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An den Landesbühnen droht Streik: Auseinandersetzung um den Haustarif für Mitarbeiter aus Werkstätten

An den Landesbühnen droht Streik: Auseinandersetzung um den Haustarif für Mitarbeiter aus Werkstätten

Das Wort Streik macht die Runde in der Belegschaft der Landesbühnen Sachsen. Grund sind die Tarifverhandlungen zwischen der Geschäftsführung um Intendant Manuel Schöbel und der Gewerkschaft Verdi, die nach einer dritten Verhandlungsrunde seit Januar inzwischen ohne weiteren Termin ausgesetzt sind.

"Ich glaube, dass wir um Arbeitskampfmaßnahmen nicht herumkommen. Es muss ja etwas passieren", sagt Michael Kopp, der als Landesfachbereichsleiter für Medien, Kunst und Industrie auf Seiten von Verdi die Verhandlungen führt. Einen Zeitplan dafür gebe es aber noch nicht.

Streitapfel ist der Haustarifvertrag, den Schöbel und der kaufmännische Geschäftsführer Till Wanschura der Gewerkschaft in der vorigen Woche präsentiert haben. Dabei geht es um die Mitarbeiter des nichtkünstlerischen Bereichs, also Beleuchter, Tontechniker und Werkstattmitarbeiter. Sie gehörten bis zur Gründung der Theater-GmbH dem öffentlichen Tarif an, haben seither zwei Lohnsteigerungen verpasst. Verdi ist in den Verhandlungen angetreten, sie wieder in den sogenannten TV-L zurückzuführen - die Landesbühnen-Chefs wollen aber einen anderen Weg einschlagen. Der Entwurf des Tarifvertrags, der den DNN vorliegt und zum Abbruch der Tarifverhandlungen geführt hat, zeigt deutlich andere Züge. So ist dort von einer Sechs-Tage-Arbeitswoche als Regelfall zu lesen. Verdi kritisiert weiterhin Verschlechterungen bei Dienstreisen und Reisekosten, eine Verkürzung der bisherigen Ruhezeiten, Urlaubskürzungen und vieles andere mehr. "Wir haben uns Zeit genommen, um das ganze Ausmaß der Zumutungen in Erfahrung zu bringen", sagt Kopp. Jetzt werde sich die Tarifkommission intern beraten und dann die betroffenen 72 Mitarbeiter der Landesbühnen befragen. Unter denen sei die Stimmung schon seit Längerem kritisch, berichtet Kopp. Nun läuft das Fass offenbar über: "Brutal und menschenverachtend" sei der neue Tarifvertrag, heißt es in einem anonymen Schreiben aus der Mitarbeiterschaft. Kritisiert wird insbesondere ein Paragraph, der ständige Erreichbarkeit von den Mitarbeitern verlangt und kurzfristige Diensteinteilungen bis 14 Uhr am Vortag ermöglicht. Alles Dinge, die unter den Arbeitsbedingungen eines Reisetheaters wie der Landesbühnen als nachvollziehbare Wünsche der Geschäftsführung verstanden werden können, aber für die Mitarbeiter besondere Härten bedeuten. Er habe noch "kein einziges nachvollziehbares Argument" für den Haustarif gehört, sagt Verdi-Verhandlungsführer Kopp.

Intendant Schöbel begründet das schlicht mit dem "Übergang in eine andere Rechtsform", also der Gründung der Theater-GmbH, in der allerdings der Freistaat Gesellschafter ist. Auch seien die Bestimmungen des Haustarifs verhandelbar. Man habe aus der Sicht des Arbeitnehmers einen Entwurf mit seinen Vorstellungen formuliert. "Jetzt sind wir gespannt auf die Reaktion der Arbeitnehmer und ihrer gewerkschaftlichen Vertreter", sagt Schöbel. Gemeinsam werde man in ruhiger Diskussion der Sachfragen sicher zu einem guten Ergebnis kommen. Er lässt jedoch keinen Zweifel, dass sein Tarif-Entwurf Diskussionsgrundlage sein soll, von einer Rückkehr zum TV-L will er nichts wissen.

Ansonsten will Schöbel einzelne Kritikpunkte lieber mit der Gegenseite und nicht in der Öffentlichkeit diskutieren. Die Rede von der angeblichen Sechs-Tage-Woche fuchst ihn aber doch. "Wir haben nicht vor, unsere Mitarbeiter anders einzusetzen als bisher", sagt er. Ihn wundere es, wie dieser Eindruck entstanden sei. "Vielleicht haben wir uns nicht ganz genau ausgedrückt", könnte er sich vorstellen. Dabei gibt es an der im Vertragsentwurf an entsprechender Stelle auftauchenden Formulierung eigentlich wenig misszuverstehen: "Der Arbeitnehmer, der an allen Tagen einer Spielzeit eine Mitwirkungspflicht hat, hat ausgenommen an den Tagen der in die Spielzeit fallenden Theaterferien einen Anspruch auf einen freien Tag wöchentlich."

Es geht aus Sicht der Landesbüh- nen-Mitarbeiter also um weitaus mehr als um Geld, auch wenn allein schon dieser Verhandlungspunkt nicht von Pappe ist. Mit einer Einmalzahlung von 500 Euro will die Geschäftsführung die bisher entgangenen Lohnsteigerungen von 2,65 und 2,95 Prozent ausgleichen. In den nächsten Jahren sind laut dem Papier Lohnerhöhungen zu 1,6 für 2015 und zu 1,7 Prozent für 2016 geplant. Für Verdi-Verhandlungsführer Kopp schlicht nicht verhandelbare Angebote.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 03.06.2014

Hofmann, Uwe

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