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Auf der Spur der Kirchendiebe: Tauschaer Pfarrer will gestohlenen Schatz wiederhaben

Auf der Spur der Kirchendiebe: Tauschaer Pfarrer will gestohlenen Schatz wiederhaben

Vor knapp 36 Jahren schlug in der Gemeinde Tauscha bei Radeburg ein Kirchendieb zu. Geraubt wurden zwei wertvolle handgeschnitzte Madonnenfiguren aus dem 15. Jahrhundert.

Tauscha.

Außerdem ließ der unbekannte Dieb zwei Kerzenleuchter und ein von Johann Joachim Kaendler gefertigtes Kruzifix mitgehen. Bis heute ist der sakrale Kirchenschatz spurlos verschwunden. Damit will sich Pfarrer Eike Staemmler nicht länger abfinden. Er hat die Suche nach dem Eigentum der Jakobskirche neu angekurbelt.

Das Szenario für die Tat könnte glatt aus einem Polizeiruf-Krimi stammen. Es ist Donnerstag, der 8. September 1977: An diesem Abend probt der Männergesangsverein im Dorfgasthof. Nach der Singestunde sitzt man noch gemütlich bei einem Gläschen Bier zusammen. So ist es kurz vor Mitternacht, als die letzten Gäste das Wirtshaus verlassen. Einer der Sangesbrüder, der am Ortsrand wohnt, bemerkt später auf dem Heimweg ein unbeleuchtetes fremdes Auto am Wegesrand. Von hier aus sind es zu Fuß nur wenige Minuten bis zur Kirche. Zeugen erinnern sich, dass in jener Nacht zur Geisterstunde die Dorfhunde anschlugen.

Der damalige "Abschnittsbevollmächtigte" der Volkspolizei, Günter Hoffmann weiß heute noch, dass es keinerlei Einbruchsspuren gab. Die Polizei ging daher davon aus, dass der Dieb einen Nachschlüssel benutzte. Dadurch geriet ein Dresdner Maler in Verdacht, der vor dem Kunstraub Restaurationsarbeiten in der Kirche ausgeführt hatte. Corinna, die Tochter des damaligen Pfarrers Ernst Lochmann, hat ihn in unguter Erinnerung behalten: "Wir nannten ihn alle Picasso, weil er sich für einen großen Künstler hielt." Auch Kirchenwart Gotthard Klotzsche war der trinkfreudige Maler suspekt. Grund: Picasso hatte sich unerlaubt einen Kerzenleuchter "ausgeliehen". Diesen brachte er mit der Bemerkung zurück, dass er wertlos wäre.

Außerdem prahlte Picasso gern, dass er seine Arbeitsutensilien aus der BRD bezog. Dadurch wurde der Verdacht genährt, dass der mutmaßliche Dieb seine Beute nach Leipzig geschafft hat. Zeitzeugen sind noch heute davon überzeugt, dass am Rande der Leipziger Messe ein illegales Tauschgeschäft stattfand. Sakrale Kunstwerke gegen Spezialwerkzeug aus dem Westen, was es sonst in der DDR nicht frei zu kaufen gab. DNN-Recherchen zufolge gab es auf der Messe tatsächlich Firmen aus der BRD, die Malerbedarf ausstellten. Warum auch immer, letztlich verliefen die Ermittlungen der Polizei im Sande.

Besonders liegt Eike Staemmler die Rückkehr der etwa 85 Zentimeter hohen Madonnenfiguren am Herzen. Dabei handelt es sich um eine Madonna mit Kind sowie um eine gekrönte Heilige. Beide Figuren waren ursprünglich einmal farblich gestaltet. Vergleichbare Stücke werden für hohe fünfstellige Beträge auf Auktionen angeboten, hat Pfarrer Staemmler im Internet recherchiert.

Zur Fahndung und möglichen polizeilichen Rückgewinnungshilfe wurde das Diebesgut auf Drängen des Tauschaer Pfarrers inzwischen durch das Bundeskriminalamt in die nationale Kunstdatenbank für Deutschland eingestellt. Dass sich diese Mühe durchaus lohnen kann, zeigt ein Fall aus Sachsen-Anhalt. Ein 1980 in der Kliekener Kirche gestohlenes Cranach-Altarbild wurde 2007 in Bamberg wieder entdeckt.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 12.08.2013

Peters, Werner

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