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Bad Schandau feiert Apfelfest mit "Bischofsmütze" und "Nonnentitte"

Bad Schandau feiert Apfelfest mit "Bischofsmütze" und "Nonnentitte"

Das Nationalparkzentrum in Bad Schandau lädt am Sonntag zum 10. Apfelfest. Wie die Mitarbeiter des Nationalparkzentrums in einer Wald- und Felsenregion gerade auf den Apfel gestoßen sind, verrät Stefanie Engelbrecht im DNN-Interview.

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In alte Apfelsorten von Streuobstwiesen beißt Stefanie Engelbrecht gern hinein - so auch am Sonntag zum Apfelfest.

Quelle: Silvio Kuhnert

Bad Schandau. Frage: Die Nationalparkregion ist nicht unbedingt als Apfelanbaugebiet bekannt. Wie sind Sie auf den Apfel gekommen?

Stefanie Engelbrecht: Der Nationalpark Sächsische Schweiz ist in erster Linie eine sehr reiche Naturlandschaft. Er zeichnet sich durch eine Fels- und Waldlandschaft aus, ist geprägt von Wandertradition und Naturerleben. Nationalparks haben das Motto "Natur Natur sein lassen" oder anders formuliert: Was fällt, bleibt liegen, was stirbt, bleibt stehen - der Mensch zieht sich mit seinem Handeln bewusst zurück. Die Nationalparkregion ist aber nicht nur eine Natur-, sondern auch eine Kulturlandschaft. Diese wurde vom Menschen geprägt. Eine Form ist die Landwirtschaft. Obstanbau ist jetzt hier nicht so vorherrschend. Was man aber finden kann, ist im Gegensatz zu den konventionellen Plantagen der Obstanbau im kleinen Maßstab, die Streuobstwiese. Sie liefert nicht nur Äpfel, sondern ist ein Lebensraum für viele Säugetiere und Insekten. Dieser Lebensraum sollte erhalten bleiben. Was man alles aus Äpfeln von einer Streuobstwiese machen kann, wollen wir bei dem Fest zeigen.

Im Laden findet man immer Sorten wie Golden Delicious, Gala oder Jonagold. Diese Äpfel stammen von Plantagen, sehen immer astrein aus ohne irgendwelche Fehler, sind von gleichmäßigem Wuchs, ähnlicher Farbe und Form. Gibt es typische Sorten für eine Streuobstwiese?

Auf Streuobstwiesen wachsen vor allem alte Apfelsorten. Einst gab es mehrere Tausend Sorten mit oft seltsamen Namen wie "Prinz Albrecht von Preußen", "Schlotterapfel", "Bischofsmütze" oder "Nonnentitte". Viele Äpfel kommen aus England. Selbst aus Amerika wurden Apfelsorten in unsere Region gebracht. Eine Sorte, die direkt aus der Sächsischen Schweiz stammt und hier ursprünglich gezüchtet wurde, kann ich nicht bieten. Weil heutzutage Apfelbaumbesitzer mitunter nicht mehr wissen, welche alte Sorte ihr Baum trägt, ist zum Apfelfest ein Pomologe vor Ort, der mitgebrachte Apfelsorten bestimmt.

Wie kamen die Menschen einst auf solch kuriose Namen?

Die Sorte "Prinz Albrecht von Preußen" hat ihren Ursprung im heutigen Polen. Sie wurde 1865 von Hofgärtner Braun aus Kamenz bei Glatz in Polen als Sämling von "Kaiser Alexander" ausgelesen und nach dem Schlossbesitzer benannt.

Gibt es noch viele Streuobstwiesen oder nimmt ihre Zahl in der Region ab?

Sie werden weniger gepflegt. Das ist ein Problem. Die Bäume müssen regelmäßig zurückgeschnitten werden. Wenn nach Windbruch Äste abbrechen, müssen die Wunden behandelt werden, damit der Baum nicht eingeht. Wir haben einige Streuobstwiesen beispielsweise in Dorf Wehlen und auch Ottendorf, wo eine ganze Menge Obst- bäume stehen. Darunter befinden sich auch alte und mitunter windschiefe Bäume.

Welche Tiere fühlen sich auf einer Streuobstwiese wohl?

Neben Säugetieren wie Fledermäusen oder Igel sowie Insekten sind es in Sachsen vor allem Singvögel wie Stieglitz oder Wiedehopf, die Höhlen in Ästen und Stämmen als Brutstätte nutzen. Wichtig bei einer Streuobstwiese ist, dass etwas Fallobst auch liegen bleibt und die Wiese nicht komplett beräumt wird. Es dient beispielsweise dem Igel im Herbst als Futter. Bedeutsam sind nicht nur die Bäume und Wiesen allein, sondern an der Seite liegende Sandsteine oder Holzstapel, die wiederum einen Lebensraum für Eidechsen bieten können. Ein umgefallener Baum sollte ebenfalls liegen gelassen werden. Das Totholz lockt Insekten und Vögel an. Was eine Streuobstwiese auszeichnet, ist die Vielfalt an Strukturen, Lebensräumen und Obstsorten.

Ist dieser Lebensraum bedroht, weil auch auf dem Land immer häufiger Spalierobst und kleinstämmige Obstbäumchen zu finden sind?

Es ist die Sorge, dass alte Obstsorten verschwinden. Hochstämmige Sorten sind nicht mehr so geläufig. Diese Arten wachsen verhältnismäßig langsam, die Wiesen müssen gemäht werden. Viele Menschen scheuen den Aufwand, der mit einer Streuobstwiese verbunden ist. Das Obst hängt weit oben, hat einen weiteren Weg nach unten und damit eher Druckstellen. Das Anliegen der Sächsischen Landesstiftung Natur und Umwelt mit dem Fest ist es, das Bewusstsein für die vielfältigen Obstsorten und die Vielfalt der Streuobstwiese zu schärfen.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 09.10.2014

Silvio Kuhnert

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