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An den Landesbühnen setzt Peter Kube Francis Vebers Komödie "Dinner für Spinner" in Szene

An den Landesbühnen setzt Peter Kube Francis Vebers Komödie "Dinner für Spinner" in Szene

Wenn ein Mensch sehenden Auges ins Unglück zu stürzen droht, dann möchte man ihn schon aus Gründen der Mitmenschlichkeit eigentlich schütteln und rütteln, ihm ins Gewissen reden und den rechten Weg weisen.

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Brochant (Grian Duesberg) wird seine Lektion noch lernen, auch wenn das weniger eine Sache seiner Ex-Frau Christine (Julia Vincze) ist.

Quelle: Hagen König

Im Fall von Pierre Brochant ist das anders. Da denkt man sich eigentlich nur, dass er all das Unglück, das über ihn hereinstürzt, verdient hat. Der zynische wie wohlsituierte Verleger war so unklug, den kleinen Finanzbeamten François Pignon zu einem Abendessen bei Freunden einzuladen - um diesen dann nach allen Regeln der Kunst vorzuführen. Denn bei diesen speziellen Dinners geht es nicht um den Gaumengenuss, sondern darum, einen Menschen vorzuführen. Und Brochant glaubt, in dem leidenschaftlichen Streichholz-Modell-Hobbybastler Pignon den optimalen Weltklassetrottel für dieses dekadente Spielchen gefunden zu haben.

Nun mag Pignon in der Tat ein vereinsamter, schrulliger Nerd sein, dessen Energie im Privatleben sich darin erschöpft, getreu dem Motto "Jeder Schachtel wohnt ein neuer Anfang inne" die Golden Gate Bridge aus dreihundertsechsundvierzigtausendvierhundertzweiundzwanzig abgebrannten Zündhölzern nachzubauen, aber schon bald steht Brochant als der viel größere Trottel da. Der unbedarfte Gast sorgt mit gut gemeinten, aber verunglückenden Hilfestellungen für eine gerechte Bestrafung seines schnöseligen Gastgebers. Das klingt nach einem griffigen Komödienkonzept, Boulevard für Fortgeschrittene. 1998 verfilmte Francis Veber sein Theaterstück unter dem Originaltitel "Le Dîner de cons". Der Streifen lief gut, es dauerte dann aber erstaunlicherweise zwölf Jahre, bis Hollywood ein Remake abdrehte, bei dem zum Verdruss der Kritik allerdings jegliche sozialkritische Falte aus dem Stoff gebügelt wurde.

Diese Komponente blitzt auch in Peter Kubes Inszenierung dieser Komödie an den Landesbühnen nur hier und da auf, aber so richtig vermissen tut man sie letztlich nicht mal. Pignon hat auch die Waldschlösschen-Brücke aus Streichhölzern gebaut, wie man erfährt, mehr an Regionalbezug traut sich die Regie nicht zu, aber gut, muss ja nicht immer alles übers Knie gebrochen werden. Wessen Lachmuskeln bei diesem Reigen an Verwechslungen, Verwicklungen und Verstrickungen am laufenden Band nicht gekitzelt werden, dem ist auch nicht mehr helfen. Mit einer gewissen Schadenfreude wird man Zeuge, wie in Brochants Leben binnen kürzester Zeit alles aus dem Ruder läuft, weil Pignon wie eine Abrissbirne die Fassade der bürgerlichen Wohlanständigkeit - die hier wirklich nur Attitüde ist, da helfen alle Kunstwerke in der durchdesignten Wohnung nichts (Ausstattung: Tom Böhm) - in Trümmer legt. Aber wie ein Kaninchen vor der Schlange, so kann auch Brochant nicht fliehen. Er braucht die Nervensäge Pignon, und das nicht nur, weil er "Rücken hat", um es mal in den Worten Horst Schlämmers zu sagen.

Mit Grian Duesberg als Brochant und Olaf Hörbe als Pignon, der einmal im Brustton der eigenen Selbstüberschätzung jammert, "Es ist schrecklich anstrengend, durchgehend intelligent sein zu müssen", hat Kube ein gutes Besetzungshändchen bewiesen. Die Mischung stimmt. Beide sind nie zu überdreht, ihre Figuren sind keine Abziehbilder oder Karikaturen, sondern auf den ersten und sogar noch auf den zweiten Blick ziemlich normal. Für die Extra-Portion Gagaismus ist Julia Rani zuständig. Sie spielt Marlene, Pierres (Ex-)Freundin, meschugge, Esoterikerin wie Nymphomanin, die ihre Chance wittert, als sie erfährt, dass Brochant von seiner Frau Christine (Julia Vincze) verlassen wurde. In Nebenrollen können auch Tom Hantschel (als Rheumatologe Archambaud, der freundlich bestimmt wie blasiert Wert auf das "Professor Doktor Doktor" in der Anrede legt), Moritz Gabriel (als Finanzkontrolleur Lucien Cheval) sowie Holger Uwe Thews (als Schriftsteller Juste Leblanc) noch den einen oder anderen kleinen Akzent setzen, aber im Großen und Ganzen ist der Abend ein Schaulaufen von Duesberg und Hörbe. Für einen Moment scheint es Pignon dann gelungen zu sein, alles wieder ins Lot gebracht zu haben. Freundschaft liegt in der Luft, Brochant scheint geläutert und zum netten, aufrichtigen Kerl mutiert zu sein. Aber dann ist die gute Seele Pignon mal wieder so frei, helfen zu wollen...

nächste Vorstellungen: 6.3., 19.30 Uhr, 8.3., 15 Uhr, 28.3., 19.30 Uhr, 6.4., 19 Uhr

www.landesbuehnen-sachsen.de

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 16.02.2015

Christian Ruf

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