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Atmosphärische Dichte beim Moritzburg Festival

Atmosphärische Dichte beim Moritzburg Festival

Es war viel von Atmosphäre die Rede an diesem Abend im Moritzburger Monströsensaal - im gesprochenen Wort durch den Composer-in-Residence David Philip Hefti und adäquat auch auf der musikalischen Seite.

Nach langer Zeit gab es wieder einmal eine Uraufführung beim Moritzburg Festival - ein Streichsextett "Monumentum" des Schweizer Komponisten. Diese stieß nicht nur im Vorgespräch auf die rege Aufmerksamkeit des Publikums. Die Atmosphäre gespannter Erwartung und Aufgeschlossenheit setzte sich in der eigentlichen Wiedergabe fort und übertrug sich sehr schnell auf die Ausführenden (die Geiger Timothy Chooi und Mira Wang, die Bratscher Michal Micker und Hartmut Rohde sowie die Cellisten Jan Vogler und Harriet Krigh).

Das Sextett hat einen konkreten historischen und persönlichen Bezug, der eng mit dem Uraufführungsort Moritzburg verbunden ist: Der damals 18-jährige Sohn von Käthe Kollwitz Peter zog 1914 freiwillig in den Krieg und fiel in den ersten Tagen. Dass ihn Käthe Kollwitz bei dem geplanten und verwirklichten Kriegseinsatz unterstützte, ist heute nur aus den geschichtlichen Umständen heraus nachvollziehbar. Die Auseinandersetzung mit dem Schmerz über den Verlust fand in der berühmten Plastik "Die trauernden Eltern" ihre Entsprechung. Die intensive Beschäftigung mit dem tragischen Thema hatte Hefti "hineingezogen wie in einen Strudel". Die Besetzungswahl - ein Streichsextett - erfolgte wegen der speziellen Klangvorstellungen des Komponisten und weil man damit "alles realisieren kann", kammermusikalische Intimität und orchestral anmutende Phasen. Im Ergebnis ist ein sehr emotionsgeladenes Stück entstanden, das die Atmosphäre des Themas widerspiegelt. Erfreulich und berührend zugleich war, dass Hefti tunlichst sämtliche aufgesetzte Effekte und alles Plakative vermied, ganz auf die Wirkung des Stücks von innen heraus setzte und damit dem Hörer Raum für eigene Assoziationen zur Musik und zum Thema gab.

Alles in allem war es eine hochspannende Angelegenheit, die sich da entwickelte und von dem Sextett präzise und mit Hingabe zelebriert wurde, technisch auf allerhöchstem Niveau. Hefti reizte die instrumentalen Möglichkeiten in ungewöhnlicher Weise aus, arbeitete mit der Wirkung von Hall und reichen klanglichen wie dynamischen Kontrasten. Als dann am Ende ein breit strömender, inniger Klagegesang anhub, brauchte man eine ganze Weile, um mit der bewegenden Sinnlichkeit dieser Klangsprache fertig zu werden.

Familiäre Bande umrahmten die Uraufführung. Der berühmte Geiger und Komponist Josef Suk war ja einer der Schwiegersöhne von Antonin Dvorák. Das 1. Klavierquartett a-Moll op. 1 von Suk ist ein typisches Jugendwerk des ausgehenden 19. Jahrhunderts - thematisch einfallsreich, prall an Farben und Formen. Und Antti Siirala (p), Kai Vogler (V), Hartmut Rohde und Harriet Krijgh nahmen sich seiner auch genau aus dieser unprätentiösen Haltung heraus an: herzhaft zupackend, berauschend in klangschwelgerischer Manier. Und dies alles ohne die Gefahr, sich gegenseitig zu übertrumpfen oder den Partner beiseite zu schieben. Prachtvoll!

Aus Dvoráks mittlerer Zeit stammt dessen einziges Streichsextett op. 48 in munterem A-Dur, das in seinen musikalischen Bezügen eindeutig auf Dvoráks lebenslange Liebe und Verbundenheit zur Volksmusik seiner Heimat verweist. Man denke nur an die zauberhafte Dumka des 2. Satzes oder an den temperamentvollen Furiant! Mit dem furios aufspielenden Nikki Chooi am ersten Pult, der die anderen in einer nicht alltäglichen Weise mitriss und anspornte - was die Damen und Herren Wang, Rohde, Lee, Krijgh und Johnston natürlich gern und ohne Abstriche mitmachten - erlebte man eine hochdifferenzierte, faszinierend lebendige und klanglich warme Wiedergabe, die dem Farben- und Formenreichtum, dem besonderen Gestus des Stücks voll und ganz gerecht wurde. Viel Jubel am Ende!

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 21.08.2014

Mareile Hanns

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