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Belastet der Mindestlohn Winzer im Landkreis Meißen?

Belastet der Mindestlohn Winzer im Landkreis Meißen?

Meißen/Radebeul. Der neue bundesweite gesetzliche Mindestlohn sorgt für Unbehagen bei den sächsischen Winzern. Bernd Kastler, Vorsitzender des regionalen Weinbauverbandes, sagte zwar auf Anfrage, Mindestlohn sei "kein großes Thema", bringe keine Betriebe in Existenznot und sorge wohl auch nicht für steigende Weinpreise.

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Franziska Elias hat als Studentin einige Jahre bei der Weinlese im Weinhaus Schuh geholfen. Dafür gab es bisher acht Euro je Stunde, vergleichsweise viel für ungelernte Mitarbeiter im regionalen Weinbau.

Quelle: Lars Müller

Einige Weingüter wollen das Thema allerdings nicht so einfach abtun und kalkulieren längst mit steigenden Kosten. Nicht wenige Winzer und Weingüter müssen wegen seit Jahren geringer Ernten schon länger mit spitzer Feder rechnen und dabei zugleich ihren Gästen und Kunden nach außen ein edles Ambiente vermitteln, das dem hohen Preisniveau sächsischer Weine gerecht wird.

Proschwitz-Unternehmenssprecherin Alexandra Prinzessin zur Lippe erklärte: "Das neue Mindestlohngesetz betrifft vor allem unseren Außenbetrieb." In Sachsen beschäftigt die Unternehmensgruppe in diesem Bereich 25, in der Weimarer Dependance zehn Mitarbeiter. Problematisch sei die neue Regelung vor allem, "weil wir nun alle ungelernten Kräfte im Lohnniveau anheben müssen." Dies habe zur Folge, dass die fertig ausbildeten Winzer dann gleichfalls - in entsprechendem Abstand - höhere Löhne erhalten müssen, um eine angemessene Entlohnung für die geleistete Arbeit und die Qualifizierung zu erhalten. "Das führt natürlich zu einer deutlichen Erhöhung der Lohn- und Gehaltskosten, die ich allerdings im Moment nicht beziffern kann", erklärte zur Lippe weiter.

Die Kostensteigerungen müssten innerbetrieblich aufgefangSachsens Winzeren werden, Preiserhöhungen würden die Kunden nicht akzeptieren, ist sich die Unternehmenssprecherin sicher. Mehrkosten für Löhne erwartet die Unternehmensgruppe auch in der gutseigenen Gastronomie. Insbesondere die Kosten für angeheuerte Agenturkräfte bei Events dürften steigen. Die Weingüter werden zudem den Mindestlohn wohl bei den Bedienungen an ihren Weinständen auf den Festen merken.

Etwas Luft verschafft den Winzern aber eine Verordnung des Bundesarbeitsministeriums, wonach der Mindestlohn in der Landwirtschaft - dazu gehört auch der Weinbau - etappenweise eingeführt werden darf. "Von dieser Verordnung werden wir nun Gebrauch machen und stufenweise bis Ende 2017 die Löhne anheben, die dann ab dem 1. November 2017 mit 9,10 Euro pro Stunde bezahlt werden", kündigte Alexandra zur Lippe an. Jedoch sollen schon ab diesem Jahr die Saisonkräfte höhere Stundenlöhne erhalten.

Die Winzer im Elbland setzen Aushilfen überwiegend bei der Traubenlese und teilweise für Hilfsarbeiten beim Rebschnitt und bei der Laubarbeit ein. In den vergangenen Jahren haben die Betriebe dafür zwischen sechs und acht Euro je Stunde gezahlt. Einige Weinbauern in der Region setzen zudem auf kostenlose Freundschaftsdienste und "entlohnen" ihre Helfer mit Wein und gemeinsamem Imbiss im Berg. Sie preisen die Weinlese als Erlebnis an.

Der Geschäftsführer der stadteigenen Hoflößnitz in Radebeul, Jörg Hahn, hat Mehrkosten durch steigende Löhne längst einkalkuliert: Der Mindestlohn werde sich schwerpunktmäßig in der Gastronomie, bei den geringfügig Beschäftigten im Verkauf und Museum sowie bei Helfern in den Weinbergen niederschlagen. Das betreffe drei regelmäßig Angestellte und je nach Bedarf sechs bis acht Lesehelfer, sagte Hahn und ergänzt: "Allerdings lassen sich die finanziellen und wirtschaftlichen Folgen derzeit noch nicht quantifizieren."

Aus dem Staatsweingut Schloss Wackerbarth hieß es: "Aufgrund des Mindestlohns rechnen wir in jedem Fall mit steigenden Personalkosten." Dabei stiegen die Ausgaben im Weinbau, in der Gastronomie und im Gutsmarkt. "Der Mindestlohn hat daher Auswirkungen auf die Personalkostenstruktur im gesamten Unternehmen und somit auch auf die gesamte Unternehmensentwicklung", erklärte die Geschäftsführung. Entlassungen soll es deshalb aber keine geben. Darüber hinaus rechne man im Tochterunternehmen der Sächsischen Aufbaubank mit steigenden Kosten bei Zulieferern und Dienstleistern. Das Staatsweingut bezeichnet den Mindestlohn als "eine Herausforderung". Möglichkeiten zu Kostenoptimierungen hat das Staatsweingut nach eigenen Angaben im Lager- und Logistikbereich ausgemacht. "Darüber hinaus treiben wir die Umstrukturierung unserer Rebflächen mit dem Ziel des Ertragswachstums voran", teilte die Wackerbarth-Führung mit. Damit soll offenbar künftig mehr Wein produziert und verkauft werden, ohne bei der Qualität Abstriche zu machen.

Höhere Preise wegen des Mindestlohns seien hingegen kaum durchzusetzen, vermutet Ralf Walter, Nebenerwerbswinzer und Chef der Sächsischen Vinothek an der Frauenkirche in Dresden. Schon jetzt ist es schwierig, insbesondere auswärtigen Kunden die vergleichsweise hohen Preise für sächsischen Wein zu vermitteln. Das wüssten auch die Winzer und agierten entsprechend zurückhaltend.

Lediglich zwei Weingüter aus Radebeul und Diesbar-Seußlitz hätten bisher für 2015 moderate Preiserhöhungen angekündigt, die auch nur einzelne Weine beträfen. Von 200 unterschiedlichen Produkten im Sortiment des auf Sachsenwein spezialisierten Fachgeschäfts würden nach jetzigem Stand nur zehn im Preis leicht steigen. Dies liege aber an generell steigenden Kosten für die Betriebe und nicht am Mindestlohn, so Ralf Walter.

Auch Schloss Proschwitz aus Meißen hat Preissteigerungen angekündigt. "Zum 1. März 2015 planen wir eine moderate Erhöhung um 50 Cent pro Flasche im Endverbraucherbereich", sagte Unternehmenssprecherin zur Lippe - zum ersten Mal seit zwei Jahren. Ein direkter Zusammenhang mit der schrittweisen Einführung des gesetzlichen Mindestlohns bestehe aber nicht.

Seit 1. Januar gilt in der Bundesrepublik verbindlich ein Mindestlohn von 8,50 Euro je Stunde, der in einigen Branchen erst in einer Übergangsfrist bist 2017 eingeführt werden muss. Mit dem gesetzlichen Mindestlohn soll Lohnwucher verhindert werden. Durch Dumping-Löhne müssen bisher vor allem in Niedriglohnbranchen beschäftigte Arbeitnehmer und Aushilfen teilweise mehrere Jobs annehmen, um ihren Lebensunterhalt zu finanzieren.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 26.01.2015

Lars Müller

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