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Alt-Radebeuler wollen kein "Bauernopfer" in Sachen Flutschutz sein

Alt-Radebeuler wollen kein "Bauernopfer" in Sachen Flutschutz sein

"Wir haben den Eindruck, dass wir das Bauernopfer für Dresden sind", sagt Torsten Knechtel. Der Radebeuler blickt mit Sorge auf den Deichbau auf der linken Elbseite in Dresden-Gohlis.

Radebeul.

Rechtselbisch, dort wo Knechtel Am Kreis - dem Siedlungskern der Ursprungsgemeinde Radebeul - wohnt, plant die Landestalsperrenverwaltung (LTV) dagegen keinen Deich. Dabei ist der Bereich hochgradig gefährdet.

Am Kreis liegt am Seegraben, einem alten Elbarm, der nur durch die Kötzschenbrodaer Straße durchbrochen wird. Sie schützt bis zu einem Dresdner Elbpegel von 7,45 Metern. Das war 2002 zu wenig, als Knechtels Grundstück mit dem Wohnhaus und den Gewerberäumen wie die meisten anderen im Umkreis auch überflutet war. Mit etwa 150 000 Euro gibt er den damals entstandenen Schaden an. Die LTV schätzt das Gesamtschadensvolumen für den gefährdeten Bereich, zu dem auch Altserkowitz, Teile der Dresdner Straße und der Kötzschenbrodaer Straße gehören, auf fünf Millionen Euro.

Ausreichend Schutz hätten die 7,45 Meter auch nicht im Juni 2013 gegeben, wenn nicht die Anwohner mit viel Engagement und schwerem Gerät einen fast 3,5 Meter hohen Erdwall auf der Kötzschenbrodaer Straße errichtet hätten. Noch einmal Elbewasser im Haus möchte Knechtel nicht erleben. "Wenn ich hier noch einmal durchgespült werde, dann verlasse ich mit meinem Gewerbe den Ort", sagt er. Mit dem neuen Deich in Gohlis steigen aber die Chancen, dass ein Hochwasser sein Grundstück erreichen wird, wie er meint. "Wenn das Wasser auf der einen Seite nicht mehr abfließen kann, trifft es doch die andere, ungeschützte Seite umso härter", schlussfolgert er. Eine Logik, der die LTV eigene Berechnungen entgegen hält. Eine Hochwasserschutzlinie darf nämlich gar nicht errichtet werden, wenn das Verschlechterungen am gegenüberliegenden Ufer, am Ober- oder Unterlauf mit sich bringt, heißt es auf DNN-Anfrage. Die gegenwärtigen Rechenmodelle seien auf zehn Zentimeter genau. Die können allerdings für die Betroffenen in Radebeul-Ost entscheidend sein. 2013 hat nicht viel gefehlt und der Deich hätte nicht gehalten.

Dennoch bekräftigt die LTV auch gegenüber den DNN, dass es einen Deich für Anrainer des Seegrabens nicht geben wird. Der Altelbarm dürfe wasserrechtlich gar nicht verschlossen werden, wird als Überflutungsgebiet gebraucht. Auch ein zwischen Seegraben und Wohngebäuden verlaufender Deich, der laut Knechtel unter den Anrainern Zustimmung finden würde, ist derzeit nicht wahrscheinlich. Die LTV hält ein solches Bauwerk schlicht für zu teuer, auch wenn sie es in dieser Deutlichkeit nicht sagt. Stattdessen verweist die Behörde auf die Notwendigkeit privater Hochwasservorsorge. Die fange schon bei der Wahl eines Grundstücks an, rät sie.

Das kann Knechtel allerdings nur bitter aufstoßen, Am Kreis ist uraltes Siedlungsgebiet. "Um die Vorsorge habe ich mich gekümmert, wir haben Pumpen, Notstrom", sagt Knechtel. Ihm gehe es um einen wirksamen Hochwasserschutz. Da verweist die LTV auf Radebeul. Die Stadt arbeite "nach unserem Kenntnisstand mit den einzelnen betroffenen Hauseigentümern im Bereich Altelbarm an Einzelfalllösungen", heißt es auf DNN-Anfrage.

Allerdings will man sich im Rathaus nicht in die Karten sehen lassen, wie diese Überlegungen aussehen. Denkbar wäre es, die Kötzschenbrodaer Straße höher zu legen, was aber auch nur für einen Teil der Betroffenen Schutz bringen kann, und wohl auch nicht einem 100-jährigen Hochwasser trotzen würde. Außerdem ist fraglich, ob eine Stadt mit ihren eingeschränkten Investitionsmitteln allein bewerkstelligen kann, wozu eine Landesbehörde sich nicht in der Lage sieht. Zumal man aus dem Fluthilfe-Topf keine Gelder für die "Sanierung der Kötzschenbrodaer Straße in dem Bereich" erhalten habe, wie die Stadt mitteilt.

Dennoch schätzt man auch im Rathaus, dass es ohne eine eigene Initiative auf absehbare Zeit keinen Flutschutz in Radebeul-Ost geben wird. "Realistischerweise" werde es in Radebeul "keine weiteren baulichen Hochwasserschutzmaßnahmen des Freistaates, vertreten durch die LTV, geben, solange nicht die Flutschutzlinien für Naundorf, Fürstenhain und Altkötzschenbroda stehen", heißt es auf DNN-Anfrage.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 11.03.2015

Uwe Hofmann

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