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Begegnung - Der Radebeuler Kunstverein zeigt Arbeiten von Rita Geißler und Hans-Volker Mixsa

Begegnung - Der Radebeuler Kunstverein zeigt Arbeiten von Rita Geißler und Hans-Volker Mixsa

Zwei Generationen, zwei Wege: Die Grafikerin Rita Geißler (Jg. 1961) und der Bildhauer Hans-Volker Mixsa (Jg. 1944). Viele kennen die "Dresdner Spirale" (1989) des Letzteren, die dem kleinen Areal zwischen Kunstakademie und Kneipen an der Münzgasse seit mehr als zwei Jahrzehnten ein wenig Charakter gibt.

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Rita Geißler: Angeschwemmte Halme, Aquarell und Ölpastell, 2013.

Quelle: Galerie

Wie vielgestaltig das Schaffen des Künstlers ist, zeigt derzeit die vom Radebeuler Kunstverein ausgerichtete Ausstellung "Begegnung" in einem charakteristischen Querschnitt von der Porträtplastik bis zur abstrakten Form, aber auch zur Figur. Die Arbeiten sind aus Zementguss, Bronze, Stahl und Edelstahl. Mixsa hat geschmiedet, plastisch gestaltet, gewalztes Edelstahlblech oder gezogenen Draht geschweißt und gebogen.

Nach einer Lehre als Werkzeugmacher war der Meininger nach Dresden gekommen, hatte beim Kunstschmied Karl Bergmann gelernt. Zwischen 1965 und 1967 folgte ein Abendstudium an der HfBK beim Bildhauer Walter Arnold, in den späten 1960ern die Meisterprüfung als Kunstschmied. Genauso wichtig für seinen Weg waren Begegnungen mit Dresdner Künstlern - selbstständigen Köpfen wie Curt Querner, Max Lachnit, Willy Wolff. Am meisten beeindruckte ihn wohl Friedrich Press, der wie kein anderer vor Ort mit maximaler Reduktion eine große, zutiefst spirituelle Wirkung seiner Arbeiten erreichte. Parallel öffnete sich für Mixsa der Blick auf internationale Tendenzen, nicht zuletzt dank seiner Verbundenheit mit Diether Schmidt. Dessen Bronzeporträt in der Schau erinnert daran. Geprägt wurde der Künstler zudem durch Konfliktlagen, etwa den als Kind wahrgenommenen Aussiedlungen aus Grenzdörfern Thüringens, dem Mauerbau 1961, der Biermann-Ausbürgerung 1976.

In den frühen Schaffensjahren entstanden zahlreiche Werke für Kirchen. Ein kleiner Porträtkopf (1967), wohl als Christuskopf gedacht und nun in Radebeul zu sehen, ist in ein Altarwerk eingegangen. "Ausbruch" genannte Werke aus den 1970er und 1980er Jahren wiederum wurden ebenso zu Zeichen gegen die verordnete Enge in der DDR wie die "Klirrenden Fahnen" von 1977, nach der Biermann-Ausbürgerung entstanden. Die Arbeit "Verbunden zum Kreuz" von 1991 ist ihrerseits ein Zeichen für die Wiedervereinigung mit all ihren positiven wie negativen Aspekten. Zugleich entstanden gerade seither immer wieder "Aufschwünge", "Doppelschwünge", Spiralen oder vom Wind bewegte Kugeln, die etwas Beschwingtes, Aufstrebendes, Dynamisches, Befreites ausdrücken.

Wenn für Mixsa das plastische Gestalten auch ein Mittel war, Dinge "auszusprechen", die er nicht in der Öffentlichkeit sagen oder schreiben konnte, so war das Zeichnen - gerade in der Natur - für Rita Geißler anfangs eine Möglichkeit sich auszudrücken, wo die Sprache versagte. In Dresden geboren, hatte sie die frühe Kindheit in der Sowjetunion verbracht, sprach bei der Rückkehr nur Russisch. Noch heute Gewohnheit ist der Gang in die Natur bei jedem Wetter, um zu zeichnen. Allerdings war es lange still um Rita Geißler, gleichwohl ist ihr derzeitiges Hervortreten nicht voraussetzungslos. Zwischen 1982 und 1989 hatte sie an der HfBK studiert, wobei die Zeit bei Gerhard Kettner für sie besonders wichtig war. Die hier entstandene Diplomarbeit zu Gedichten von Anna Achmatowa wurde auf der Leipziger Buchmesse 1989 zum "Schönsten Buch des Jahres" gekürt. Schon da zeigte sich Geißlers Fähigkeit, Universelles sichtbar zu machen.

Besonders bei ihren variantenreichen Radierungen gelingt es der Künstlerin, über eine unmittelbare Naturschilderung hinaus zu gehen. Das gilt aber auch für Zeichnungen, Pastelle, respektive Mischtechniken aus Aquarell und Pastell. So beeindrucken in Grautönen gehaltene Arbeiten wie "Winterhimmel" (2013) oder auch "Bäume am Strand" (2013). Das Papier wird zum Mitspieler im Farbspektrum, bringt sich teils auch mit seiner Struktur ein. Auffallend ist die wohl besondere Liebe der Künstlerin zu Bäumen, Uferböschungen, Fluss und Meer. Die Kindheitserlebnisse in der Natur, aber auch die bei Museumsbesuchen tief empfundenen Landschaften russischer Maler müssen in ihrem Bewusstsein bleibende Spuren hinterlassen haben. Gleichwohl sind ihre Arbeiten alles andere als romantisierend, stattdessen unspektakulär in den Motiven ("Angeschwemmte Halme") und angemessen klar in der Form.

Die "Begegnung" in Radebeuls Stadtgalerie konnte gelingen, weil die Arbeiten beider Künstler sich nicht vordergründig aufdrängen. Aus der eher zufälligen Kombination ist eine recht beglückende Ausstellung geworden.

ibis 18. August, Di-Do und So 14-18 Uhr; Galeriegespräch: 14. August, 19.30 Uhr; Kontakt: 03521/8303900

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 03.08.2013

Lisa Werner-Art

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