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Bald 60 Jahre im Einsatz für Vögel und Naturschutz - Radebeuler NABU-Fachgruppenchef ausgezeichnet

Bald 60 Jahre im Einsatz für Vögel und Naturschutz - Radebeuler NABU-Fachgruppenchef ausgezeichnet

"Nein, Ornithologen sitzen nicht nur den ganzen Tag in der Natur herum und gucken Vögel an", räumt Peter Hummitzsch mit einem gängigen Klischee auf.

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Peter Hummitzsch

Radebeul. Von Stefan Schramm

Viel mehr sei seine Tätigkeit harte Arbeit. Arbeit, die der 76-Jährige sehr gern macht - ehrenamtlich, und das schon bald 60 Jahre lang. Nun zeichnete Sachsens Umweltminister Frank Kupfer (CDU) ihn für sein Engagement für die Natur mit einer Ehrenurkunde aus.

Seit etwa 1954, als er am Luisenstift das Abitur ablegte, befasst sich der Radebeuler intensiv mit der Natur. "Mein Biologielehrer hat mich dazu gebracht", erinnert er sich. Der war Heilpflanzen- und Vogelkundler, hieß Friedrich A. Bäßler und gründete in dieser Zeit eine ornithologische Fachgruppe innerhalb des Kulturbunds in Radebeul. Damit ist er zugleich ein Vorgänger von Peter Hummitzsch, der nun selbst seit 1980 die derzeit aus 23 Mitgliedern bestehende Fachgruppe Ornithologie und Naturschutz Radebeul im Naturschutzbund Deutschland (NABU) leitet. Seit der promovierte Mathematiker und Informatiker 1991 in Rente ging, widmet er dem Naturschutz einen Großteil seiner Zeit.

Eines von Hummitzschs Langzeitprogrammen ist die Beobachtung der Vogelwelt im Zschornaer Teichgebiet an der A 13 nördlich von Radeburg. Seit er das Projekt 1968 wieder ins Leben rief, nimmt an jedem Wochenende ein Beauftragter aus der von ihm bis 2008 geleiteten "Zschorna-Gruppe" die dortige Avifauna per Fernglas in den Blick. "Auf diese Weise haben wir ungefähr 150 000 Daten gesammelt", berichtet er. Nun sei er dabei, dies alles auszuwerten. "Die meiste Zeit verbringe ich am Schreibtisch", sagt Peter Hummitzsch. Zahllose Angaben über Vogelsichtungen pflegt er per Computer in Datenbanken ein.

Doch das dauert. Nicht zuletzt deshalb, weil ihn seine Tagesaufgaben davon abhalten, so das Beantworten von Anfragen von Behörden. Noch dieses Jahr sollen zum Beispiel die beiden Landschaftsschutzgebiete Lößnitz sowie Friedewald und Moritzburger Teichgebiet vereinigt werden. Hummitzsch, der als ehrenamtlicher Mitarbeiter des staatlichen Naturschutzdienstes neben zehn Flächennaturdenkmalen und vier Naturschutzgebieten unter anderem auch diese Gebiete betreut, erarbeitete dazu eine ausführliche Stellungnahme.

Er findet oft Gehör, doch die Zusammenarbeit könnte besser laufen. Der Freistaat nutze das Potenzial ehrenamtlicher Naturschützer nicht optimal aus. Es gebe ein krasses Missverhältnis zwischen der Naturschutzgesetzgebung und der Ausstattung der Behörden mit Geld und Kapazitäten. "Noch wichtiger als eine Auszeichnung wäre für mich, es würde von staatlicher Seite mehr für den Naturschutz getan", bringt Hummitzsch es auf den Punkt. Lange saß er im Naturschutzbeirat des Regierungsbezirks Dresden. Doch bereits bevor der in einer einzigen Landesdirektion aufging, sei die Sache wortlos eingeschlafen.

Auch in seiner Heimatstadt laufe manches falsch. Durch den Bau der neuen Siedlung an der Waldstraße verschwanden von dort einige Brutvogelarten, so Schwarzkehlchen und Heidelerche. Auch der Neuntöter sei fast weg. Auf der versprochenen Ausgleichsfläche am Lößnitzmarkt auf der anderen Seite der Stadt lagert bis heute nur Bauschutt. Dennoch sei es um die Radebeuler Vogelwelt insgesamt "ganz gut bestellt", schätzt Hummitzsch ein. Nur Wasservögel gebe es zu wenige - in Radebeul liegt das an der geringen Anzahl größerer Gewässer, bei den Moritzburger Teichen hat es andere Gründe: Dort haben die massive Zunahme von Waschbären und die Teichbewirtschaftung in der DDR ihre Spuren hinterlassen.

So lange es seine Gesundheit zulässt, möchte Peter Hummitzsch, der übrigens als ausgewiesener Weißstorchexperte gilt, weitermachen: "Es gibt viel zu tun, aber wir sind zu wenige und es fehlt an Nachwuchs. Da kann man nicht einfach sagen, man ist zu alt und hört auf."

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 08.09.2012

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