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Berufsbildungs- und Technologiezentrum Pirna: Lehramtsstudenten in die Produktion!

Berufsbildungs- und Technologiezentrum Pirna: Lehramtsstudenten in die Produktion!

Am vergangenen Donnerstag beendeten die ersten Gesellen des Modellprojektes "Kooperative Ausbildung im technischen Lehramt" - kurz KAtLA - ihre Tischlerausbildung offiziell im Berufsbildungs- und Technologiezentrum Pirna.

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Franziska Zschech und Ausbilder Jan Franke im Berufsbildungs- und Technologiezentrum Pirna.

Quelle: Susann Schädlich

Das gemeinsame Projekt von TU Dresden und der Handwerkskammer Dresden kombiniert die Tischlerausbildung mit dem Berufsschul-Lehramtsstudium. Auch Studentin Franziska Zschech will im kommenden Jahr ihren Gesellenbrief für das Tischlerhandwerk in der Tasche haben. DNN haben mit der Studentin und ihrem Ausbilder Jan Franke über das KAtLA-Projekt und seine unsichere Zukunft gesprochen.

DNN: Das KAtLA-Projekt kombiniert eine Berufsausbildung mit dem Lehramtsstudium. Warum ist das Ihrer Meinung nach sinnvoll? Der Berufsschullehrer soll doch theoretisches Wissen vermitteln...

Jan Franke: Ganz so ist das nicht. Die praktische Ausbildung wird von Betrieben und überbetrieblichen Bildungsstätten wie dem BTZ Pirna durchgeführt. Die theoretische Ausbildung ist Hauptaufgabe der beruflichen Schulen. Berufsschullehrern, die keine Berufsausbildung haben, fehlen oftmals praktische Erfahrungen und Kenntnisse, um für den Unterricht angemessene und praxisnahe Lernaufgaben zu formulieren und diese auch zu überprüfen. Die Lehramtsstudierenden des KAtLA-Studiengangs erhalten durch die praktische Ausbildung einen Einblick in die Berufswelt und erlangen umfangreiche Fähigkeiten in ihrem Berufsfeld. So fällt es ihnen bei ihrer späteren Tätigkeit als Lehrer leichter, einen guten Unterricht zu gestalten.

Franziska Zschech: Ich finde es einfach wichtig, mich gut in dem Beruf auszukennen, den ich später lehren möchte und alle Möglichkeiten dafür genutzt zu haben. Wenn ich in ein paar Jahren in der Schule stehe und ein Lehrling mich etwas aus der Praxis fragt, wie stehe ich denn dann da, wenn ich keine Antwort weiß?

Wie läuft die Ausbildung ab?

Jan Franke: Die fachpraktische Ausbildung findet hier im BTZ Pirna statt. Hier lernen die Studenten grundlegende Handgriffe des Tischlerhandwerks. Das sind etwa 50 Wochen in den ersten beiden Studienjahren. Zusätzlich absolvieren die Studierenden fünf bis sechs Praktika in Tischlerei-Betrieben à jeweils drei Wochen. Die Theorie soll dann die Hochschule in Dresden vermitteln.

Das klingt nach einem ordentlichen Pensum. Wird den Studenten da nicht ganz schön viel zugemutet?

Franziska Zschech: Ich glaube schon, dass wir ein bisschen mehr zu tun haben als ein normaler Lehramtsstudent. Während der Betriebspraktika muss man teilweise um 6.30 Uhr anfangen. Klar ist das gewöhnungsbedürftig. Ich finde es aber unglaublich toll, am Abend ein Produkt meiner Arbeit in der Hand zu halten - in der Uni fehlt das eben.

Jan Franke: Das ist sicher nicht ganz einfach, neben der Ausbildung noch ein Studium zu meistern, denn auch dort müssen ja Prüfungen bestanden und Hausarbeiten geschrieben werden. Deshalb hatten wir zum Beginn des Projektes auch ganz gezielt Studienabbrecher angesprochen, weil wir glauben, dass es, um beides zu stemmen, eine gewisse Reife braucht, die die eben schon mitbringen.

In diesem Jahrgang wollen nur drei Jungs, aber sechs junge Damen zu Tischlern ausgebildet werden. Ist die Tischlerei gar kein typischer Männerberuf mehr?

Jan Franke: Natürlich ist das Handwerk noch immer eine Männerdomäne. Im vergangenen Jahrgang war es genau umgekehrt, zwei junge Damen und sechs junge Männer hatten wir da. Aber die Kombination mit dem Lehramtsstudium macht die Ausbildung anscheinend immer attraktiver für viele Frauen.

Franziska Zschech: Ich für meinen Teil weiß, dass ich unbedingt Lehrerin werden möchte. Aber es gab in unserem Jahrgang auch schon eine Kommilitonin, die inzwischen ihre Liebe für die Holzverarbeitung entdeckt und den Lehrerberufswunsch ganz und gar an den Nagel gehängt hat. Das Interesse für das Handwerk hat in meinen Augen nichts mit Männlein oder Weiblein zu tun.

Die Handwerksbetriebe suchen händeringend Nachwuchs. Gleichzeitig gibt es unzählige Haupt- und Oberschüler, die keinen Ausbildungsplatz finden. Ist es in einer solchen Situation sinnvoll, wenn jetzt auch noch Akademiker in die Handwerksbetriebe drängen?

Jan Franke: Dass wir Lehramtsstudenten gleichzeitig eine Tischlerausbildung ermöglichen, hat ja nichts mit der normalen Berufsausbildung zu tun. Wir bilden weiterhin Haupt- und Oberschüler hier aus. Aber es geht ja auch darum, Nachwuchskräfte auf Führungsebenen in Handwerksbetrieben zu generieren. Außerdem brauchen wir unbedingt neue Berufsschullehrer. Wie sollen wir die jungen Leute für eine solche berufliche Laufbahn begeistern, wenn nicht mit bestmöglichen Ausbildungschancen?

Nun haben Sie vergangene Woche erfolgreich die Gesellen des ersten KatLa-Jahrgangs verabschiedet, im kommenden Jahr ist der zweite Jahrgang an der Reihe. Gibt es schon Anwärter für den dritten?

Jan Franke: Obwohl wir unseren ersten Jahrgang erfolgreich verabschiedet haben, wissen wir nicht, ob das Projekt weitergeführt wird. Das Modellprojekt wurde durch den Europäischen Sozialfonds gefördert und war erst einmal nur bis 2015 angesetzt. Wir würden gern weitermachen, aber die zuständigen Ministerien sind gemeinsam mit der TU Dresden derzeit noch im Gespräch über die Zukunft des Projektes.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 23.10.2014

Susann Schädlich

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