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Büro-Gebäude in Meißen wird Erstaufnahme für 120 Asylbewerber

Büro-Gebäude in Meißen wird Erstaufnahme für 120 Asylbewerber

Meißen. Die Aufforderung ist deutlich: "Bitte nicht im Gang rumstehen", schallt es durch das ehemalige Bürogebäude am Kreyernweg in Meißen. Mitarbeiter des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) schleppen dort allerhand Gerät hinein, vor allem Feldbetten, aber auch Nahrung und andere Hilfsgüter.

Es ist Freitag-Vormittag, gegen 14 Uhr werden schon die ersten Asylbewerber erwartet. Etwa 120 Personen sollen es sein, mehr wissen die DRK-Mitarbeiter auch nicht. Viel Zeit zum Fragen bleibt ihnen ohnehin nicht, kaum eines der 40 Zimmer des früheren Verwaltungsgebäudes, das vor Jahren von der Staatsanwaltschaft, zuletzt noch von der Polizei für Schulungszwecke genutzt wurde, ist zu diesem Zeitpunkt schon hergerichtet. Am Kreyernweg steht seit gestern Meißens Erstaufnahme-Stelle für Asylbewerber. Und das "nicht nur für eine Woche", wie Ingolf Ulrich, Sprecher der Landesdirektion Sachsen (LD) mit Blick auf die Turnhalle der Verwaltungshochschule in Meißen-Cölln sagt. Dort lebten vom Freitag vergangener Woche bis zum Donnerstag 91 Asylbewerber. Am Kreyernweg soll Platz für bis zu 160 Menschen sein. Wie lange die provisorische Auffangstation betrieben wird, vermag derzeit niemand zu sagen. Vielleicht wird die Interimslösung aufgelöst, wenn wie von der LD beabsichtigt in ein paar Wochen in Leipzig ein Gebäude mit 350 Betten bereit steht. Vielleicht auch erst im Herbst, wenn in Dresden und Leipzig neue, reguläre Erstaufnahmen für je 700 Personen entstanden sind.

Die Landesdirektion hat reichlich Kritik einstecken müssen, weil sie in der vergangenen Woche alle mit ihrer Entscheidung, die Turnhalle zum Notasyl umzubauen, überrascht hatte. Viel Vorwarnung gab es auch dieses Mal nicht, Oberbürgermeister Olaf Raschke (parteilos) und Landrat Arnd Steinbach (CDU) erfuhren erst am Mittwoch von den Absichten. Mitsprache haben sie ohnehin nicht, die Erstaufnahme ist Sache des Freistaats, erst wenn die Asylbewerber auf die Landkreise verteilt sind, reden die Kommunen mit. Dennoch bemüht man sich bei der Landesdirektion um Transparenz, hat Zettel unter den Einwohner verteilt.

Dabei zeigt sich das abgelebte Bürogebäude als das, was es ist: Ein Provisorium, zu dem der Freistaat nur greift, weil die vorgehaltenen Kapazitäten in der Chemnitzer Erstaufnahme und ihrer Außenstellen nicht genügen. Zumeist drei Feldbetten werden in Zimmer gestellt, die um die 20 Quadratmeter groß sind. Sollte die Erstaufnahme wirklich bis zur vollen Kapazität ausgelastet werden, wird es noch enger. Dann erhält jedes Zimmer vier Betten. Immerhin sollen auch Gemeinschaftsräume eingerichtet werden, in denen gemeinsam gegessen werden kann und die Kinder Platz zum Spielen haben. "Wir wollen hier eine gute Mischung aus Familien und Alleinreisenden unterbringen, das hat sich bewährt", sagt LD-Sprecher Ulrich.

Ein Ort zum Leben ist das allerdings nicht. Dafür ist es aber auch gar nicht gedacht. Längstens drei Monate sollen Asylbewerber hier wohnen, dann muss über ihre Abschiebung oder ihre Unterbringung in einem der sächsischen Landkreise entschieden sein. Wer dort Unterschlupf erhält, muss sich also nicht allzu lange arrangieren mit gesprungenen Fenstern, mit der Enge in den Räumen und Fluren, mit den Duschen und den Toiletten, die in vier Containern neben dem dreistöckigen Flachbau aufgestellt werden, weil die sanitären Anlagen im Gebäude "unzureichend" sind, wie Ulrich sagt.

Versorgt werden die Menschen durch die Stiftung soziale Projekte, die soziale Betreuung übernimmt das DRK. Außerdem wird ein Wachschutz mit drei Personen präsent sein. Für jede Etage gibt es zudem eine Brandwache, weil der Brandschutz im Gebäude nicht gerade auf dem neuesten Stand ist.

Offen ist die Frage, wie die Meißner mit der neuen Erstaufnahme umgehen. Zu einer NPD-Demonstration am Donnerstag, die sich gegen das zu dem Zeitpunkt schon geschlossene Notasyl richtete, kamen laut Polizei 150 Teilnehmer, zur Gegendemo weitere 100. Wenn es ganz schlecht läuft für die Asylbewerber, macht sie nicht nur die NPD zum Wahlkampfthema vor der Landratswahl.

Amtsinhaber Arnd Steinbach jedenfalls steht derzeit bei Grünen und SPD in der Kritik, weil er nach der Demonstration mit den Asyl-Gegnern eine Diskussionsrunde organisierte, an der sich Vertreter der Gegendemo nicht beteiligen wollten. Man setze sich nicht mit der NPD an einen Tisch, hieß es. Wes Geistes Kindes manche der Demonstranten sind, zeigt ein Blick in den Polizeibericht. So wird gegen eine 32-Jährige ermittelt, weil sie nach der Demo den Hitlergruß zeigte.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 21.02.2015

Uwe Hofmann

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