Volltextsuche über das Angebot:

14 ° / 10 ° Regenschauer

Navigation:
Google+
Arnsdorferin Sabine Mütze ist die beste Maßschneiderin Deutschlands

Arnsdorferin Sabine Mütze ist die beste Maßschneiderin Deutschlands

Auf die Frage "Na, wie geht's?" fällt Sabine Mütze nur eine Antwort ein: "Hektisch, wie immer", antwortete sie prompt und lässt ein Lächeln über ihr Gesicht huschen.

Voriger Artikel
Mehr Stauden statt Sträucher im Pirnaer Friedenspark
Nächster Artikel
Kleinert und Magirius mit Vortrag über die wechselvolle Geschichte eines Wandgemäldes

Mit dieser Anzug- kombination gewann Sabine Mütze die "Goldene Schere" der Maßschneider. Die auf diese Weise zur besten Schneiderin Deutschlands erklärte Mütze betreibt eine kleine Werkstatt im Arnsdorfer Ortsteil Fischbach.

Quelle: Anja Schneider

Die Auskunft ist nicht übertrieben: Die Herrenschneiderin ist Einzelkämpferin und hat als solche allerhand um die Ohren. Was sicher auch daran liegt, dass sie zu den besten ihres Fachs gehört.

Als erste Ostdeutsche hat sie vom Bundeskongress des Deutschen Maßschneiderwerks die "Goldene Schere" mitgebracht. Die Auszeichnung bekommt im Jahr nur ein Maßschneider, der im Wettbewerb mit einem selbstgefertigten Stück durch die höchste Punktzahl glänzt und darüber hinaus von einer Jury generell "hervorragende Leistungen" attestiert bekommt. Für Mütze, die im Arnsdorfer Ortsteil Fischbach eine kleine Werkstatt betreibt, eine Riesenehre, wie sie sagt.

Dabei kann die Mittfünfzigerin auch so allerhand Meriten vorweisen. So hat sie schon zu DDR-Zeiten bei den branchenüblichen Leistungsvergleichen Auszeichnungen und erste Preise gewonnen. Sei drei Jahren ist sie im Bundesvorstand des Branchenverbands. Auch ihre Arbeiten wurden oder werden teils sehr prominent präsentiert. Für den Film "Das Mädchen und der Tod" hat sie den Hauptdarsteller Leonid Bichevin eingekleidet. Für den ZDF-Zweiteiler "Dresden" den Hauptdarsteller John Light. Zudem ist in einer Ausstellung in Bad Muskau eine von ihr ausstaffierte Puppe zu sehen, die Fürst Pückler darstellt. Außerdem arbeitet sie gelegentlich für Musiker der Sächsischen Staatskapelle oder bekommt Aufträge von der Oper. Wie genau Kunden auf sie stoßen, kann Mütze dabei nur schwer sagen. Sie setzt in der Außenwerbung auf ein Rezept: Mundpropaganda. Die funktioniert so gut, dass sie alle Hände voll zu tun hat. Um Mitarbeiter anzustellen, dafür langt es jedoch nicht. Die Zeiten sind nicht die rosigsten für anspruchsvolle Maßschneider. "Ich hatte immer den Wunsch, ein großes Geschäft aufzumachen", sagt Mütze. Aber das hätte auch ein schwer kalkulierbares finanzielles Risiko bedeutet, schränkt sie ein. Auch der Kompromiss, den viele Maßschneider eingegangen sind, in Läden vorgefertigte Ware anzubieten, war nichts für sie. Also buk sie kleinere Brötchen und blieb in der Werkstatt ihres Vaters, die sie 1986 übernommen hatte, nachdem dort nach dessen schwerer Erkrankung acht Jahre Ruhe geherrscht hatte. Ihm im Schneiderhandwerk zu folgen, sei ein Kinderwunsch gewesen. "Die Mutter erzählte früher, dass ich mir mit vier Jahren bereits mit der Häkelnadel meinen Schlafanzug gestopft habe", sagt Mütze.

"Du musst rausgehen", hatte ihr Vater schon früher zu ihr gesagt. "Den Rat habe ich beherzigt", sagt Mütze. Erst ging sie nach Thüringen, Anfang der 90er in eine Schneiderei bei Köln, immer auf der Suche nach Neuem. "Es hat sich so vieles geändert", sagt sie. "Diese Stoffe, das Material, das es heute gibt", gerät sie ins Schwärmen. Mütze ist, das merkt ein Besucher schnell, eine leidenschaftliche Schneiderin. "Ich bin Idealistin", sagt sie über sich selbst.

Das zeigt sich an dem Ehrgeiz, den sie in ihre Wettbewerbs-Projekte legt. "Es ist nicht so einfach, sich die Zeit dafür herauszuschinden", sagt sie. Da ihre Werkstatt klein und so manchem Kunden zu abgelegen ist, besucht sie Auftraggeber oft in deren Wohnungen, um Maß zu nehmen. Zwischendurch gibt sie Kurse im Bildungszentrum der Handwerkskammer und nimmt dort Prüfungen ab. Daheim in der Werkstatt wird dann immer mal wieder etwas Zeit für das eigene Projekt eingeschoben. Meist wird das erst in letzter Minute fertig. Bis früh um fünf Uhr habe sie vor der Abfahrt nach Dortmund am Anzug gearbeitet, sagt Mütze. Eine Stunde später musste sie dann schon los. "Das ist nervenaufreibend", sagt die Schneiderin und meint damit durchaus den Kitzel, denn so eine Bestenprämierung mit sich bringt. "Ich habe gesagt, es war das letzte Mal, dass ich mitgemacht habe, aber jetzt denke ich schon wieder anders", sagt Mütze. Ihr Mann wird es ungern hören, er hat nach Einschätzung der Schneiderin am meisten unter ihrem Engagement zu leiden. Das sieht bei Neffe Darius ganz anders aus. Er steht seiner Tante als Model zur Verfügung, ließ sich die prämierte Kombination auf den Leib schneidern.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 25.11.2014

Uwe Hofmann

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Region News

Ob zur Entspannung, in der Mittagspause oder zum Spaß mit Freunden. Auf unserer Spieleseite können Sie wählen zwischen Denksport-, Geschicklichkeits-, Such- und Sportspiele. Jetzt gratis spielen im Spieleportal von DNN.de! mehr