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Christoph Leonhardt zeigt heute einen Film zur Niederwarthaer Brücke

Christoph Leonhardt zeigt heute einen Film zur Niederwarthaer Brücke

Langsam führen die Männer das schwer am Kran hängende Seil in die dafür vorgesehene Hülse. Am anderen Ende wird eine gigantische Mutter aufgeschraubt. "Wenn da einer die Finger dazwischen hat.

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Christoph Leonhardt filmt seit mehr als 50 Jahren regionales Zeitgeschehen. Mit der Brücke beschäftigt er sich schon zum zweiten Mal.

Quelle: Carola Fritzsche

..", ruft Christoph Leonhardt aus, gebannt dem Geschehen auf der Mattscheibe folgend. Dabei hat er die Szene schon unzählige Male gesehen. Er selbst hat die Befestigung der tonnenschweren Stahlseile abgefilmt, so wie viele der anderen Arbeitsgänge, die zum Bau der Niederwarthaer Brücke nötig waren. "Pylon und Stahlseil" heißt sein Dokumentarfilm, der schon mehrfach bei Vorführungen und auch im regionalen Fernsehprogramm zu sehen war. Am Montag zeigt der 83-jährige Leonhardt, den man mit Fug und Recht als filmischen Chronisten Radebeuls bezeichnen darf, den zweiten Teil seiner Langzeitbeobachtung, der die Anbindung der Brücke bis zur Verkehrsfreigabe im Dezember 2011 thematisiert. Es ist wohl der letzte Film dieser Art, der von Christoph Leonhardt zu sehen sein wird.

Mit dem Brückenfilm sei "auch die Technik zu Ende", flaxt er. Ersatz für die zerschlissene Kameratechnik wolle er sich nicht anschaffen. Obwohl man ihm schon anmerkt, dass er liebend gern wenigstens die Anbindung der Brücke an die Naundorfer und Kötitzer Straße noch gefilmt hätte. Langzeitbeobachtungen liegen ihm. In den 70er Jahren hat er einmal die Entwicklung einer Mädchenturngruppe acht Jahre lang begleitet und dann zu einem Film geschnitten - mit seiner Tochter Sabine als einer der Handelnden. Dieser Film ist derzeit in einer Ausstellung im Stadtarchiv zu sehen. Auch andere Filme bewahrt Stadtarchivarin Annette Karnatz für die Nachwelt auf: Ob zum Spitzhaustreppenlauf, dem Elbehochwasser 2002, den Karl-May-Festtagen oder der Einrichtung des Schmalspurbahnmuseums im alten Güterbahnhof - vielen wichtigen Ereignisse des Stadtgeschehens hat Leonhardt festgehalten.

Vor rund 50 Jahren hat ihn die Leidenschaft dafür gepackt. 1956 ist der gelernte Elektriker, Mechaniker und Meister der Feinwerktechnik nach Radebeul gezogen, lernte in seiner neuen Heimat einen Nachbarn kennen, der mit Acht-Millimeter-Filmen drehte. Für Leonhardt der Beginn einer Leidenschaft, mühsam zahlt er eine eigene Kamera ab, dreht als erstes einen Film zum Geburtstag seines Sohnes. 1962 liest er von einem Amateurfilmklub in Radebeul und wird Mitglied. Zwei Dutzend Filmfreunde, die sich gegenseitig bei ihren Projekten unterstützen, beraten, beurteilen. "Spitzenfilme kamen bei uns raus", sagt Leonhardt stolz. Viele davon preisgekrönt. Dabei halfen die regelmäßigen Schulungen bei Mitarbeitern des Dresdner DEFA-Trickfilmstudios und eine Radebeuler Erfindung, die Tonbandgerät und Filmkamera mittels Schrittzähler koppelte. Tonfilm für Animateure war sonst nicht ohne widrige Fummelei zu bekommen. Darüber hätten selbst die Filmfreunde in der BRD gestaunt, erinnert sich Leonhardt der begehrten Technik.

Mit der Wende fand der Amateurfilmklub, den Leonhardt seit 1985 leitete, ein jähes Ende. Die VHS-Technik habe ihn nicht so gereizt, sagt der Radebeuler schlicht. Erst zur Jahrtausendwende legt er sich eine neue Kamera zu, richtet sich einen kleinen Schnitt- und Tonraum in seiner Wohnung ein. Mag sein, dass die Begegnung mit Klaus Hübner, einem anderen Filmenthusiasten, der heute mehr als 80 Jahre alt ist, daran ihren Anteil hat. Gemeinsam veranstalten beide Abende, führen ihre Filme vor, lassen den Filmamateurklub bis 2012 wieder aufleben. Und Leonhardt dreht wieder, oft auch im Auftrag der Stadt. Die klare Bildsprache, die nicht verfremden, sondern erklären will, mag daran ihren Anteil haben. "Heute werden ja nur noch Clips gedreht. Etwas zu durchdenken, zu überlegen, was man mit seinen Bildern aussagen will. Dafür fehlt oft die Zeit", kritisiert Leonhardt. Er nimmt sie sich und man merkt seinen Filmen an, dass er vor Langem schon das Handwerk gelernt hat. Sie kämen oft genug auch ohne die ohnehin knapp gehaltenen Kommentare aus dem Off aus.

Wobei das für den zweiten Brückenfilm weniger gilt. Den sprechen als besonderen Clou, die drei Bauleiter ein, jeder für seine Baustelle: Frank Lehmann also für die Querspange Naundorf, Winfried Wunder für die Anbindung Richtung Meißen, Daniel Böttcher für die Niederwarthaer Seite.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 05.05.2014

Uwe Hofmann

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