Volltextsuche über das Angebot:

2 ° / -3 ° Nebel

Navigation:
Google+
Alten- und Kinderparadies Weinböhla

Chancen? Alten- und Kinderparadies Weinböhla

Die 114 Zimmer des ehemaligen Waldhotels in Weinböhla werden momentan zu 40 Ein- bis Dreiraumwohnungen sowie zwei Wohngemeinschaften für je zwölf Personen umgebaut. Die künftigen Bewohner werden alle jenseits der 60 Jahre alt sein – aus dem Hotel baut das Unternehmen „Advita“ ein Service-Wohn-Projekt.

Voriger Artikel
Apfelfest in Bad Schandau
Nächster Artikel
Behinderten-Werkstatt des Epilepsiezentrums Radeberg wird Industriebetrieb

Siegfried Zenker (CDU), Bürgermeister von Weinböhla

Quelle: Christin Schöne

Weinböhla. Die 114 Zimmer des ehemaligen Waldhotels in Weinböhla werden momentan zu 40 Ein- bis Dreiraumwohnungen sowie zwei Wohngemeinschaften für je zwölf Personen umgebaut. Die künftigen Bewohner werden alle jenseits der 60 Jahre alt sein – aus dem Hotel baut das Unternehmen „Advita“ ein Service-Wohn-Projekt. Das Besondere: Jeder Bewohner hat die Möglichkeit selbstständig zu leben oder sich Unterstützung vom hauseigenen Pflegedienst zu hohlen. Die Wohnanlage mit insgesamt ungefähr 90 Plätzen ist bereits die zweite, die Advita in Weinböhla betreibt. An der Dresdner Straße wurde 2011 das Elblandhotel ebenfalls zu einem advita-Haus mit angeschlossener Tagespflege umgebaut.

Advita versuche den beiden großen Ängste von älteren Menschen zu begegnen, so Marketingleiter Ulf Schuppach. Zum einen wollen Seinioren ihre Eigenständigkeit und Selbstbestimmtheit nicht durch eine Heimordnung ersetzten. Aus diesem Grund sind alle Angebote freiwillig: Der Bewohner entscheidet beispielsweise ob er alleine kocht oder sich eine Vollpension dazu bucht. Die andere große Angst ist die vor der Einsamkeit – Vor einem Leben zwischen der Tagesvisite der Schwester und Fernsehgucken. „Das Elblandhotel ist sogar mein Lieblingsstandort“, erklärt Schuppach, „vielleicht nicht von außen, aber dafür ist im Foyer immer Leben.“ Bewohner treffen sich, Angestellte und Lieferanten beleben die Korridore.

Ende des Jahres öffnet der erste Flügel des Waldhotels als Seniorenwohnanlage neu, der Rest folgt Anfang 2017. Zenker setzte sich bereits im Wahlkampf dafür ein, zusätzliche Kapazitäten für ein seniorengerechtes Wohnen in Weinböhla zu schaffen. Jetzt entstehen am Standort gut 60 Arbeitsplätze.

Doch möchte Weinböhla seine Attraktivität für ältere Menschen noch weiter steigern: Momentan liegt ein Bebauungsplan für die Dresdner Straße und den Schwarzen Weg zur Bearbeitung vor. Die Volkssolidarität möchte hier bis zu 18 altengerechte Einzel- und Doppelhäuser sowie drei Mehrfamilienhäuser für betreutes Wohnen errichten.

„Nach Weinböhla zieht es in der Tat immer mehr Senioren“, gibt Siegfried Zenker (CDU), Bürgermeister von Weinböhla zu. „Unser Altenquotient, also das Verhältnis der über-65-Jährigen zur Anzahl jüngerer Menschen, wird – ausgehend vom Jahr 2000 - von 28 zu 100 auf 56 zu 100 im Jahr 2025 steigen.“ Mehr Senioren hat in Dresden und dem Umland keine Kommune. Doch dies birgt für die Gemeinde auch Chancen. Laut Zenker sind Senioren vor allem in ihrem Konsumverhalten beständig und standorttreu. Das könnte z.B. dem Einzelhandel auf der Hauptstraße zugutekommen, der sonst Kunden an die großen Supermärkte im Umland verliert. Zudem seien Rentner heute viel aktiver, gesünder und engagierter als früher, so Zenker. Das könnte die ehrenamtlichen Arbeit und Vereine durch neue Freiwillige oder Mitglieder beflügeln.

„Wir haben keine Uni oder Hochschule - das merkt man auch in den Bevölkerungsstatistiken“, erklärt Zenker. Die Gruppe der 15 bis 45 Jahre alten Personen ist im Vergleich zum Umland unterrepräsentiert. Gleichzeitig gibt es nirgends einen so hohen Anteil an unter 15-Jährigen und 45 bis 65-Jährigen. Deshalb sei das Rathaus weiterhin bemühen die Kita- und Schulinfrastruktur zu halten und weiterzuentwickeln. „Nach Weinböhla ziehen hauptsächlich Menschen und Familien, die beruflich erfolgreich sind“, sagt Zenker nicht ohne Stolz. Die Kaufkraft Weinböhlas hat laut Statistiken des informellen Netzwerks „Erlebnisregion Dresden“ die der Landeshauptstadt und des Umlands seit 2013 überflügelt. Die Einkommenssteueranteile sind demzufolge eine wichtige Einnahmequelle des Gemeindehaushaltes geworden.

Doch gehen dem staatlich anerkannten Erholungsort die Hotels und Betten aus? Aktuell stehen für Touristen und Urlauber offiziell 302 Betten in Weinböhla zur Übernachtung bereit. Davon befinden sich 160 Betten im Heidehof, einer Rehaklinik für Suchtkranke. 128 Übernachtungsmöglichkeiten befinden sich in Pensionen, Privatzimmern sowie in Ferienhäusern und Ferienwohnungen. Es bleibt das Hotel Laubenschlösschen mit 12 Betten übrig. Zum Vergleich: Das Waldhotel allein bot 260 Plätze.

Zenker ist sich des Problems bewusst: „Die Auslastung bei Nicht-Hotels ist gut. Hotels mit großer Kapazität haben es in Weinböhla aber nicht ganz leicht.“ Sie stünden in direkter Konkurrenz zu denen in der Regionen und besonders in Dresden. Eine Fahrt von Weinböhla mit der S-Bahn bis zum Dresdner Hauptbahnhof dauert nur 20 Minuten, so können auch Touristen, die das Dresdner Umland oder die Lößnitz erkunden wollen die Landeshauptstadt als Ausgangspunkt nutzen. „Ich würde mir aber konkret für Weinböhla ein kleines aber feines Hotel für eine Buskapazität Touristen mit circa 60 Betten wünschen“, so Zenker. Der Erholungswert Weinböhlas ist zweifelsfrei gegeben.

So plant das 12-Betten-Hotel „Laubenschlösschen“ jetzt seine Kapazitäten zu erweitern: von 12 auf 30 Betten – für Zenker ein Indiz dafür, dass der Grundbedarf an Hotellerie vorhanden ist, für den aber auch entsprechende Kapazitäten geschaffen werden müssen. „Das Waldhotel war durchgehend zu mehr als einem Viertel ausgelastet, das ist nicht schlecht, aber für ein großes Hotelunternehmen eben auch nicht viel“, beschreibt Zenker die Auslastung des letzten großen Hotels. Eben diese gut 70 bis 80 Betten würden jetzt fehlen.

Bislang offen war in Weinböhla noch die Frage der Erweiterung der bestehenden Asylunterkunft. Mit dem neuen Advita-Haus fehlt das Waldhotel jetzt als potenzielle Asylunterkunft. „Seit mehr als 20 Jahren leisten wir schon mit der Flüchtlingsunterkunft am Querweg unseren Anteil und sind auch weiterhin rechtlich gehalten, bei der Unterbringung von Asylsuchen mitzuwirken“, betont Zenker. Da aber die Bebauung in Weinböhla, abgesehen von wenigen Mehrfamilienhäusern im Zentrum und den Randlagen, hauptsächlich aus Eigenheimen besteht, setzen das Rathaus und der Landkreis Meißen weiterhin auf das zentrale Asylbewerberheim am Querweg. In Absprache mit dem Landratsamt wurde zwar ein Ausbauplan für das bestehende Objekt am Querweg ausgearbeitet. Dieser Bebauungsplan soll demnächst auch zur Rechtskraft geführt werden.

Nach derzeitiger Information des Landratsamtes ist die Erweiterung des Objektes jedoch nicht notwendig, Der Plan bleibt dann also fertig in der Schublade liegen. „Es wird sich zeigen, ob er aufgrund wieder stark steigender Asylzahlen perspektivisch gebraucht wird“, beschreibt Zenker die Zukunft des Standorts „Am Querweg“. Die aktuellen Zuweisungen und die allgemeine Entspannung der Asylkrise machen zum jetzigen Zeitpunkt eine Kapazitätserweiterung von 130 auf 290 Plätze entbehrlich.

Von Paul Felix MIchaelis

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Region News
Anzeige

Ob zur Entspannung, in der Mittagspause oder zum Spaß mit Freunden. Auf unserer Spieleseite können Sie wählen zwischen Denksport-, Geschicklichkeits-, Such- und Sportspiele. Jetzt gratis spielen im Spieleportal von DNN.de! mehr

Die Friedensburg gehört als fester Bestandteil zu Radebeul. Soll sie zukünftig wieder als Gaststätte genutzt werden? Und falls ja, wie genau? Sagen Sie uns Ihre Meinung und stimmen Sie ab! mehr