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Behörden nach Überfall auf Schüler in Bad Schandau in der Kritik

Behörden nach Überfall auf Schüler in Bad Schandau in der Kritik

Ein Schüler wird bei einer Klassenfahrt in der Sächsische Schweiz zusammengeschlagen und schwer verletzt. Der erste Verdacht der Polizei auf ein rechtsradikales Motiv erhärtet sich nicht.

Nun stehen die Ermittler unter Beschuss. „Natürlich sind wir erleichtert, dass ein rechtsradikaler Hintergrund ausgeschlossen wird. Trotz allem war es eine Gewalttat gegenüber einem Gast unserer Region“, erklärt Bad Schandaus Bürgermeister Andreas Eggert (parteilos) auf DNN-Anfrage.

Aus diesem Grunde habe er sich auch mehrfach bei der Mutter des betroffenen Jungen entschuldigt und sich regelmäßig nach seinem Gesundheitszustand erkundigt. „Ich habe erst vor einer Woche mit der Mutter telefoniert. Ihr Sohn sei auf dem Weg der Besserung, die Verarbeitung der Ereignisse werde aber noch seine Zeit brauchen“, berichtet Eggert.

Grundsätzlich habe der Bürgermeister aber nie verstanden, warum die Polizei damals in so einem frühen Stadium der Ermittlungen derartige Behauptungen überhaupt aufgestellt hat. Zwar habe der Tourismus in der Region keinen Schaden durch die Negativberichte davon getragen, aber dennoch sei ein erheblicher Imageschaden entstanden. Die gleiche Meinung teilt auch der FDP-Landtagsabgeordnete Norbert Bläsner. Es sei nicht zu leugnen, dass es in der Region viele Rechtsextremisten gibt, erklärt der Abgeordnete. Aber seit langen versuchen sowohl Vereine als auch Politiker diese zu bekämpfen. „Die Medienarbeit der Ermittler sollte sich darauf beschränken, der Öffentlichkeit objektive Tatsachen und konkrete Ermittlungsstände zu präsentieren. Die Behauptungen, es hätte sich um einen Neonazi-Angriff gehandelt, hat dem Ruf einer ganzen Region geschadet.“

Kritik an Ermitlungen

  „Ich bin irritiert, wie von der rassistisch motivierten Straftat Abstand genommen wurde“, sagte hingegen Andrea Hübler, Beraterin für Betroffene rechtsmotivierter Gewalt beim RAA Sachsen. Der erste Indiz seien ihrer Kenntnis nach die rassistischen Rufe der Täter gewesen, die als erstes den Jungen mit asiatischem Vater verprügelt hatten. Am 17. September teilten auch die Ermittler des Operativen Abwehrzentrums der Polizei Sachsen  (OAZ) diesen Sachstand. „Wir können einen fremdenfeindlichen Hintergrund des Überfalls auf die Hamburger Schülergruppe eindeutig bejahen", sagte der Leiter der Ermittlungen, Rüdiger Zwickirsch damals gegenüber den DNN.   Demnach hält sie den jetzigen Argumentationsversuch von Lorenz Haase, Sprecher der Staatsanwaltschaft Dresden, für an den Haaren herbeigezogen. Er hatte gegenüber DNN-Online gemutmaßt, dass die Täter nicht „NSDAP vergisst nicht“ gerufen hatten, wie es die Opfer verstanden hatten, sondern „SGD vergisst nicht“. Das Spiel zwischen dem FC St. Pauli und Dynamo Dresden fand bereits am 26. August in Hamburg statt. Dynamo verlor unglücklich.

Silvio Lang, Mitglied des Linke-Landesvorstandes, erklärte am Mittwoch, die Äußerungen der Staatsanwaltschaft Dresden und des Operativen Abwehrzentrums (OAZ) der Polizei dienten nur dem Zweck, den Ruf der Tourismusregion Sächsische Schweiz zu retten. „Die Äußerungen von Herrn Haase und das Leugnen eines politischen Hintergrundes der Tat durch die Polizei sind nicht nur hanebüchen, sie sind auch wie ein weiterer Schlag ins Gesicht des Opfers.“ Dabei verwies er auf den klar ersichtlichen Migrationshintergrund des Opfers.  

Die RAA-Mitarbeiterin Hübler forderte unterdessen, die Fakten ernst zu nehmen. Die rechtsextreme NPD holte bei der Bundestagswahl bundesweit die höchsten Ergebnisse in der Sächsischen Schweiz. „Ich habe die Befürchtung, dass wir zu einem Verhalten wie in den 90ern zurückkehren“, so Hübler. Sie warnte, die Augen vor dem Rassismusproblem zu schließen. Die Region habe etliche Projekte gegen Rechts vorangetrieben. Dieser ehrliche Weg der Diskussion müsse weiter beschritten werden.

dbr/ste/kat/dpa

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