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Auf Kosten sitzen geblieben: Meißner Tierheim verklagt Landratsamt

Auf Kosten sitzen geblieben: Meißner Tierheim verklagt Landratsamt

Meißen. Liebevoll hält André Mertig eine Taiwan-Schönnatter in seinen Händen. Das zwei Meter lange Reptil beginnt sich ebenfalls scheinbar liebevoll um den Schlangenexperten des Tierschutzcentrums Meißen zu wickeln.

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André Mertig ist einer von zwei Reptilien-Spezialisten im Tierschutzcentrum. Ende nächsten Monats verliert er aus Kostengründen seinen Arbeitsplatz.

Quelle: Carola Fritzsche

Bald muss sich Mertig von dem Fundtier trennen. Nur dass es dieses Mal er sein wird, der geht. Der junge Tierpfleger hat gestern vom Leiter des Meißner Tierheims die Kündigung erhalten. Mit ihm noch drei weitere Kollegen der 13-köpfigen Belegschaft. Tierheim-Chef Mario Aßmann sieht sich nicht mehr in der Lage, sein Personal in der bisherigen Größe zu finanzieren. Die Schuld an der Misere gibt er dem Landratsamt Meißen. Eine Rechnung in Höhe von 10 000 Euro sei vom dortigen Veterinäramt nicht bezahlt worden, sagt Aßmann. Jetzt hat der 49-Jährige einen Anwalt hinzugezogen und Klage eingereicht.

Die Probleme begannen im Mai vergangenen Jahres: In einer verlassenen Messi-Wohnung einer Frau in Mögen bei Lommatzsch wurden zwei tote Hundewelpen und ein Kaninchenkadaver entdeckt. Zwei ausgehungerte Hunde und fünf Katzen konnten gerettet werden und wurden im Tierschutzcentrum in Meißen-Winkwitz untergebracht. "Ein Jahr lang wurden die Tiere bei uns geparkt, ohne dass das Veterinäramt, das für den Tierschutz mit verantwortlich ist, es bezahlt hat", sagt Aßmann. Die Halterin sei in der Zwischenzeit rechtskräftig wegen Tierquälerei verurteilt worden. Auch wenn sie jetzt keine Tiere mehr halten darf, habe das Tierschutzcentrum der Besitzerin die Tiere wieder zurückgeben müssen. Die Unterbringungskosten wurden weder von ihr noch vom Amt gezahlt.

Aßmann versteht das Vorgehen des Veterinäramtes nicht. In einem ähnlich gelagerten Fall Anfang des Jahres in Moritzburg hatte die Behörde anstandslos gezahlt. Damals wurden Ende Januar auf einer Wiese neun tote Schafe entdeckt und die überlebenden Tiere der Herde vom Veterinäramt nach Paragraph 16a des Tierschutzgesetzes beschlagnahmt und nach Meißen gebracht. Auch diese Tierhalterin wurde wegen Tierquälerei belangt. "Zwei gleiche Fälle werden völlig unterschiedlich behandelt", moniert Aßmann. Weil vom Veterinäramt dazu keine Antworten kamen, will der Tierheim-Chef nun den juristischen Weg gehen, um sein Geld zu erhalten. "Ich klage jetzt gegen den Landkreis", sagt Aßmann bestimmt.

Dem Rechtsamt des Landkreises Meißen liegt nach eigenen Aussagen die Klage des Meißner Tierschutzcentrums noch nicht vor. Generell gibt es zwischen der Landkreisverwaltung und dem Tierheim keinen Vertrag zur Kostenübernahme, wie Kreissprecherin Kerstin Thöns mitteilt. Auch hätte das Heim anfänglich die Betreuungskosten mit der Tierhalterin aus Mögen abgerechnet. "Warum die Zahlungen nicht fortgesetzt wurden, weiß ich nicht", so Thöns. Anders geartet sei der Fall in Moritzburg gewesen: Hier habe laut Thöns das Amt die Betreuung durch das Tierheim veranlasst. Somit stand die Behörde auch in der Pflicht zur Kostenübernahme.

Mario Aßmann führt seit über zwölf Jahren das Meißner Tierschutzcentrum, er ist also kein Neuling in der Materie. Die Zusammenarbeit mit dem Landkreis habe immer gut funktioniert, weshalb er lange mit sich gerungen habe, den Schritt der Klage zu gehen. Doch nun seien so hohe Kosten aufgelaufen, dass er die Kapazitäten herunterfahren müsse, sagt der Chef des Tierheims mit Blick auf die Kündigungen. Aufträge vom Veterinäramt wird er wohl künftig nur noch nach mehrmaliger Rückversicherung auf Bezahlung annehmen.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 31.07.2013

Madeleine Arndt

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