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Alter Winzerhof nach Todesfall zwangsversteigert

Alter Winzerhof nach Todesfall zwangsversteigert

Einzigartig ist der Ausblick vom Paradiesberg hinunter auf die vielen Rebstöcke. Man sieht die Dächer von Radebeul. In der Ferne thront der Fernsehturm über Dresden.

Radebeul.

Von stephan klingbeil

Der kleine Ausschank von Antje Härtel ist ein echter Geheimtipp. Die Winzerin und Wirtin schenkt hier vor allem an Wanderer Wein aus, serviert Fettbemmen. Seit 2005 bewirtschaftet die ausgebildete Pflanzenchemikerin ihr "winziges" Anbaugebiet, wie sie sagt. Auf knapp 3200 Quadratmetern baut sie sieben verschiedene Rebsorten an. Ein Vertrag, den sie einst mit Landbesitzer Christian Barnewitz geschlossen hatte, garantierte ihr dies bis Ende 2035.

Doch Barnewitz starb im Mai 2011. Die Winzerin sagt, der 83-Jährige sei bis zu seinem plötzlichen Tod ein leidenschaftlicher Schwimmer gewesen. "Er war ein toller Mensch", sagt sie. Der Mühlenbauer und Müllermeister stellte zum Beispiel originale Mühlsteine für den Brunnen am Weißen Ross zur Verfügung. Er half, dass die Brunnenanlage im Grün am Professor-Wilhelm-Ring rekonstruiert wurde.

Auch für die Freimaurerei soll der frühere Chef der Muskator-Werke in Düsseldorf erhebliche Dienste geleistet haben. Denn der gebürtige Dresdner, dessen Familie von 1932 bis zur Enteignung und zum Umzug in die BRD im Jahr 1952 auf dem Radebeuler Winzerhof Barnewitz gelebt hatte, war Kuratoriumsvorsitzender der Stiftung der Logen "Zum goldenen Apfel" und "Zu den drei Schwertern und Asträa zur grünenden Raute". Diese Logen hatte Barnewitz mitbegründet.

Jedoch lasteten Schulden auf dem Land, das einst auf Töchter des Freimaurers übergegangen war. Auf über 250 000 Euro hätten sich die Forderungen belaufen, hieß es vor dem Amtsgericht Dresden. Dort wurden vor Kurzem sowohl das Land am Paradiesberg, als auch der Winzerhof zwangsversteigert. Dabei ging der auf rund 640 000 Euro geschätzte verwaiste Winzerhof, der dieses Jahr erneut als Kulturdenkmal aufgelistet wurde, an einen Radebeuler Unternehmer. Er war der einzige Bieter, sagte zu, das Mindestgebot von über 320 000 Euro zu zahlen. Nach dem Auszug der Familie Barnewitz war das Winzerhaus Quartier für Mitarbeiter des Radebeuler Volksweingutes und stand bis zu der Sanierung durch den 1993 zurück gekehrten Barnewitz lange leer.

Die Eingangstür aus Eiche, die Barnewitz' Vater einst einbauen ließ, soll aus dem Geburtshaus der Katharina von Bora, Luthers Ehefrau, stammen. Was zukünftig mit dem Anwesen geschieht, zu dem auch ein beliebter Rodelberg gehört, sei offen. "Ich hoffe, es bleibt erhalten", sagt Antje Härtel.

Gewiss sei aber das Schicksal von mindestens einer der drei anderen, nun ebenfalls zwangsversteigerten Flächen. Für sie war eifrig geboten worden. Sie wechselten für insgesamt etwa 70 000 Euro den Besitzer. Unter den Bietern war auch Antje Härtel. Ihr fiel ein Stein vom Herzen, als sie den Zuschlag für ihr Pachtland bekam. Es gehört nun ihrer Familie. Mit dem Kauf entging sie juristischem Streit. Vielleicht hätte ihr eine Sonderkündigung gedroht, wenn andere das Rennen gemacht hätten. So bleibt alles wie es ist. Wanderer können weiterhin in der Winzerei Paradiesberg einkehren und bei Wein den Ausblick genießen.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 25.09.2012

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