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Bewährung statt Haft - Eine traurige Dorfgeschichte

Bewährung statt Haft - Eine traurige Dorfgeschichte

Der Vorfall hatte vor vier Jahren einen kleinen Ort in der Nähe von Meißen in helle Aufregung versetzt. Einer aus der idyllischen Dorfgemeinschaft soll homosexuell sein.

Im Sommer 2008 war bekannt geworden, dass der damals 55-jährige Knut F. den 21-jährigen Willi W. (Name geändert) sexuell missbraucht haben soll. Der junge Mann war zwar groß und kräftig, aber geistig behindert - er hat das geistige Niveau eines Vorschulkindes. Besonders schlimm an dem Fall: Knut F. war sein Freund, die einzige Kontaktperson, die der junge Mann außer seiner Familie im Ort hatte. Der 55-Jährige köderte ihn mit Süßigkeiten und kindgerechten Gesprächen über das Dorf, Tiere und Traktoren, den Lieblingsthemen von Willi W.

2009 wurde Knut F. vom Amtsgericht Meißen wegen sexuellen Missbrauchs von widerstandsunfähigen Personen in vier Fällen zu drei Jahren Haft verurteilt. Er ging in Berufung. Die wurde jetzt vor dem Dresdner Landgericht verhandelt. Dabei ging es Knut F. nicht um die Schuldfrage, sondern um das Strafmaß. Der heute 59-jährige Arbeitslose muss seine schwer kranke Mutter pflegen, die mit ihm in einem Haus wohnt. Er ist der Einzige, der sich um die Frau kümmert, seine Geschwister leben im Ausland. "Wenn ich mich nicht um meine Mutter kümmern kann, muss sie in ein Pflegeheim", erklärte er. "Das würde sie kaum überleben". Er selbst ist an Parkinson erkrankt und muss starke Medikamente nehmen. "Durch die Tabletten habe ich keine sexuellen Bedürfnisse mehr. Zudem habe ich meine Lektion gelernt und keinen Kontakt mehr zu dem jungen Mann und dessen Familie". Eine Mitarbeiterin der Gerichtshilfe bestätigte dies.

Die Prozessbeteiligten einigten sich in einem Rechtsgespräch auf eine Bewährungsstrafe, wenn der Angeklagte die Vorwürfe uneingeschränkt zugibt und dem jungen Mann eine erneute Aussage vor Gericht erspart. Willi W. hatte unter den Taten, den folgenden Vernehmungen und der damaligen Zeugenaussage enorm gelitten. Der geistig Behinderte konnte die ganzen Vorfälle nicht verarbeiten und nicht verstehen, wieso ausgerechnet sein einziger Freund ihm so weh getan hatte.

Dabei hätte ihm die Zeugenvernehmung damals erspart bleiben können, wenn sich Knut F. für einen anderen Anwalt entschieden hätte. Sein damaliger Verteidiger hatte ihn nicht konkret über ein Angebot der Staatsanwaltschaft informiert, auf eine Bewährungsstrafe zu plädieren, wenn Knut F. die Taten schnell und umfassend zugibt und dem Opfer damit eine Aussage vor Gericht erspart. So hatte sich der Prozess in die Länge gezogen und Willi W. musste aussagen.

Das Landgericht verurteilte Knut F., der nicht vorbestraft ist, zu einer Stra- fe von zwei Jahren, die zur Bewährung ausgesetzt wurde. Zudem muss er 150 Euro an eine gemeinnützige Einrichtung zahlen und sich von Willi W. fernhalten. "Meiden Sie jeden Kontakt zu ihm. Wenn Sie ihn zufällig treffen, wenden sie sich ab", gab ihm Richter Andreas Ziegel mit auf den Weg. "Wenn sie während der Bewährung straffällig werden, droht Ihnen die Haft".

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 15.11.2012

ml

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