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Bei Lomma Sachsen in Lommatzsch wird wieder produziert

Blick nach vorn Bei Lomma Sachsen in Lommatzsch wird wieder produziert

Nach der neuerlichen Insolvenz 2014 wird bei Lomma Sachsen wieder produziert. Lomma konzentriert sich nun auf die Agrartechnik, hat in der Kürze der Zeit eine Reihe von Eigenentwicklungen auf die Beine gestellt, etwa eine Güllekurzscheibenegge.

Die Mitarbeiter sind zurück: Bei Lomma Sachsen in Lommatzsch wird wieder produziert. Ein belgischer Investor rettete das Unternehmen.

Quelle: Martin Förster

Lommatzsch. Von diesem Rucksack möchte Mathias Hiekel eigentlich nicht reden. So ganz kommt der Betriebsleiter von Lomma Sachsen nicht darum herum, wenn er erläutern will, wie sich das Unternehmen seit 2014 gemausert hat. Vor eineinhalb Jahren befand man sich schließlich im Keller: Hiekel und ein Buchhalter waren nach einer neuerlichen Insolvenz die einzigen, die noch in den großen Hallen weilten, wo zuvor Anhänger hergestellt und Stahlarbeiten im Lohndienstverhältnis verrichtet wurden. Unternehmenspleite, Entlassungswelle, Kritik an der Betriebsführung - diese Dinge stecken in dem Rucksack, den Hiekel so gern ablegen möchte. Sie sind jedoch der Ausgangspunkt für einen erstaunlichen Wandel: Hiekel fand den belgischen Investor Marc van Goey, der nach Aussage des Betriebsleiters "viel Geld" in das Unternehmen investiert hat.

Lomma konzentriert sich seither auf die Agrartechnik, hat in der Kürze der Zeit eine Reihe von Eigenentwicklungen auf die Beine gestellt, etwa eine Güllekurzscheibenegge, die mehrere Arbeitsgänge - das Aufbrechen der Krume, das Einbringen der Gülle und den gesetzlich vorgeschriebenen Verschluss des Ackers - in einem Arbeitsgang erledigt. Außerdem hat man die Patente und das Know-how im Anhängerbau behalten, die Lohnfertigung im Stahlbau allerdings auf ein Viertel reduziert.

"Wir setzen auf eigene Produkte und wollen nicht zu abhängig von anderen werden", sagt Hiekel. Eine Lehre aus den Zeiten, über die der Prokurist nicht so gerne reden möchte. Er verweist lieber auf das bisher Geschaffte: 50 Mitarbeiter und drei Lehrlinge zählt Lomma Sachsen inzwischen, zum Jahresende sollen es etwa 60 sein.

Das hat vor allem mit einer belgischen Entwicklung zu tun, dem Bunkerhäcksler Pro-DX. Bisher wird in Lommatzsch nur der Bunker für den Selbstfahrer gefertigt und nach Belgien geliefert, im nächsten Jahr soll die Gesamtproduktion nach Sachsen verlagert werden. Das Gerät hat zwar noch keine Regelzulassung in Deutschland und so ganz ist man sich bei Lomma noch nicht klar, ob man sich darum auch bemühen wird. Aber die Produktionsverlagerung werten alle am Standort als ein Zeichen des Vertrauens in eine bessere Zukunft - ohne Rucksack.

Die habe auch mit einer veränderten Unternehmenskultur zu tun, sagt Hiekel. So diene der große Bürotrakt am Eingang des Firmengeländes als Umkleide und Dusche, halte Lagerräume und Besprechungszimmer bereit. Die Verwaltung ist indes direkt in die Produktionshallen gezogen. "Ich bin ein Freund davon, dass man regelmäßig miteinander redet", begründet Hiekel. "Die Wege für unsere Konstrukteure sind kurz und außerdem können unsere Mitarbeiter genau sehen, dass die Verwaltung auch richtig arbeitet." Bemerkenswert ist, dass die meisten Mitarbeiter ehemalige Lomma-Beschäftigte sind. Sie konnten an ihre Arbeitsplätze zurückkehren, nachdem sie von der Arbeitsagentur über Beschäftigungsmaßnahmen und Schulungen in der Region gehalten wurden. "Bisher konnten wir unseren Arbeitskräfte-Bedarf immer über die Arbeitsagentur decken", sagt Hiekel. Mag sein, dass das zukünftig schwieriger wird.

Ganz am Anfang stellte der Betriebsleiter den Rückkehrern sogar eine Aufgabe. "Jeder musste einen Neuerer-Vorschlag bringen, was sich im Unternehmen verbessern muss", erinnert sich Hiekel. "Eine Lawine" habe er damit losgetreten. Allerdings eine, die er - wenn auch nicht in dieser Heftigkeit - erwartet hatte. "Viele arbeiteten seit Jahren im Unternehmen. Klar hatten die alle irgendwelche Vorschläge, was wir besser machen können", sagt Hiekel. Ob es nun an den Vorschlägen liegt oder daran, dass die Mitarbeiter Lomma inzwischen mehr als "ihr" Unternehmen empfinden: Die Produktionszeit wurde inzwischen um bis zu einem Viertel reduziert, wie der Betriebsleiter sagt.

Ähnlich offen verfährt das Unternehmen mit den potenziellen Kunden. Anfangs hätten die Landwirte der Region eher skeptisch auf Gesprächsangebote reagiert, sagt Hiekel. Ihre Anregungen seien jedoch wichtig, um Agrartechnik zu entwickeln, die auch wirklich den Anforderungen entspricht. Die Lommatzscher Pflege sei dafür ein ganz gutes Versuchsgebiet, weil sie hügelig und der Boden nicht immer einfach ist. Was sich dort beweisen kann, schafft es auch anderswo. Inzwischen habe man zu einigen Bauern ein gutes Verhältnis aufgebaut. Hiekel sieht das als die Basis für Neues. "Ein Unternehmen ist, was es ist, und nicht, was es war", sagt er.

Uhwe Hofmann

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