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Beispiel Klipphausen: Firmen und Privathaushalte beklagen schlechte Internet-Anbindung

Beispiel Klipphausen: Firmen und Privathaushalte beklagen schlechte Internet-Anbindung

Einen mobilen Router hat sich Henrik Vogt ins Wohnzimmerfenster gestellt; ganz dicht hinter die Scheibe. Keine Wand dämmt die LTE-Funksignale vom nächsten Mast.

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Quelle: DNN

Klipphausen. Das Gerät ist eine Art Wellenfänger, der das Internet ins Haus holt und an die Computer weiterschickt. Wenn das Wetter mitspielt. Henrik Vogt wohnt in Naustadt, einem Ortsteil der Großgemeinde Klipphausen. Sie liegt mitten in Sachsen, wird im Süden von der A4 begrenzt, im Norden liegt Meißen. Trotzdem sind Ortsteile weiße Flecken auf der digitalen Landkarte. Internet ist nur eingeschränkt nutzbar. Wenn überhaupt, dann schleichen die Bits langsam durch Leitungen oder über Funkmasten. Für den E-Mail-Verkehr reicht es. Webseiten mit animierten Inhalten bauen sich nur langsam oder gar nicht auf. Fußball-Spiele und Filme laden oder streamen ist aussichtslos. "Freitags, sonnabends und sonntags abends, wenn viele Leute surfen oder online einkaufen, ist das Netz ausgereizt. Dann geht oft gar nichts mehr", klagt Henrik Vogt.

Es gibt einige dieser Flecken auf der Sachsenkarte, die nicht im digitalen Zeitalter angekommen sind. Klipphausen gehört dazu, Kottmar im Landkreis Görlitz, auch einige Orte im Erzgebirge. Doch Entlegenheit ist kein Kriterium, ob schnelles Internet möglich ist oder nicht. Ostthüringen, West- und Mittelsachsen - der Breitbandatlas der Bundesregierung nennt selbst Stadtteile von Groitzsch und Zwickau, in denen höchstens zehn Prozent der Haushalte einen Breitbandanschluss haben. Dort surft man im Netz wie Mitte der 90er-Jahre.

Das nervt nicht nur Privatleute, sondern auch Unternehmer. "Wir helfen uns selbst, haben eine Business-Standleitung mit vier Mbit pro Sekunde für teuer Geld gemietet. Die ist recht stabil", sagt Lars Haferkorn, EDV-Verantwortlicher der Spedition Unitrans Hauptvogel in Röhrsdorf. Stabil, aber nicht modern. Deshalb plant die Firma die Umstellung auf Richtfunk. Neidisch blickt man ein paar Kilometer weiter nach Meißen. Dort liegen Leitungen, die bis zu 32 Mbit pro Sekunde durchlassen. In Sachsen gelten Regionen als unterversorgt, wenn die Leitungen weniger als zwei Mbit pro Sekunde zulassen. Oft liegt die Kapazität deutlich darunter, je länger der Abstand der Abnehmer zur Verteilerstation wird. Ab vier Kilometer Entfernung kommt nur noch wenig an. Sachsen hat deshalb wieder mal eine Breitband-Offensive gestartet. Heute steigt die Auftaktveranstaltung in Görlitz. Betroffene sehen das Förderprogramm jedoch als hilflosen Versuch, der Vernetzung auf die Sprünge zu helfen. Denn Telekomanbieter lassen die Regionen mit wenig Nutzern links liegen. Die Verlegung besserer Kabel lohne sich schlicht nicht, die Zahl der Abnehmer sei zu gering. Es sei denn, Firmen kaufen sich eine leistungsstarke Leitung.

So wie das Gebrauchtgeräte-Zentrum der Jungheinrich AG in Klipphausen. Es ließ sich eine 10 Mbit-Leitung legen. "Wir sind an ein eigenes Rechenzentrum in Hamburg angeschlossen, arbeiten mit SAP, nutzen das Netz für Videokonferenzen. Bei uns wird alles geroutet", sagt Mathias Lentfer. Der Kaufmännische Leiter weiß aber auch: Hinterm Zaun des Unternehmens sieht es anders aus. "Nachbarfirmen haben große Probleme mit der digitalen Anbindung."

Bei kleineren Unternehmen wie Seiferts Sanitärfirma in Naustadt ärgert man sich nicht nur über "dünne" Kabel. "Auch der Handyempfang ist eine Katastrophe", sagt Geschäftsführerin Michaele Seifert. Man brauche gar nicht ans Handy zu gehen, wenn es klingele. Wichtige Gespräche führt sie an einem besonderen Ort: "Bei uns im Garten am Komposthaufen ist noch der beste Empfang." Bei solch wackligem Netz hilft auch kein Mobilfunkstick für den Laptop zur Datenübertragung. Funkstille und alte Telefonkabel sind für ländliche Regionen verheerend. Dörfer bluten aus, Menschen ziehen weg. Unternehmen werden quasi vertrieben. Durch den vorsintflutlichen Zustand der digitalen Infrastruktur.

"Wenn Fördermittel selbstverständlich in den Straßenbau gesteckt werden, dann müssen sie genauso selbstverständlich in den Ausbau der digitalen Infrastruktur fließen", fordert Dirk Röhrborn, Sachsensprecher von Bitkom, dem Verband der IT-Branche. Eine gute Breitbandabdeckung sei wichtig für die Wirtschaft. Beim Straßenbau diskutiere niemand. Da würden erst Straßen in Gewerbegebieten gebaut, dann siedelten sich Firmen an. Auch für Privathaushalte sei ein Leben ohne Internet wie ein Leben ohne Strom. "Diese Haushalte sind gesellschaftlich benachteiligt, haben eingeschränkte Bildungsmöglichkeiten", sagt der Geschäftsführer eines Dresdner Softwareunternehmens.

Die Nachteile einer Datenleitung aus den 90ern erlebt Dirk Scholz jeden Tag. Der Systembetreuer übernimmt im Home Office die Fernwartung von Kunden. Erst hatte er eine Zwei-Mbit-Leitung. Sein Computer stürzte ständig ab, wenn er sich ins System der Kunden einklinkte und zeitgleich telefonierte. "Ich habe mir schon W-Lan-Antennen zurechtgebogen, aber auf Bastellösungen kann man sich nicht verlassen", sagt er. Nun hat er sich einen Sechs-Mbit-Vertrag organisiert. "Der ist ein bisschen schneller. Trotzdem stürzt mein Computer bei der Fernwartung noch zwei, drei Mal ab am Tag", ärgert er sich. Zig-mal schon seien Straßen aufgebuddelt und neue Kabel verlegt worden. Geändert habe sich nichts. Einigen reicht es bereits in Klipphausen. Scholz kennt die schlechte Laune bei Privatleuten und Unternehmern im Ort: "Einige erwägen wegzuziehen, und andere, gar nicht erst herzukommen."

Andreas Friedrich

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