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Avitum Saxonia baut Radeberg zur Zentrale des Dialysatoren-Herstellers aus

Trotz neuem Werk in Wilsdruff Avitum Saxonia baut Radeberg zur Zentrale des Dialysatoren-Herstellers aus

Am Standort Radeberg werde man nicht rütteln, bekräftigt Bertram König, Geschäftsführer der B. Braun Avitum Saxonia GmbH. Die Frage nach der Zukunft des Standorts hat der Neubau einer Produktionsstätte in Wilsdruff für „einen hohen zweistelligen Millionenbetrag“ aufgeworfen. Herz und Hirn des Unternehmens bleiben jedoch in Radeberg.

Die Biologielaborantin Louise Heise bestimmt im Mikrobiologielabor der B. Braun Avitum Saxonia GmbH die Keimzahl einer Probe in einer Petrischale.

Quelle: Sebastian Kahnert, dpa

Radeberg. Am Standort Radeberg werde man nicht rütteln, bekräftigt Bertram König, Geschäftsführer des zum Medizin-Konzern B. Braun Melsungen AG gehörenden Unternehmens B. Braun Avitum Saxonia GmbH.

Die Frage nach der Zukunft des Standorts wird immer mal wieder aufgeworfen, seit das Unternehmen im vergangenen Jahr den Neubau einer Produktionsstätte in Wilsdruff für „einen hohen zweistelligen Millionenbetrag“ angekündigt hatte. Dort sollen wie in Radeberg auch Dialysatoren hergestellt werden, also die Filter, die bei der Blutwäsche in Dialysegeräten unverzichtbar sind. Ziel sei, weltweit die Nummer 2 in Sachen Dialyse werden, gibt König die ehrgeizigen Pläne des Konzerns wieder.

Entsprechend wolle man die Produktionskapazität von derzeit rund 13,5 Millionen Dialysatoren im Jahr schrittweise verdoppeln, sobald 2018 die ersten Produktionsanlagen in Wilsdruff in Betrieb gehen. Von einer Verlagerung der Produktion kann also auch langfristig gesehen keine Rede sein.

Dazu passt, dass man auch in Radeberg stetig investieren wolle, wie König sagt. Zwar nimmt sich der von ihm genannte Betrag, „eine sechsstellige Summe“, im Vergleich zum Wilsdruffer Vorhaben klein aus. Das Geld wird aber vor allem dafür ausgegeben, den Radeberger Standort als Herz und Hirn des Unternehmens auszubauen. Zu diesem gehört neben der künftigen Wilsdruffer Produktionsstätte auch ein Werk in Berggießhübel. In dem werden die Faserbündel hergestellt, auf denen die Dialysatorentechnik aufbaut.

Kein Wunder also, dass beim Besuch von Sozialministerin Barbara Klepsch (CDU) am 26. Februar neben einem Blick in die Produktion eine Stippvisite im kürzlich erweiterten mikrobiologischen Labor auf dem Programm stand. Die dort gemachten Tests dienen vor allem der Qualitätssicherung in der Herstellung. Wobei zum Beispiel zugelieferte Materialien und das jeweilige Produktionsfeld gemäß der hohen Hygienestandards der Medizinbranche unter die Lupe genommen wird.

„Die Region mit ihren Universitäten, Lieferantenstrukturen und dem kulturellen Umfeld in Dresden ist für uns hoch attraktiv“, meint Geschäftsführer König. „Vor diesem Hintergrund bauen wir unsere Forschungs- und Entwicklungskapazitäten neben der Produktion kontinuierlich aus.“ Und das eben in Radeberg, wo das angesprochene mikrobiologische Labor für alle drei Standorte zuständig ist.

Ein weiteres Beispiel für die zentrale Rolle Radebergs ist die sogenannte Engeneering-Abteilung, also ein Fachbereich mit Ingenieuren, den man in den vergangenen Jahren aufgebaut hat. Dort wird vor allem an der Automatisierung der Produktionsanlagen gefeilt. Man sei vor Jahren noch sehr abhängig von den Herstellern der Produktionsanlagen gewesen, meint König. Jetzt könne man ihnen konkrete Pläne vorlegen, was gewünscht ist, und Anlagen in Auftrag geben, die passgenau für die Dialysatoren-Produktion ausgelegt sind. Auch die neuen Produktionsanlagen, die in Wilsdruff zum Einsatz kommen, werden in Radeberg erdacht und dort auch als Prototypen erprobt, damit sie am neuen Standort gleich mit voller Produktionslast gefahren werden können. Dass man dabei eng mit dem benachbarten Unternehmen Alpha Plan GmbH zusammenarbeitet, kann mit Blick auf die anstehenden Millionenanschaffungen für Wilsdruff für den Radeberger Wirtschaftsstandort nur positiv sein.

Neben der Bündelung von Forschung und Entwicklung bleibe Radeberg aber auch als Produktionsstätte bedeutend, sagt König. Man wolle entsprechend die Auslastung der fünf Fertigungslinien verbessern, um höhere Produktionskapazitäten zu erzielen. Welches Ziel man sich dabei gesetzt hat, sagt der Geschäftsführer mit Blick auf die aufmerksame Konkurrenz nicht.

Auch von einer weiteren Automatisierung in Radeberg ist die Rede. Was laut König aber keinen negativen Einfluss auf die Mitarbeiterzahl haben soll, die seit dem Erwerb des früheren VEBs Keradenta Radeberg durch B. Braun im Jahr 2004 von 140 auf 549 im vergangenen Jahr anstieg. Durch Robotertechnik eingesparte Arbeitsplätze werde durch die höheren Produktionskapazitäten aufgefangen, sagt König. Mehr noch: Man werde wohl etwa 30 neue Arbeitsplätze schaffen.

Rosige Aussichten also, für die es allerdings auch ernste Gründe gibt. Der Markt für die maschinelle Blutwäsche wächst stetig. Weltweit geht man davon aus, dass die Zahl der Patienten mit Nierenversagen jährlich um fünf bis sieben Prozent steigt und dass es bis 2020 etwa 3,8 Millionen Dialysepatienten gibt. 2010 waren es noch zwei Millionen. Da Avitum Saxonia etwa 90 Prozent seiner Dialysatoren in rund 100 Ländern absetzt, ist das für das Unternehmen Ansporn, mit dem Markt zu wachsen.

Das sächsische Unternehmen ist schon jetzt der größte Dialysatoren-Hersteller im B.-Braun-Konzern. 2014 lag der Umsatz bei mehr als 100 Millionen Euro. Nach eigenen Aussagen hat man seit 2004 rund 80 Millionen Euro in die beiden bisherigen Standorte in Berggießhübel und Radeberg gesteckt. Also in etwa so viel Geld, wie nun für den Aufbau des Wilsdruffer Werks ausgegeben wird.

Von Uwe Hofmann

Juri-Gagarin-Straße 13, Radeberg 51.09982 13.90821
Juri-Gagarin-Straße 13, Radeberg
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