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2000 Stunden je Woche für soziale Arbeit in Radebeul gestrichen

2000 Stunden je Woche für soziale Arbeit in Radebeul gestrichen

Die Zahl ist gewaltig: Etwa 2000 Stunden sozialer Arbeit fehlen Radebeul im Vergleich zu den Vorjahren. Jede Woche. Das hat Sozialamtsleiter Elmar Günther ausgerechnet.

Der Grund liegt an der Kürzung von Ein-Euro-Jobber-Stellen von 100 auf 35 im Stadtgebiet (DNN berichteten) und an den Richtlinien des Bundesfreiwilligendienstes (Bufdi). Die erlauben es zumeist nur, dass Unter-25-Jährige eine solche Stelle bekommen. "Das geht bei uns aber völlig an der Realität vorbei", kritisiert Günther. Von insgesamt 24 Stellen ist deshalb nur ein Drittel besetzt, für den Rest fehlen die Bewerber. Wobei es laut Günther genug Interessenten gebe, diese seien jedoch zu alt.

Die Lage droht sich noch zu verschärfen, weil die letzte "Bufdi"-Stelle erst Anfang nächsten Jahres ausläuft. Da Menschen, die einmal solch einen einjährigen Dienst geleistet haben, erst nach fünf Jahren wieder dafür in Frage kommen, wird der Kreis möglicher Bewerber immer kleiner. Die Möglichkeit, eine auslaufende Beschäftigung wenigstens um ein halbes Jahr zu verlängern, gibt es laut Günther nicht mehr. "Natürlich geht es ausschließlich um zusätzliche Aufgaben der Kommunen, aber die fallen dann eben künftig ersatzlos weg", sagt der Sozialamtsleiter.

Betroffen sind Schulbibliothekare in zwei Schulen, Hausmeistergehilfen in städtischen Einrichtungen wie dem Weißen Haus oder Helfer für Kita-Erzieher. "Den Ausfall müssen die Einrichtungen jetzt irgendwie kompensieren", sagt Günther.

Dabei hat die Stadt versucht, einen Ersatz zu finden. Gemeinsam mit dem "Förderverein Wohlfahrtspflege" hat sie versucht, Ehrenamtliche für die unbesetzten Stellen zu finden. Das wäre zwar kein gleichwertiger Ersatz geworden, weil Ehrenamtliche nur maximal 14 Stunden in der Woche arbeiten dürfen, die Bufdis dagegen 30 bis 40 Wochenstunden. Aber weil mit der geringeren Einsatzzeit auch die Aufwandsentschädigung auf 40 Euro im Monat sinkt, habe man dafür keine Interessenten finden können.

Die Schuldigen an der Misere hat man in Radebeul schnell ausgemacht. Es ist der Bund, der die Richtlinien so gestrafft hat. "Das Programm geht am Bedarf völlig vorbei", urteilt Oberbürgermeister Bert Wendsche (parteilos) über die Folgen dieser Politik. Das gelte zumindest für die neuen Bundesländern, in denen vielerorts Probleme wie in Radebeul auftauchen. In Westdeutschland sollen dagegen viele Stellen besetzt sein, so dass die bundesweite Kapazität von 35 000 Bufdi-Stellen größtenteils ausgereizt ist. Ein Umdenken ist deshalb auch nicht wirklich absehbar. Zumindest hat Sozialamtsleiter Günther gehört, "dass es im nächsten Jahr ein paar mehr Stellen geben soll". Einen echten Effekt würde aber nur eine deutliche Ausweitung auf 50 000 Stellen geben, meint Günther. Und die müssten dann flexibel besetzbar sein.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 25.09.2014

Uwe Hofmann

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