Volltextsuche über das Angebot:

10 ° / 6 ° wolkig

Navigation:
Google+
6000 Flüchtlinge bis Ende 2016 im Kreis Meißen

Asyl 6000 Flüchtlinge bis Ende 2016 im Kreis Meißen

Der Landkreis Meißen steht unter enormem Druck: Nach neuesten Schätzungen müssen bis Ende des Jahres 2016 etwa 6000 Flüchtlinge untergebracht werden. Unterdessen häufen sich Proteste über die Situation in den Asylbewerberheimen.

Dieser Mann aus Syrien, seine Frau und die beiden Kinder – sie möchten nicht mit ihrem Namen in der Zeitung stehen – sowie eine weitere Familie mit einem Baby sind in das sonst ausschließlich von Männern bewohnte Flüchtlingsheim in Radebeul-Naundorf eingewiesen worden.

Quelle: Julia Leiteritz

Meißen/Radebeul. Der Landkreis Meißen steht unter enormem Druck: Nach neuesten Schätzungen müssen bis Ende des Jahres 2016 etwa 6000 Flüchtlinge untergebracht werden. „Im Moment leben 1400 Asylbewerber im Landkreis, bis Jahresende werden noch einmal 1000 dazukommen, so dass wir am Ende dieses Jahres mit fast 2500 Flüchtlingen rechnen, die Unterkünfte benötigen“, erklärte Kerstin Thöns, Sprecherin des Landratsamtes, auf DNN-Anfrage.

Unterdessen häufen sich Proteste über die Situation in den Asylbewerberheimen. Anfang der Woche traten Bewohner der Erstaufnahmeeinrichtung in Meißen-Cölln in den Hungerstreik (DNN berichteten). Jetzt teilte der Verein Bündnis Buntes Radebeul mit, dass zwei syrische Familien in das ausschließlich von Männern bewohnte Heim in Radebeul-Naundorf eingewiesen worden seien. „Wer das Heim je von innen gesehen hat, wird es völlig unzumutbar finden, dass Familien, zumal mit einem Baby, dort hausen sollen“, empörte sich Jeannette Eckel vom Vorstand. Es gebe nur einen einzigen, schlecht gedämmten Raum für die gesamte Familie, Etagenduschen, die nicht abschließbar sind, Lärm bis in die Nacht. Man sei selbst alles andere als glücklich mit dieser Lösung, räumte das Landratsamt in Meißen ein. „Vor einem Monat hieß es, dass in Radebeul mindestens drei Wohnungen für Flüchtlinge zur Verfügung stehen“, sagte  Jeannette Eckel. Die aber seien noch immer nicht bezugsfertig.

Mit Blick auf den enormen Zustrom von Flüchtlingen hat der Verwaltungsausschuss des Kreistages Meißen am Donnerstagabend ein Pilotprojekt beschlossen. Es sieht vor, im Ortsteil Röhrsdorf der Gemeinde Klipphausen fünf Unterkünfte in Holzbauweise für insgesamt 100 Flüchtlinge zu errichten. Ein solches Fertigteilhaus bietet 29 Flüchtlingen Platz. Es handelt sich dabei um Flachbauten mit Satteldach. Sie verfügen u.a. über einen Gemeinschaftsraum, eine kleine Küche, Dusche, WC, Kunststofffenster und Türen mit Stahlzargen. „Die vorgefertigten Module können recht schnell zusammengesetzt werden“, erklärte Zimmermeister Ludwig Hahn von der Firma Auerbach & Hahn aus Grumbach, die mit der Errichtung zunächst eines Holzhäuschens beauftragt worden ist. Sechs bis sieben Wochen seien für den Aufbau nötig. Baubeginn soll am 19. Oktober sein. Die Kosten für ein Gebäude werden mit 350.000 Euro veranschlagt. Hinzu kommen 85.000 Euro für die Erschließung und 45 000 Euro für Nebenkosten.

„Am Nikolaustag werden die ersten Menschen einziehen können“, sagte Landrat Arndt Steinbach (CDU) in der Ausschusssitzung. In einem zweiten Schritt sollen die Flüchtlinge dann selbst mit anpacken und die Fertigteile unter Anleitung montieren, die Fenster einbauen, die Wände innen streichen. „Wir versprechen uns davon, dass die Menschen die Unterkünfte mehr schätzen, als sie das gelegentlich tun“, betonte der Landrat. Zudem erhielten die Flüchtlinge auf diese Weise eine sinnvolle Beschäftigung.

Der Verwaltungsausschuss hat den Landrat außerdem beauftragt, weitere Areale zu erschließen, auf denen ähnliche Fertigteilhäuser gebaut werden können. Steinbach nannte in diesem Zusammenhang drei Gemeinden, die bereit seien, bereits erschlossene Grundstücke zur Verfügung zu stellen: Priestewitz, Lommatzsch und Moritzburg.

Der Landrat verwies darauf, dass Flüchtlingen im Landkreis Meißen im Moment knapp 2000 Plätze zur Verfügung stehen. Die Mehrzweckhalle der Fachhochschule in Meißen-Cölln verfüge über 160 Plätze. 147 seien belegt. Ähnlich sei die Situation am Kynastweg. Das Wohnheim in Meißen-Bohnitzsch habe Platz für 720 Flüchtlinge, 705 lebten im Moment dort. Im Realmarkt in Niederau könnten 800 Asylbewerber unterkommen. 720 tun es bereits.

Katrin Richter

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Region News
Anzeige

Ob zur Entspannung, in der Mittagspause oder zum Spaß mit Freunden. Auf unserer Spieleseite können Sie wählen zwischen Denksport-, Geschicklichkeits-, Such- und Sportspiele. Jetzt gratis spielen im Spieleportal von DNN.de! mehr

Die Friedensburg gehört als fester Bestandteil zu Radebeul. Soll sie zukünftig wieder als Gaststätte genutzt werden? Und falls ja, wie genau? Sagen Sie uns Ihre Meinung und stimmen Sie ab! mehr