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Abschied der Deutschen Bahn von der Sachsenmagistrale

Transdev übernimmt Abschied der Deutschen Bahn von der Sachsenmagistrale

Die Deutsche Bahn verabschiedet sich zum kleinen Fahrplanwechsel am 12. Juni weitestgehend von der Sachsenmagistrale (Dresden - Hof). Unterhalb der Begerburg im Dresdner Stadtteil Dölzschen werden dann nur noch sehr wenige rote Regionalzüge durch den Plauenschen Grund rauschen.

Die Mitteldeutsche Regiobahn ist ab kommenden Sonntag mit solchen Neubau-Zügen unterwegs nach Zwickau und Hof.

Quelle: Lars Müller

Dresden/Chemnitz. Die Deutsche Bahn verabschiedet sich zum kleinen Fahrplanwechsel am 12. Juni weitestgehend von der Sachsenmagistrale (Dresden - Hof). Unterhalb der Begerburg im Dresdner Stadtteil Dölzschen werden dann nur noch sehr wenige rote Regionalzüge durch den Plauenschen Grund rauschen. Die Regionalbahnen nach Zwickau und die Regionalexpresse nach Hof übernimmt die Mitteldeutsche Regiobahn (MRB), ein Unternehmen der französischen Transdev-Gruppe (vormals auch als Connex und später Veolia unterwegs). Eingesetzt werden silbernen Neubautriebwagen, die der Hersteller Alstom unter dem sperrigen Namen Coradia Continental vermarktet.

Am Sonnabend hat die MRB einen solchen „Silberpfeil“ auf einer öffentlichen Sonderfahrt nach Hof vorgestellt. In Dresden Hauptbahnhof hatte davon allerdings nur ein Dutzend Bahnfans Notiz genommen. 8:57 Uhr setzte sich der Triebwagen dann auch ziemlich leer in Bewegung, gesteuert von Matthias Löser, dem Eisenbahnbetriebsleiter der MRB. „Hier fährt der Chef noch selbst“, scherzten dann auch einige Insider - muss er auch regelmäßig, wenn der gelernte Lokschlosser und Triebfahrzeugführer seine Lizenz behalten will.

Mehr als 320 Mitarbeiter beschäftigt die MRB in den Ballungsräumen Leipzig und Chemnitz. Ab kommender Woche sind sie auch für das behagliche und pünktliche Fort- und Ankommen der Reisenden auf den Strecken Dresden – Zwickau – Hof und Chemnitz – Riesa – Elsterwerda zuständig. Die Deutsche Bahn hatte sich nicht mehr an der Ausschreibung dieses Regionalverkehrs beteiligt, weil der federführende Verkehrsverbund Mittelsachsen in Chemnitz eigene Fahrzeuge für die Linie angeschafft hat. Die Mitteldeutsche Regiobahn betreibt die neuen Züge lediglich. Der Hersteller wartet sie. Dieses Modell hatte DB Regio in der Ausschreibung abgelehnt und zieht sich folglich von der Strecke zurück.

MRB-Betriebschef Löser kann das nicht nachvollziehen, ist aber angesichts der gewonnenen Ausschreibung verständlicherweise nicht allzu traurig darüber. Nur wenige DB-Mitarbeiter würden zur MRB wechseln, allerdings haben sich viele frühere Mitarbeiter der Deutschen Bahn beworben, die zwischenzeitlich bei anderen Privatbahnen untergekommen waren. Löser geht davon aus, dass der Betriebsstart am 12. Juni reibungslos klappt. Insgesamt 16 fünfteilige und 13 dreiteilige Züge stehen von Anfang an zur Verfügung und damit drei mehr als im regulären Umlauf benötigt werden.

Was der Deutschen Bahn bleibt, sind die S-Bahnen der S3 nach Tharandt und Verstärkerzüge diese Linie nach Freiberg. Was mit DB Regio über kurz oder lang auch verschwinden wird, sind die scheinbar unverwüstlichen E-Loks der Baureihe 143, die noch aus Beständen der DDR-Reichsbahn stammen. Sie schieben nur noch wenige Tage alle Wendezüge nach Zwickau und Hof und ziehen sie zurück nach Dresden.

Den einstigen Glanz der Sachsenmagistrale werden allerdings auch die silbernen Elektrotriebwagen der MRB nicht zurückbringen können. Was fehlt, ist Fernverkehr. Vor der Wende rollten Schnellzüge über Karl-Marx-Stadt ins Vogtland oder nach Katzhütte in Thüringen über diese Strecke. Täglich gab es Interzonenzüge von Dresden nach Stuttgart und von Görlitz nach München mit Kurswagen nach Nürnberg und zeitweise Heilbronn. Für den Binnenverkehr und damit für DDR-Bürger waren diese internationalen Schnellzüge freilich nur bis Plauen/Vogtland oberer Bahnhof freigegeben, was die Zugansagerinnen undeutlich blechernd und doch irgendwie unmissverständlich aus den Lautsprechern plärrten. Das änderte sich nach der Wende: Anfangs Schnellzüge und später Interregios boten umsteigefreie Direktverbindungen nach Karlsruhe und bis ins Allgäu nach Oberstdorf. Von 2000 bis 2003 gaben eigens für die Strecke gebaute Diesel-ICE ein Intermezzo mit etlichen pannenbedingten Unterbrechungen. Schließlich setzte die DB AG ersatzweise extra umlackierte Nahverkehrstriebwagen als Intercitys ein, die später durch echte Intercitys mit Loks und klimatisierten Waggons ersetzt wurden. Allerdings hatten sich die pannengeplagten Reisenden da schon lange umorientiert, die Nachfrage reichte jetzt für einen

Vier-Stunden-Takt mit ausgiebiger Zeit für den Lokwechsel in Reichenbach. Seit Dezember 2006 ist die Hauptstrecke nun schon gänzlich ohne Fernverkehr. Im Dezember 2013 wurde zwar die Elektrifizierung zwischen Reichenbach und Hof abgeschlossen. Weil nach Nürnberg, Regensburg oder Bamberg aber weiterhin die Oberleitung fehlt, müssen Reisende seither in Hof umsteigen. Die Bahnstrecke parallel zum Erzgebirgskamm und mitten durchs Vogtland ist vor allem für die beiden weltgrößten Ziegelsteinbrücken, die Göltzschtal- und die Elstertalbrücke, sowie die Rampe zwischen Tharandtund Klingenberg-Colmnitz bekannt. 2002 war die Strecke bundesweit in den Schlagzeilen, nachdem weite Teile der gerade erst sanierten Trasse zwischen Tharandt und Dresden von den Fluten der Weißeritz verwüstet wurden. Offiziell bei der Eisenbahn ist die Sachsenmagistrale übrigens die Strecke Dresden-Werdau, am Werdauer Bogendreieck gibt es einen Anschluss an die Verbindung Leipzig - Hof. Der Kunstbegriff Sachsenmagistrale oder Sachsen-Franken-Magistrale wurde erst nach der Wende kreiert, als die Züge längst nicht mehr am Grenzbahnhof in Gutenfürst eine Stunde lange gefilzt wurden.

Von Lars Müller

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