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Bannewitzer Online-Firma setzt auf sächsische Handwerkskunst

Bannewitzer Online-Firma setzt auf sächsische Handwerkskunst

Noch steht das Tagesbett aus geseiftem Eschenholz des Schneeberger Designers Andreas Mikutta eher verlassen in einer früheren Schule in Bannewitz bei Dresden. Kissen aus reiner Wolle und aus rhabarberwurzel-gegerbtem Leder laden jedoch schon jetzt zum Verschnaufen ein.

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Aus Schlaglochabguessen hergestellte Lampen von Kuenstlern aus Leipzig haengen in Bannewitz im Schauraum des Saechsischen Heimatwerkes, während Geschaeftsfüherin Christine Posch ein Retro-Fahrrad positioniert.

Quelle: dapd

„Das Bett haben wir exklusiv im Angebot“, sagt Christine Posch. Die Betriebswirtin richtet gerade die Präsentations- und Verkaufsräume des Sächsischen Heimatwerks ein.

Auf knapp 500 Quadratmetern werden ab Frühjahr 2013 ausschließlich sächsische Erzeugnisse von Handwerkern, Kunsthandwerkern und Designern präsentiert und verkauft. Auch eine kulinarische Abteilung mit sächsischen Spezialitäten, wie Vollbier, Weinen oder Schokolade, soll entstehen. Der [link:700-NR_DNN_55012-1] des Heimatwerks, einer 2011 gegründeten Handelsfirma, ist Anfang Dezember mit zunächst wenigen Produkten gestartet. Inzwischen seien 600 einzelne Artikel von 30 Firmen im Angebot, sagt Geschäftführerin Posch.

Plattform für exklusive sächsische Handwerksprodukte

Das Sächsische Heimatwerk soll unter einem Dach Handwerkern, Manufakturen, Designern und Künstlern aus der Region eine Plattform für ihre exklusiven Erzeugnisse bieten. Die Idee sei an die Heimatwerke in der Schweiz und Österreich angelehnt, wobei die Österreicher „etwas verstaubt“ und die Schweizer „sehr touristisch orientiert“ seien, sagt Posch.

Das Sächsische Heimatwerk hingegen will moderner sein und beweisen, dass alte Handwerkskunst nicht verstaubt sein muss und deshalb auch viel Raum für Neuentwicklungen bieten. Mehr als 100 Firmen und Manufakturen im Freistaat haben die 31-jährige Posch und ihre neun Jahre ältere Mitstreiterin Yana Ratthey in den zurückliegenden Monaten besucht, um ihre Geschäftsidee zu präsentieren. „Wir haben in einem halben Jahr 50.000 Kilometer zurückgelegt und auf den Touren immer neue Firmen entdeckt“, erinnern sich die Geschäftsfrauen, die zuletzt in Wien im internationalen Modegeschäft aktiv waren.

Zwischen Leipzig und der Oberlausitz, im Vogtland und im Erzgebirge waren die beiden Firmengründerinnen auf der Suche nach geeigneten Kooperationspartnern. Dabei sind sie nach eigenen Angaben auf Handwerkskunst gestoßen, die sie längst für ausgestorben hielten. So haben die beiden Geschäftsfrauen einen Handwerker entdeckt, der traditionell Horn zu Kämmen und anderen Gebrauchsgegenständen verarbeitet. Besonders beeindruckt zeigen sich Posch und Ratthey von einer Kunstblumenmanufaktur aus der Nähe von Radeberg, deren Accessoires auf weltbekannten Modemessen in Paris, London oder Berlin die Haute Couture veredeln.

Das Sortiment reicht von Möbeln bis zum Pflanzbottich

„Wir legen großen Wert darauf, dass die Produkte überwiegend in Sachsen gefertigt und nicht nur zusammengebaut werden“, sagt Ratthey, die als gelernte Sattlerin die einzelnen Waren auch unter handwerklichen Gesichtspunkten bewertet. Das Angebot reicht von Möbeln über Reisegepäck, Porzellan, Leinentücher, Pflanzbottichen für Garten oder Terrasse, Schmuck, handkaschierten Globen, Rasierpinseln, diversem Spielzeug bis hin zu Fahrrädern - lediglich Bekleidung wird nicht verkauft.

Im Sortiment finden sich auch außergewöhnliche Stücke, wie Lampen aus Leipzig, deren biologisch abbaubarer Thermoplastschirm den Originalabdruck von Schlaglöchern widerspiegelt. So wird in Designerhand aus einem alltäglichen Ärgernis ein extravaganter Einrichtungsgegenstand. Ratthey kann sich vorstellen, künftig das Sächsische Heimatwerk zu einem Label aufzubauen und einzelne Produkte oder Produktversionen exklusiv in Auftrag zu geben.

Das sei aber noch Zukunftsmusik, zunächst werde der Onlineshop erweitert und das Geschäft in Bannewitz ausgestaltet. Zehn Mitarbeiter sollen später beschäftigt werden. Die bisherigen Investitionskosten will Posch nicht beziffern. Die in München aufgewachsene Geschäftsfrau selbst sieht sich der familiären Tradition ihres Vorfahren Carl Ernst Mey, der im 19. Jahrhundert von Leipzig aus den Versandhandel in Deutschland begründet hatte.

Viele sächsische Manufakturen mit hochwertigen Produkten hätten zwar dank des guten Rufs deutscher Wertarbeit eine hohe Exportquote, seien aber in der Region kaum bekannt, sagt Ute Czeschka. Die Meißner Marketingmanagerin hat Ende 2010 mit dem Manufakturhaus ein Handelshaus für erlesenes deutsches Handwerk in ihrer Heimatstadt gegründet.

Ziel ihres Onlinehandels und des Ladengeschäfts sei es, einen gemeinsamen Vertriebsweg für traditionelles, deutsches Handwerk zu bieten. „Immer mehr Kunden entscheiden sich für hochwertigere Produkte, statt zwei Mal billige Ware zu kaufen“, betont Czeschka. Im Angebot führt sie nach eigenen Angaben jedoch weniger Designerware, bei der die Idee und der Name den Preis bestimmen. Stattdessen dominiere reproduzierbare Handwerksware, bei der sich der Preis aus der Arbeit und dem Material zusammensetze, ihr Sortiment.

dapd, Nils-Eric Schumann

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