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Bad Schandau: Nach dem Hochwasser drohen der Region neue Probleme

Bad Schandau: Nach dem Hochwasser drohen der Region neue Probleme

In der Sächsischen Schweiz sind viele Orte meterhoch überflutet. Doch auch wenn das Hochwasser der Elbe in den nächsten Tagen zurückgeht, drohen der Region neue Probleme.

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Quelle: Arno Burgi, dpa

Bad Schandau. Ein Mal noch, dann ist es genug. Ein Mal noch diese braune Brühe, diesen morastigen Dunst, diesen betonartigen Schlamm, wenn die Elbe wieder in ihr Bett zurückgekehrt sein wird. "Irgendwann reicht es, dann kann selbst ich nicht mehr", sagt Mario Albrecht, der Eiscafé-Besitzer aus der Kirchgasse in Bad Schandau. Seine Miene erzählt mehr, als es ein Dutzend Sätze könnte. Innerhalb von elf Jahren erlebt Bad Schandau das vierte Hochwasser. Nach 2002, 2006 und 2010 steht das Wasser nun erneut fast zwei Meter in seinem Laden. Mario Albrecht kann wieder nur zuschauen. Dass dem 51-Jährigen die Kraft auszugehen droht, scheint nachvollziehbar. Denn der Flut könnte schnell der Ruin folgen.

Deshalb dringt durch all diese Routine, mit der die Menschen hier der neuen Flut begegnen, die Furcht, dass der touristische Einbruch zur besten Buchungszeit die Katastrophe ausufern lassen könnte. Die Kirnitzschtal-Klinik - einer der größten Arbeitgeber im Ort - ist seit Tagen geräumt. Die Toscana-Therme schwimmt beinahe weg. Die Hotels und Pensionen sind ebenfalls seit Tagen menschenleer. So wie die gesamte Stadt, in der das Wasser bis zum Schlossberg steht. 11 000 Menschen mussten die beliebte Wanderregion verlassen, weil ihre Sicherheit nicht mehr garantiert werden konnte. Selbst der Krisenstab ist in das benachbarte, höher gelegene Altendorf umgezogen. Es herrscht eine gespenstige Stille, die nur vom Rattern der Notstromaggregate und Pumpen durchbrochen wird.

Bad Schandau ist deutschlandweit längst zu einem Synonym für einen von den Fluten malträtierten Ort geworden. Während 2002 in Grimma an der Mulde die größten Verluste registriert wurden, ist der Kurort nahe der Grenze zu Tschechien die wohl am häufigsten heimgesuchte Stadt. Allein die reißende Kirnitzsch, die hier in die Elbe mündet, sorgte vor drei Jahren für einen Schaden von fast vier Millionen Euro. Die berühmte historische Straßenbahn durch das Kirnitzschtal, zum Lichtenhainer Wasserfall litt darunter.

Dass selbst in diesen Tagen ein Urlaub in der Sächsischen Schweiz, oberhalb der überfluteten Orte wie Schmilka, Rathen, Wehlen oder eben Bad Schandau, möglich ist, beweisen Ruth und Alfred Möller aus dem Sauerland. Sie wollten sich von dem Wasser nicht vertreiben lassen und stehen jetzt demonstrativ auf dem Ostrauer Berg. "Wir mussten zwar umbuchen, etwas anderes suchen - aber gehen wollten wir nicht", erklärt das Rentner-Ehepaar, und fügt kategorisch hinzu, dass es keineswegs wegen des Katastrophen-Tourismus' geblieben ist.

Es sind Menschen wie die Möllers, die den Schandauern die Kraft geben könnten durchzuhalten. "Wenn das Wasser weg ist, wird aufgeräumt - dann sind wir in einigen Tagen wieder buchbar, auch wenn es vielleicht die eine oder andere kleinere Einschränkung geben wird", sagt ein Hotelbesitzer, dessen Haus von der Elbe umströmt wird. Es ist ein Flehen. Ein Halt-Suchen in der Ungewissheit. Doch es scheint die einzige Chance für Bad Schandau zu sein.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 08.06.2013

Andreas Debski

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