Volltextsuche über das Angebot:

10 ° / 2 ° Regenschauer
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland RND

Navigation:
Google+
Altkötzschenbroda erhält gegen den Willen der Stadtverwaltung eine Erhaltungssatzung

Unter der Käseglocke Altkötzschenbroda erhält gegen den Willen der Stadtverwaltung eine Erhaltungssatzung

„Das ist, als ob eine Käseglocke darüber gestülpt wird“, sagt Baubürgermeister Jörg Müller (parteilos) über die Erhaltungssatzung, die der Stadtrat auf seiner jüngsten Sitzung für den Dorfanger Altkötzschenbroda beschlossen hat

Voriger Artikel
IHS-Kundgebung und Gegenprotest in Radebeul
Nächster Artikel
Meißner diskutieren über den Islam

Altkötzschenbroda wird seit der Sanierung als „buntes Wunder“ beworben. Damit sich am Ortsbild nichts ändert, hat der Stadtrat strenge Vorschriften erlassen.

Quelle: Uwe Hofmann

Radebeul. „Das ist, als ob eine Käseglocke darüber gestülpt wird“, sagt Baubürgermeister Jörg Müller (parteilos) über die Erhaltungssatzung, die der Stadtrat auf seiner jüngsten Sitzung für den Dorfanger Altkötzschenbroda beschlossen hat. Dort müssen Eigentümer künftig bei jeder baulichen Änderung in der Stadtverwaltung um Erlaubnis fragen. Im Rathaus hatte man das als unnötigen Verwaltungsaufwand und eine Bevormundung der Eigentümer abgelehnt. „Da muss dann vor der Errichtung eines neuen Zaunes gefragt werden, bei jeder Veränderung an der Fassade“, sagt Oberbürgermeister Bert Wendsche (parteilos). „Die Verwaltung behält die Kontrolle“, hält SPD-Fraktions-Chef Thomas Gey dagegen. Seine SPD hat sich mit den Stadträten von Bürgerforum/Grüne und der CDU in einer selten gesehenen Allianz bei der Abstimmung für die Satzung und gegen die von der Verwaltung favorisierte Gestaltungsempfehlung durchgesetzt. Dabei hatte man sich an anderer Stelle, dem Ortsteil Wahnsdorf etwa oder den Villengebieten in der Ober- und Niederlößnitz bisher immer für die Gestaltungsempfehlung und gegen eine Satzung entschieden.

Die Erhaltungssatzung ist das Ergebnis einer langen Debatte, die die Stadträte zumeist hinter verschlossenen Türen geführt hatten. 2013 wurde die Sanierungssatzung für Altkötzschenbroda aufgehoben, seither versuchte man den richtigen Umgang mit dem Stadtteil zu finden, der sich vom Ensemble abbruchreifer Bauernhöfe zum „Aushängeschild von Radebeul“ gewandelt hatte, wie CDU-Stadtrat Jens Baumann sagt. „Wenn wir es dort nicht machen, brauchen wir über Satzungen gar nicht mehr diskutieren“, meint er auch aus der Diskussion im Verein für Denkmalpflege und neues Bauen heraus, in dem er den Vorsitz hat. Das Gebiet eigne sich mit seinem relativ einheitlichen Erscheinungsbild für eine Erhaltungssatzung, die vor allem der Abwehr von „Ausreißern“ dienen solle. „Wenn dort einer kommt und etwas anderes macht, dann ist die ganze Mühe aller umsonst gewesen“, sagt Baumann. Eine Bausünde also und Altkötzschenbroda sei gefährdet.

Diese Gefahr sieht Roland Schreckenbach, Fraktions-Chef der Freien Wähler, nicht. „Es gibt kaum Baulücken und die meisten der Häuser stehen unter Denkmalschutz“, hält er den Befürchtungen Baumanns entgegen. „Da kann man sowieso nicht einfach bauen, wie man will.“ Für den Erhalt des Geschaffenen sei es doch besser, auf die Eigentümer und die „vertrauensvolle Beratung der Verwaltung“ zu vertrauen, die mit den Gestaltungsempfehlungen ja ebenfalls einen umfassenden, allerdings nicht verbindlichen Katalog zur Besprechung von Bauvorhaben hätte hinzuziehen können. OB Wendsche stößt ins gleiche Horn: In Altkötzschenbroda sei durch die langen Jahre der Sanierung eine Gemeinschaft entstanden, da gebe es eine soziale Kontrolle in der Nachbarschaft, die viel besser funktioniere als jede Bauverordnung.

Folgt man der Argumentation Wendsches, haben die 68 Eigentümer im Gebiet während der Sanierung viel zum Gelingen beigetragen und auch viel aushalten müssen. Schließlich hätten sie mit dem Sanierungseintrag im Grundbuch leben müssen, der jede bauliche Veränderung, jeden Verkauf genehmigungspflichtig macht. Außerdem hätte die Debatte um die Zahlung der Ausgleichsbeträge viel Kraft auch von den Eigentümern gekostet. „Nach all der Zeit unter Sonderrecht sollte in Altkötzschenbroda wieder das gleiche Baurecht gelten, wie im Rest von Radebeul“, sieht der OB eine ungerechtfertigte Belastung der Grundstückseigentümer am Dorfanger.

„Die Mehrheit der Eigentümer ist gegen eine Satzung“, argumentiert auch FDP-Stadtrat Jan Mücke gegen die Satzung. Tatsächlich haben bei einer Befragung, die die Stadtverwaltung ganz zum Beginn der Debatte im Jahr 2013 unternommen hat, sieben der 66 Eigentümer für eine Satzung plädiert, 14 für Gestaltungsempfehlungen, sieben wollten keines von beiden. Den übrigen „38 ist es egal gewesen“, wie Stadtrat Baumann über die Mehrheit der Eigentümer sagt. Den von Stadtrat Heinz-Jürgen Thiessen (Bürgerforum/Grüne) eingebrachten und von der Linken-Fraktion gestützten Vorschlag, die Eigentümer jetzt nach Ausarbeitung von Satzung und Empfehlungen noch einmal zu befragen, fand im Stadtrat keine Mehrheit. Knapp setzten sich dagegen die Satzungsbefürworter durch. „Es ist kein Folterinstrument für Eigentümer“, beschwichtigt Stadtrat Gey. „Die Verwaltung wird nicht viel mehr Aufwand haben“, sagt Baumann. Beides wird nun die Zeit zeigen.

Uwe Hofmann

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Region News
Anzeige

Ob zur Entspannung, in der Mittagspause oder zum Spaß mit Freunden. Auf unserer Spieleseite können Sie wählen zwischen Denksport-, Geschicklichkeits-, Such- und Sportspiele. Jetzt gratis spielen im Spieleportal von DNN.de! mehr

28.04.2017 - 10:31 Uhr

Finden die Schwarz-Gelben beim VfL zurück in die Erfolgsspur. Anpfiff ist um 18.30 Uhr. Im Liveticker gibt es alles Infos.

mehr