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Birgit Michael gewinnt mit Zeitzeugenforum Moritzburg den sächsischen Generationenpreis

Birgit Michael gewinnt mit Zeitzeugenforum Moritzburg den sächsischen Generationenpreis

Seit ihrer frühesten Kindheit lebt Birgit Michael im Moritzburger Ortsteil Boxdorf. „Obwohl ich hier aufgewachsen bin, habe ich mich nie so richtig dazugehörig gefühlt“, meint die 57-Jährige.

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Der Austausch zwischen den Generationen steht im Mittelpunkt.

Quelle: dpa

Die Mutter kam aus Schlesien in den kleinen Ort vor den Toren Dresdens, den Vater verschlug es nach dem Krieg aus Bayern in das damalige Dorf. Die Familie lebte sich nur langsam ein. „Ich habe bei vielen Zugezogenen beobachtet, dass sie sich irgendwie fremd fühlten“, erklärt Birgit Michael. „Irgendwann dachte ich, das müsse man doch irgendwie ändern und versuchen die Leute zusammenzubringen.“

Gesagt, getan: Im Dezember startete Michael gemeinsam mit sechs Gleichgesinnten das Zeitzeugenforum Moritzburg „Ohne mich nix los“. Ihr Ziel: Ein Projekt, das alle Generationen des Ortes miteinander verbindet. Geschichte sollte bei Treffen oder informellen Zusammenkünften lebendig kommuniziert, sprödes Schulwissen mit persönlichen Erzählungen anschaulich gemacht werden. Am Mittwoch wurde Birgit Michaels Zeitzeugenforum Moritzburg nun vom Freistaat Sachsen mit dem Generationenpreis geehrt. Die von Ministerpräsident Stanislaw Tillich ausgelobte Auszeichnung richtet sich an sächsische Projekte, die das Miteinander, den Kontakt und Dialog von mindestens zwei Generationen nachhaltig unterstützen.

Auch Birgit Michael ging es von Anfang nicht nur darum, der älteren Generation in Boxdorf Raum für Geschichten aus alten Zeiten zu geben. Bei den organisierten Gesprächs- und Kaffeerunden sowie Wanderungen des Zeitzeugenforums stand vor allem der Austausch zwischen den Generationen im Mittelpunkt. „Jeder kann ein Zeitzeuge sein - vom 14-jährigen Teenager bis hin zur 90-jährigen Rentnerin“, stellt Michael klar. So sollen nicht nur die „Alten“ den „Jungen“ ihre Erlebnisse aus dem NS-Regime, der DDR und BRD näherbringen. Das Projekt bietet auch den Jugendlichen die Möglichkeit, der älteren Generation von ihrer aktuellen Lebenssituation zu berichten. Klischees wie „die Jugend von heute“ oder „die Alten wieder“ sollen so aufgeweicht werden. Damit das Erzählte auch für andere Interessierte zugänglich ist, werden alle Zeitzeugengespräch aufgenommen und transkribiert.

Um das Projekt überhaupt realisieren zu können, gründete Michael gemeinsam mit sechs weiteren den Mehrgenerationentreff buntStift Boxdorf e.V. Der Verein führt eine Datenbank mit 20 Ehrenamtlichen, die sich bereit erklärt haben, als Zeitzeugen über ihr Erlebtes zu sprechen. Inzwischen haben unter anderem zwei von ihnen mit Schülern der Kurfürst-Moritz-Schule Boxdorf über Flucht und Vertreibung nach dem Zweiten Weltkrieg gesprochen. „Alle drei Parteien - Schüler, Zeitzeugen und Lehrer - waren von der Stunde begeistert“, berichtet Birgit Michael.

Große Chancen auf den Generationenpreis Sachsen hatte sich die selbstständige Altenpflegerin aber nicht ausgerechnet. „Ich hoff's einfach mal, dass es uns vielleicht trifft“, sagte Michael im Vorfeld. 179 Beiträge wurden sachsenweit eingereicht, 36 kamen in die engere Auswahl. Den 3. Platz machte das Projekt „Bienenfreundliche Stadt“ des Lebens(t)räume e.V. aus Ebersbach-Neugersdorf, das 2000 Euro Preisgeld erhielt. Dabei wurde eine Brachfläche im Ort zur Bienenweide umfunktioniert, auf der Kinder, Eltern und Senioren gemeinsam die dort angesiedelten Bienen versorgen. Auf dem zweiten Platz mit einem Preisgeld von 4000 Euro landete das SOS-Mütterzentrum Zwickau mit dem Projekt „Vor-Lesen“, das Kindern im Grundschul- und Kitaalter Spaß an Büchern und Texten vermittelt.

Jeweils einen der drei Anerkennungspreise gab es für ein sozial-integratives Theaterprojekt des Großstadtkinder e.V. Leipzig-Grünau, die Kulturfabrik Hoyerswerda mit „Hoyerswerda - Eine Stadt tanzt“ und das Projekt „Generationendialog“ des Treffpunkts Hilfsbereitschaft von der Freiwilligen Bürgerstiftung Dresden. Die Anerkennungspreisträger erhielten jeweils 1000 Euro vom Land. Ministerpräsident Stanislaw Tillich (CDU) würdigte in seiner Festrede am Mittwoch das große Engagement der Preisträger im Umgang mit dem demografischen Wandel: „Sie sagen sich: Altwerden ist nicht schlimm. Nicht für die Alten, nicht für die Jungen, nicht für unsere Städte und Dörfer. Es kommt nur darauf an, was man daraus macht.“

Dass sich das Zeitzeugenforum Moritzburg nun über den ersten Preis und 6.000 Euro Förderung freuen kann, ist für die Boxdorferin Birgit Michael eine große Überraschung. „Wir planen im Herbst das Zeitzeugenprojekt weiter auszubauen“, sagte die dreifache Mutter im Vorfeld der Preisverleihung. „Das Geld könnten wir also gut gebrauchen“.

Susann Schädlich

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