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Auf der Festung Königstein ist eine Sonderausstellung der kurzen Vergangenheit als Kloster gewidmet

Klostergründung vor 500 Jahren Auf der Festung Königstein ist eine Sonderausstellung der kurzen Vergangenheit als Kloster gewidmet

Vor 500 Jahren zogen zwölf Mönche und ein Prior auf den Königstein. Dieses Jubiläum nimmt die Festung zum Anlass, die weniger bekannte Vergangenheit als Kloster von 1516 bis 1524 in einer Sonderausstellung zu beleuchten.

Das Kloster auf dem Königstand bestand nur kurze Zeit. Durch die ein Jahr nach der Gründung beginnenden Reformation löste sich der Konvent rasch auf. Die Geschichte und die Auswirkungen der Reformationsbewegung wird anhand verschiedener Exponate wie Gemälden von Persönlichkeiten jener Zeit nachgezeichnet.

Quelle: Sebastian Kahnert, dpa

Königstein. Einem bislang wenig bekannten Kapitel ihrer Geschichte widmet sich die Festung Königstein in der diesjährigen Sonderausstellung. Bevor das heute bekannte und weitsichtbare militärische Bollwerk entstand, lebten Einsiedlermönche auf dem Felsplateau. Vor 500 Jahren erklommen zwölf Mönche und ein Prior des Cölestinerordens den Fels über dem Elbtal. „Die Ausstellung ist ein kleines Stückchen Reformationsgeschichte“, sagt Dr. Angelika Taube, Geschäftsführerin der Festung Königstein gGmbH. Denn die vom sächsischen Herzog Georg dem Bärtigen veranlasste Klostergründung geschah 1516 und damit ein Jahr, bevor Martin Luther seine 95 Thesen an die Schlosskirche zu Wittenberg schlug.

Die Mönche kamen vom Oybin auf den Königstein. Das Kloster im Elbsandsteingebirge war neben dem im Zittauer Gebirge das zweite des Cölestinerordens in Sachsen. Und gleichzeitig war es auch die letzte Klostergründung vor der Reformation im heutigen Freistaat. Das Mönchsleben währte nur kurz auf dem Felsmassiv. Bereits acht Jahre nach der Gründung verließ der letzte Mönch den Königstein. Marcus Bitterlich, Kurator der Ausstellung spricht daher von „einer gescheiterten Klostergründung“.

Kurator Markus Bitterlich steht an der detailgetreuen Nachbildung der Klosterpforte

Kurator Markus Bitterlich steht an der detailgetreuen Nachbildung der Klosterpforte. Das Original befindet sich heutzutage schwer zugänglich hinter dicken Festungsmauern versteckt.

Quelle: Silvio Kuhnert

Das gesamte Klosterprojekt stand von Anfang an unter keinem guten Stern. So klagten die Brüder über unwirtliche Bedingungen, den Bauverzug am Kloster und dessen unzureichende finanzielle Ausstattung. Von den Ideen Luthers bekamen sie auch bald Wind und wurden Teil der Bewegung. So floh der Prior Johannes Mantel heimlich nach Wittenberg, um sich dort dem Reformator anzuschließen. Seinem Beispiel folgten andere Brüder. Sie verließen nach und nach den Königstein.

Unter dem Titel „Mönche auf dem Königstein und wie der „böse Samen Doctor Luthers“ sie Vertrieb“ bringt die Festung nun Licht in das bislang dunkle Kapitel. „Mit der Ausstellung reihen wir uns in die Lutherdekate ein“, sagt Festungschefin Taube. Vom Kloster selbst sind nur wenige Relikte übrig geblieben. Denn die Fundamente liegen tief unter der Erde. Mit Hilfe einer Bodenradaruntersuchung wurden auf dem Exerzierplatz die Umrisse nachgezeichnet. Von der schwer zugänglichen originalen Klosterpforte wurde ein detailgetreues Abbild gefertigt, die im Zentrum des Ausstellungsraums in der Magdalenenburg steht. Vom Kloster zeugen in der Schau ein Geleitbrief mit dem Klostersiegel, das Konzept zur Gründung mit Anmerkungen von Herzog Georg sowie ein alter Festungsplan aus dem Jahr 1709, auf welchem die einstigen Klostergebäude eingezeichnet sind.

Die Sonderausstellung auf der Festung Königstein beleuchtet die kurze Klostervergangenheit

Die Sonderausstellung auf der Festung Königstein beleuchtet die kurze Klostervergangenheit. Eine Installation aus Licht und Klang lässt die Besucher in die geistig-religiöse Atmosphäre jener Zeit eintauchen.

Quelle: Sebastian Kahnert, dpa

Die Sonderausstellung, die ab morgigen Sonnabend bis 1. November täglich geöffnet hat, zeichnet anhand von Leihgaben aus rund 30 Museen, Kirchen, Klöstern, Archiven und Bibliotheken, darunter vier Gemälde aus Italien, das mittelalterliche Mönchtum, die frühere Klosterlandschaft Sachsens, den Cölestinerorden und die Zeit der Reformation nach. So weist der Prior Johannes Mantel einige Parallelen zum Lebensweg Luthers auf. „Beide waren Mönche und haben das Gelübde der Keuschheit geschworen. Im Zuge der Reformation verließen sie ihre Orden und waren später sogar verheiratet“, berichtet Kurator Bitterlich.

Die Ideen Martin Luthers stießen bei den Mönchen auf dem Königstein auf starken Widerhall

Die Ideen Martin Luthers stießen bei den Mönchen auf dem Königstein auf starken Widerhall.

Quelle: Sebastain Kahnert, dpa

Zu den Exponaten zählen neben originalen Dokumenten aus der Geschichte des Königsteiner Klosters zeitgenössische Madonnenfiguren, Gemälde und Grafiken, klösterliche Architekturfragmente, Bodenfunde und eine Truhe des Ablasspredigers Johannes Tetzel. Des Weiteren sind Handschriften aus dem 13. Jahrhundert zu sehen, die laut Bitterlich „noch nie der Öffentlichkeit gezeigt wurden“. Medienstationen bringen mit Hilfe von Animationen neueste baugeschichtliche Untersuchungen zum Konvent und zur Geschichte der Garnisonskirche den Besuchern näher. In einem zweiten Raum können sie mittels einer Installation aus Licht und Klang in die geistig-religiöse Atmosphäre jener Zeit eintauchen. Der Eintritt zur Sonderausstellung ist im regulären Festungseintritt enthalten.

Von Silvio Kuhnert

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