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Aronia-Ernte startet in Coswig

Aronia-Ernte startet in Coswig

Ein Naturprodukt auf Siegeszug wächst seit Jahrzehnten auf den Anbauflächen der Obstbauern Volker und Michael Görnitz bei Coswig. Direkt an der Elbe stehen die Aronia-Pflanzen, deren Beeren Jörg Holzmüller eine gesundheitsfördernde Wirkung attestiert.

Coswig.

Die ist wissenschaftlich belegt. Holzmüller ist Geschäftsführer der "Aronia Original GmbH" aus Dresden. Er vermarktet exklusiv die komplette Ernte, die auf Görnitz' Feldern reift. Für beide ist die Beere das Markenzeichen ihrer Unternehmen.

Jetzt startete die Erntesaison, die wichtigste Phase für den Landwirt und den Vermarkter. Mit ihren Mitarbeitern haben sie sich vor einer Woche auf die Saison eingeschworen, ein kleines Fest direkt am Feld gefeiert. Die kommende Ernte scheint gut auszufallen, schätzt Michael Görnitz ein. Sie kann die des Vorjahres nur übertreffen. Das Hochwasser der Elbe flutete wochenlang die Felder. Sämtliche Fruchtstände an den Aronia-Pflanzen fielen ab. "Die Staunässe hat für Stress bei den Pflanzen gesorgt. Aber sie haben das Hochwasser überstanden und sind im gleichen Jahr noch um 30 Zentimeter getrieben", beschreibt Obstbauer Görnitz die äußerst robusten Pflanzen, die ursprünglich aus Nordamerika stammen und in Russland erstmals kultiviert wurden. Bei Frost bietet die Pflanze einen weiteren Vorteil. "Wir haben dieses Jahr ungefähr 70 Prozent Frostschäden beim Apfel", sagt Görnitz. Auch die Kirschen und Erdbeeren hätten ohne Vlies und Befeuerung Schaden genommen.

Bei der Aronia muss sich der Landwirt jedoch kaum sorgen. "Sie blüht sehr differenziert und ohne Hauptblüte, wie es beim Apfel der Fall ist." So ist die Doldenblüte hart im Nehmen und hält Frost bis minus 3 Grad Celsius ohne Verluste aus. Außerdem blüht sie in der Regel erst Mitte Mai, wenn Frost selten ist. Dieses Jahr kamen die Blüten aufgrund der warmen Witterung am 24. April - so früh wie nie zuvor. Deshalb kann Görnitz die Erntemaschinen jetzt zwei Wochen eher anwerfen. Umgerüstete Johannisbeer-Pflücker fahren durch die Felder und rupfen die Beeren von den Zweigen. Die Technik kommt aus Polen, wo die Landwirte ebenfalls über eine große Expertise im Aronia-Anbau verfügen.

Eine Handlese kommt wegen der hohen Personalkosten kaum in Frage. Für Bäcker und Kleinstabnehmer stehen jedoch im Hofladen immer ein paar Kilo auf Anfrage bereit. Pro Hektar rechnet Görnitz mit rund fünf bis sieben Tonnen Ertrag. Die liefert er direkt an Holzmüller ab, der sich seit Jahren auf die Vermarktung von Aronia-Produkten spezialisiert hat. Er produziert Saft, getrocknete Beeren, Müsliriegel und viele weitere Produkte. Seine neueste Erfindung ist die Aronade, eine eigene Limonade. Gepresst wird der Saft bei der Kelterei Walther in Arnsdorf. Der regionale Wirtschaftskreislauf liegt beiden Unternehmern am Herzen. "Die gewinnbringende Produktion von Säften in Sachsen wird zunehmend schwieriger. Die Ernte mit Maschinen spart uns die erheblichen Lohnkosten, die in anderen Ländern viel niedriger sind", sagt Görnitz und verweist auf billigeren Apfelsaft aus China.

Für den Vermarkter Holzmüller und sein Team steht ein anderes Problem im Vordergrund. Kaum jemand kennt die Aronia und ihre wertvollen Inhaltsstoffe. "Sachsen ist das Herz des deutschen Aronia-Anbaus. Dazu hat die Familie Görnitz den entscheidenden Teil beigetragen, als sie die alten Felder aus DDR-Zeit neu anlegte und vergrößerte. Inzwischen hat die Beere in Sachsen einen Namen. Aber in ganz Deutschland sind sie und ihre gesunde Wirkung kaum bekannt", sagt Holzmüller, der zunächst mit dem Verkauf der Pflanzen in das Aronia-Geschäft eingestiegen ist. Inzwischen erwirtschaftet sein Unternehmen rund sechs Millionen Euro Umsatz und vermarktet über 25 Aronia-Erzeugnisse bundesweit. "Natürlich ist das ein Nischenprodukt und nicht so bekannt wie Eier, Butter oder Milch. Aber ich habe mir zur Aufgabe gemacht, das zu ändern."

Unterstützung erhält er aus der Wissenschaft. Insbesondere in Polen, wo große Anbauflächen stehen, erforschen Wissenschaftler die Inhaltsstoffe und möglichen medizinischen Wirkungen der Aronia. Extrem hohe Werte an Antioxidantien sollen gegen sogenannte freie Radikale im menschlichen Körper helfen. Sie stecken in der Aronia und können einen vorbeugenden Effekt von Herz-Kreislauferkrankungen haben, wie an Ratten erfolgreich getestet wurde. Weitere Ergebnisse nennen positive Auswirkungen bei Cholesterin, Schwermetallen im Körper und verschiedenen Krebsarten. Verantwortlich hierfür soll der hohe Gehalt an natürlichen Oligomeren Procyanidinen (OPC) sowie Anthocyanen sein. Das sind natürliche Farbstoffe in Pflanzen, deren Anteil in der Aronia besonders hoch ist.

Im Gespräch auf der Plantage vermittelt Holzmüller einen Esprit für die Pflanzen, als kenne er jede Beere persönlich. "Es geht mir um die Passion. Ich habe viele Dinge in meinem Leben gemacht, die mir Spaß bereitet haben. Aber jetzt merke ich, dass an der Aronia mein Herz hängt." Als er angefangen habe, wollte er jedem Menschen eine Pflanze verkaufen, damit jeder von ihr profitieren möge. Die Idee setzt er inzwischen im großen Stil mit Landwirten um.

Inzwischen hat auch er den brandenburgischen Gurkenbauern Heinz-Peter Frehn überzeugen können. Der hat vergangenes Jahr rund 130 000 Pflanzen von der Familie Görnitz gekauft und auf rund 50 Hektar in die Erde gesteckt. "So können wir die Wertschöpfung in der Region steigern", beurteilt Holzmüller die neue Partnerschaft. Schon jetzt ist er längst auf Beeren von polnischen und österreichischen Partnern angewiesen. Für den Siegeszug der Beere wird er weitere Partner brauchen.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 11.08.2014

Dominik Brüggemann

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