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Beim Olympiasieg 1980 und vielen Weltmeisterschaften saßen die Meißner Walter und Ullrich Dießner in einem Boot

Beim Olympiasieg 1980 und vielen Weltmeisterschaften saßen die Meißner Walter und Ullrich Dießner in einem Boot

Meißen. Ullrich Dießner schmunzelt, wenn er auf die Feierlichkeiten zum 60. angesprochen wird. "Wir lassen es dezent angehen" meint er vielsagend. Eine große Feier zum runden Jubiläum haben er und sein Zwillingsbruder Walter nicht geplant.

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Walter Dießner (re.) und sein Zwillingsbruder Ullrich sitzen in Meißen am Vereinsheim des Ruderclubs Neptun 1882 auf einem alten Fährkahn.

Quelle: Thomas Eisenhuth, dpa

"Beim 50. Geburtstag gab es eine gemeinsame große Party mit vielen Freunden und Weggefährten, doch diesmal feiert jeder von uns mit seiner Familie im kleinen Kreis", verrät der jüngere der beiden Ruder-Olympiasieger, der ohnehin erst einen Tag später sein Wiegenfest begehen kann. Denn während Walter Dießner am 26. Dezember 1954 kurz vor Mitternacht das Licht der Welt erblickte, ließ sich Ullrich etwas mehr Zeit, wurde erst am 27. Dezember geboren.

Auch wenn sie den 60. Geburtstag getrennt feiern, haben die aus dem 200-Seelen-Ort Bockwen Nahe Meißen stammenden Männer eine Menge gemeinsam erlebt, durchlitten und gefeiert. Schließlich saßen sie über Jahre sprichwörtlich in einem Boot. "Als der legendäre Dresdner Ruder-Vierer mit Frank Forberger, Dieter Grahn, Frank Rühle und Dieter Schubert 1966 den ersten WM-Titel gewann und zwei Jahre später Olympiasieger wurde, löste das in unserer Gegend einen wahren Begeisterungssturm aus. Immerhin kamen Dieter Grahn und Frank Forberger auch aus Meißen und sie fuhren damals im offenen Auto durch die Stadt. Alle wollten ihnen nacheifern. Wir natürlich auch", erzählt Walter und fügt an: "Die Grundlagen für unsere späteren Erfolge haben wir uns im Heimatverein geholt. Damals trainierten wir schon als Jugendliche 14 Stunden in der Woche. Allerdings fielen wir beim SC Einheit Dresden zuerst durchs Raster, weil wir zu dünn waren. Erst als wir alle Jungs vom Club geschlagen hatten, wurden wir 1971 aufgenommen und durften auch an die Kinder- und Jugendsportschule."

Die Erfolge stellten sich schnell ein - schon 1972 holten sie in Mailand gemeinsam den Juniorenweltmeistertitel im Zweier ohne. "Für uns als 17-Jährige war diese Reise eine Sensation. Das erste Mal kamen wir aus unserem kleinen Dorf in die weite Welt", erinnert sich Ullrich, der mit seinem Bruder später noch viele Länder bereisen sollte. Zwischen 1974 und 1983 gehörten die Zwillinge zu den Besten der Welt, gewannen 1976 olympisches Silber mit dem Vierer mit Steuermann, feierten 1980 in dieser Bootsklasse mit dem Olympiasieg in Moskau ihren größten Erfolg. Dazu kamen mehrere Weltmeistertitel. "Mein schönstes Erlebnis war 1978 die Reise nach Neuseeland, einfach einmalig", schwärmt Walter noch heute. Die Karriere habe ihm viel gegeben. "Es war eine unbeschwerte Zeit, als Sportler wurden wir wie rohe Eier behandelt und lebten zum Teil in unserer eigenen Welt. Das harte Training vergisst man mit den Jahren. Dabei haben wir manchen Tag 60 km auf der Elbe geschrubbt, dazu Krafttraining absolviert, da kamen locker acht Stunden zusammen, berichtet Walter, dessen Sohn Jörg später Weltmeister im Achter wurde.

Dass die Zwillinge trotz der Erfolge die Bodenhaftung nie verloren, haben sie auch ihrem Umfeld zu verdanken. "Unsere Frauen kommen beide aus Handwerkerkreisen. Die wussten, wie das wahre Leben aussieht. Deshalb hatten wir nach dem Karriereende auch keine großen Schwierigkeiten, uns zurechtzufinden", sagt Walter, der wie sein Bruder erst einmal Werkzeugmacher gelernt hatte, dann aber auf Bäcker umsattelte. Nach dem Meisterbrief übernahm er die Bäckerei seines Schwiegervaters, die er auch heute noch führt. Ullrich arbeitete bis zur Wende beim Club in Dresden als Trainer im Schülerbereich, danach gründete er seinen eigenen Taxibetrieb. "Er ist ein Faulpelz geworden", witzelt Walter über seinen jüngeren Bruder. Denn während der Ältere selbst noch zwei- bis dreimal wöchentlich ins Boot steigt und zweimal in seinem Meißner Heimatverein Kindern und Jugendlichen seine Erfahrungen als Übungsleiter weitergibt, hat es Ullrich zuletzt mit dem Sporttreiben "schleifen lassen". Weil er neben seinem Taxigeschäft als Hobbywinzer einen eigenen Weinberg betreut, bleibt kaum noch Zeit zum Rudern. "Die Familie darf ja auch nicht zu kurz kommen", grinst der Gescholtene, der wie sein Zwillingsbruder drei Kinder hat. Nur bei den Enkeln ist ihm Walter, der es bislang auf vier bringt, um ein Kind voraus.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 24.12.2014

Astrid Hofmann

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