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Bei der Coswiger Firma Industrie-Partner ist Fachkräftemangel ein Fremdwort

Nachwuchsgewinnung Bei der Coswiger Firma Industrie-Partner ist Fachkräftemangel ein Fremdwort

„Fachkräftemangel“ ist ein Begriff, unter dem zumeist viele verschiedene Klagen von Unternehmern gebündelt werden. Ralf Hock, geschäftsführender Gesellschafter der Coswiger Firma Industrie-Partner, ist keiner von denen, die klagen. Warum auch? In seinem Unternehmen sind 66 Mitarbeiter beschäftigt, davon 14 Auszubildende und Berufsakademie-Studenten.

CNC-Dreherin Lisa Kallweit zeigt Industriemechaniker-Azubi Enis Balic ein paar Kniffe bei der Werkstückkontrolle.

Quelle: Uwe Hofmann

Coswig. „Fachkräftemangel“ ist ein Begriff, unter dem zumeist viele verschiedene Klagen von Unternehmern gebündelt werden. Zum Beispiel, dass es zu wenig Bewerber für Ausbildungsstellen gäbe, dass die Bewerber, die es gibt, nicht genügend qualifiziert seien und dass deswegen altersbedingt vakant gewordene Stellen nicht adäquat besetzt werden können. Ralf Hock, geschäftsführender Gesellschafter der Coswiger Firma Industrie-Partner, ist keiner von denen, die klagen. Warum auch? In seinem Unternehmen sind 66 Mitarbeiter beschäftigt, davon 14 Auszubildende und Berufsakademie-Studenten in mehreren Berufen. Mehr noch: Etwa drei Viertel der Azubis und BA-Studenten werden anschließend von Industrie-Partner übernommen und erneut drei Viertel aller freigewordenen oder neu eingerichteten Stellen werden mit eigenen Nachwuchskräften besetzt.

Wenn es in Zeiten des Fachkräftemangels einen Wettlauf unter Unternehmen um Nachwuchskräfte gibt, dann gehört Industrie-Partner zur Spitzengruppe. Hock ist sich aber nicht so sicher, dass es diesen verschärften Wettbewerb tatsächlich gibt. Um die 50 Bewerbungen bekommt sein Unternehmen jedes Jahr für vier freie Azubi-Stellen, die neu besetzt werden. Nur 2014 gab es einen Ausreißer, da wurde das erste Mal ein Industriekaufmann-Azubi ausgeschrieben, da gab es 120 Bewerbungen. „Ich kann auch nicht sehen, dass die Bewerbungen schlechter werden“, sagt Hock. Zumindest ließen die Ergebnisse der in eigener Regie durchgeführten Einstellungstests das nicht erkennen.

Wie geht das zusammen, die Klagen der einen, die Zufriedenheit bei Industrie-Partner? „Allein die Zahlen zeigen es schon, dass in diesem Unternehmen vieles vorbildlich gemacht wird“, sagt Steffen Leonhardi. Er hat als Chef der Arbeitsagentur Riesa den Überblick über den Ausbildungsmarkt. 1733 Bewerber waren es in diesem Jahr, von denen acht Prozent, also 139, keinen Schulabschluss haben und deswegen ohne weitere Berufsvorbereitung schlicht nicht vermittelbar sind. Die Unternehmen hatten im Gegenzug 1374 freie Stellen gemeldet. Am 30. September, dem statistischen Ende des Ausbildungsjahres, waren noch 13 Bewerber bei etwas mehr als 100 freien Stellen ohne Ausbildungsvertrag. Leonhardi spricht angesichts dieser Werte von einer „Eins-zu-Eins-Situation“. Da in den nächsten Jahren mit dem Ausscheiden vieler Arbeitnehmer in den Ruhestand gerechnet wird, werde sich das Verhältnis aber noch verschieben, meint er.

Ein anderer Wert ist schon jetzt dramatisch: Ein Viertel der Ausbildungen wurde zuletzt abgebrochen. Anders bei Industrie-Partner: Dort gingen von 29 Azubis seit 2006 nur zwei vorzeitig. Das entspricht knapp sieben Prozent. Fragt man Personalleiterin Antje Pfanne danach, ist ihr dieser Schnitt immer noch deutlich zu hoch. Die Gegenmittel kennt sie aber auch. „Wir haben uns verstärkt um Praktika bemüht“, sagt sie. Mit sechs anderen Coswiger Firmen hat Industrie-Partner ein Netzwerk mit den drei weiterführenden Coswiger Schulen gegründet, stellt sich bei Elternabenden vor, beschreibt Unternehmen und Berufsfelder. Wer bei einem Praktikum eine gute Figur abgegeben hat, weiß, worauf er sich bewirbt und hat gute Argumente beim Einstellungsgespräch. Außerdem sind die Coswiger bei mehreren Ausbildungsmessen in der Region vertreten. Drück denn nirgendwo der Schuh? „Doch“, sagt Pfanne, „wir wollen mehr weibliche Azubis“. Immerhin eine war schon da. 2015 wurde sie als CNC-Dreherin übernommen.

Von Uwe Hofmann

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