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Carlos Matos bringt an den Landesbühnen einen Tanzabend zu Chansons von Jacques Brel heraus

Carlos Matos bringt an den Landesbühnen einen Tanzabend zu Chansons von Jacques Brel heraus

Reiner Feistel, langjähriger Ballettchef an den Landesbühnen Sachsen, hatte im Herbst 2012 zu seiner Nachfolge geäußert, es müsse jemand gefunden werden, der seine eigenen Wege geht, zum Hause passt, Nähe zum Publikum herstellen kann und im besten Sinne ein Geschichtenerzähler ist.

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Judith Speckmaier, Clémentine Herveux und Till Geier.

Quelle: Hagen König

Nach der gefeierten Premiere von "Brel" auf der Großen Bühne in Radebeul fällt es überhaupt nicht schwer, justament auch diese Eigenheiten bei Carlos Matos zu entdecken, dem erfahrenen portugiesischen Tänzer und Choreografen, der mit deutlichem Erfolg und fähigen Partnern seine Tanzcompagnie an den Landesbühnen weiter formt. Dass er selbst und offenbar ebenso die Ensemblemitglieder dabei recht glücklich sind, war beim langen Schlussapplaus zu spüren, als er die Tänzer gerührt je im Dreierpack umarmte.

Die Inszenierung zu Chansons des belgischen Sängers und Schauspielers Jacques Brel hatte er einst in Hildesheim herausgebracht. Was aber kein (Gebraucht-)Makel ist und schon gar nicht beim Tanz. Mit neuer Besetzung, neuen Ideen gerät keine Produktion wie die andere, setzt allein schon in der Persönlichkeit der Tanzdarsteller veränderte Akzente. Carlos Matos ließ sich auch von den Eindrücken des Films "Le Bal" inspirieren. Die Ankömmlinge platzieren und arrangieren sich im Tanzpalast, der in dieser Bühnenversion irgendwie auch ein ganz normales, heutiges Tanzcafé sein könnte, mit Treppe und großer Sichtscheibe zur Straße, zum Publikum hin. Die da kommen, haben alle ihre versteckten, verdeckten oder auch offen liegenden Probleme mit dabei, sind himmelhochjauchzend, zu Tode betrübt, Pole, die sich anziehen oder abstoßen.

Spürbar passen sich die einzelnen Geschichten in das übergreifende Tanzhaus-Geschehen ein, sind miteinander verwoben, nehmen sympathischerweise im Schlussbild der Aufführung den Beginn wieder auf, assoziieren Kreisläufe von Kommen und Gehen, Finden und Verlieren, von Wut und Nachsicht, Trauer und Glück. Deutlich gibt es da auch Charakterzeichnungen - die neun Tänzer agieren durchweg mit Namen und "inszenierten" Eigenheiten. Die konkreten szenischen Anregungen kommen aber, ohne vordergründig zu sein, von den wunderbaren Texten Brels. Seine Emotionen, seine Stimme, seine Fähigkeit, bis zum Zerreißen zu lieben, schaffen quasi den Erlebnisraum für das wechselvolle Tanzgeschehen.

Speziell im zweiten Teil des Abends finden sich recht berührende wie auch kuriose Einfälle, die ebenso mit dem Raum und der Bühne von Stefan Wiel spielen. Die Tische und Stühle beispielsweise sind so fantasievoll eingesetzt, dass sie schon mehr sind als nur Ausstattungsstücke. Da entsteht ein im Gesamteindruck fein gesponnener Abend, der auch mit den gut durchdachten und farblich durchkomponierten Kostümen von Annett Hunger gewinnt. Und er wirkt intensiv vor allem dann, wenn sich die Körpersprache nicht in tänzerischer Beliebigkeit verfängt, sondern entsprechend der jeweiligen Liedstimmungen beredt ist.

Zum Beispiel prägt sich ein, wie sich nach der Pause Susanne (Judith Speckmaier) reichlich "angeschlagen" und mit vollem Körpereinsatz ans Piano begibt, um ihr Liebesleid Tränen gleich auf die Tasten "tropfen" zu lassen. Was ihr ganz hinreißend gelingt. Oder Bernard (Till Geiger) bei "Au suivant" ("Der Nächste") in der Reihe von attraktiven Bevorzugten vergeblich versucht, sich in der Platzierung zu verbessern.

Auch für die irre Versuchung "Wie töte ich den Liebhaber meiner Frau" (mit Luan Donato Soares, Clémentine Herveux und Igor Kirov, der als Gast, mit dem Stück bereits vertraut, für den verletzten Marc Wandsleb den Jean-Pierre tanzte) findet Matos verrückte Bilder. Er ließ das anvisierte Ehebrecher-Paar wie bei Schießbudenfiguren, wo die Gestalten auf- und abtauchen und immer wieder in die Schusslinie geraten, hinter zwei Tischplatten agieren, die wie Bollwerke wirken. Dass dabei Soares als etwas unentschlossener Rächer ein Talent fürs Skurrile zeigt, war hier nur angedeutet. Da hätte man gern auch noch etwas mehr gesehen.

Es ist gut zu verstehen, dass sich Carlos Matos, der übrigens auch noch Sänger ist, so sehr in den Bannkreis von Jacques Brel gezogen fühlt. Weil uns dieser mit Stimme und Seele nahekommt und in den Erinnerungen vieler verankert ist. Da bleibt es auch nicht aus, dass man auf dem Heimweg eines der Lieder summt und zu Hause wieder alte Platten auskramt.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 05.05.2014

Gabriele Gorgas

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