaufen. Hier könne man täglich an der Cliebener Straße von 7 bis 19 Uhr selbst ernten.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 27.06.2013

S. Klingbeil

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