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Bizarrer Streit um Bauwagen hinterm Friedhof

Bizarrer Streit um Bauwagen hinterm Friedhof

"Ich habe es meinem Mann doch versprochen", sagte Germana Börner traurig. Die Witwe musste gestern vor dem Oberlandesgericht Dresden die Waffen strecken.

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Der Bauwagen des Anstoßes hinter dem Familiengrab der Börners (weißer Kreis). Die Witwe klagte dagegen bis vor das Oberlandesgericht.

Quelle: Dietrich Flechtner

Dohna/Dresden. "Keine Erfolgsaussicht" beschied der 14. Zivilsenat unter Vorsitz von Helmut Kaiser der Klage. Einer ungewöhnlichen Klage: Die 81-Jährige will, dass ein hinter der Friedhofsmauer stehender Bauwagen beseitigt wird.

Bis 1951 lebten Germana und Sigmar Börner in Dohna. Sie legte in Pirna das Abitur ab, ihm gehörte die Brauerei in Großsedlitz. Dann verschlug es das Paar nach Norddeutschland. Der Kontakt in die Heimat riss nie ab. Auf dem Dohnaer Friedhof befand sich das Familiengrab der Börners. "Wir haben es all die Jahre behalten und pflegen lassen", sagt Germana Börner.

Im Herbst 2009 habe sie mit ihrem Mann wieder einmal das Familiengrab besucht. "Wir trauten unseren Augen nicht. Hinter der Mauer stand plötzlich ein Bauwagen." Sie habe ihrem Sigmar versprochen, alles zu tun, damit der Bauwagen schnell wieder entfernt wird. "Das ist doch völlig pietätlos. Ein Bauwagen, in dem ständig gebechert wird, direkt hinter einem Grab", findet sie. Anfang 2010 starb der Fernsehregisseur Sigmar Börner und wurde in seiner Heimat beerdigt. Seitdem kämpft seine Witwe gegen den Bauwagen.

Sie wandte sich erst an den Besitzer des Fahrzeugs, dann an die Friedhofsverwaltung, den Gemeinderat, den Kreistag, die Landeskirche. "Der Eigentümer hat es abgelehnt, den Bauwagen zu beseitigen", so die Witwe. Die anderen Institutionen hätten ihr volles Verständnis übermittelt. "Aber machen konnten die alle nichts."

Rechtsanwalt Arno Wolf vertritt den Besitzer des Bauwagens, einen Unternehmer. "Mein Mandant ist schwer krank. Die Sache hat ihn sehr mitgenommen. Wir wollen uns nicht dazu äußern", erklärte er gegenüber DNN. Dem Gericht zeigte Wolf Fotos vom Stein des Anstoßes: Der Besitzer hat das Dach begrünen lassen und sogar Lebensbäume gepflanzt, damit der Bauwagen vom Friedhof aus nicht zu sehen ist. "Der Wagen kann nicht umgesetzt werden. Wenn man ihn auch nur einen Meter bewegen will, wird dabei der komplette Unterbau zerstört", erklärte Wolf.

Der Senat betrachtete aufmerksam die Bilder und fragte die Witwe, ob sie nicht mit dem Sichtschutz aus Lebensbäumen leben könne. "Unter Umständen würde ich mich damit ja zufrieden geben", erklärte die 81-Jährige. Aber: Der Friedhofsgärtner habe ihr gesagt, dass die Bäume laienhaft gepflanzt worden seien. "Was machen wir denn, wenn sie eingehen? Muss ich dann wieder klagen?"

Kaiser schlug eine Protokollnotiz vor: Der Beklagte verpflichtet sich, die Bepflanzung aufrechtzuerhalten und regelmäßig zu pflegen. Rechtsanwalt Hans-Joachim Wolff, der die Witwe vor Gericht vertrat, wollte statt dieser Zusage einen Vergleich erreichen, biss aber bei Wolf auf Granit: "Die Nerven meiner Mandantschaft sind völlig zerrüttet. Ich werde sie nicht wegen eines Vergleichs behelligen. Sie bekommen von mir die Protokollnotiz. Mehr gibt es nicht." Schweren Herzens nahm die Witwe ihre Klage zurück.

"Ich kann doch nicht zufrieden sein, wenn hinter dem Grab meines Mannes, in dem ich auch meine letzte Ruhe finden will, gebechert wird", sagte die 81-Jährige nach dem Prozess. Enttäuscht sei sie vor allem von der Friedhofsverwaltung, die nichts unternommen habe. "Aber wir sind eben die einzige Grabstelle, die von diesem Bauwagen beeinträchtigt wird."

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 01.10.2014

Thomas Baumann-Hartwig

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