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16-jährige Tharandterin hilft Flüchtlingen bei der Eingewöhnung in Deutschland

16-jährige Tharandterin hilft Flüchtlingen bei der Eingewöhnung in Deutschland

Wenn Franziska Froelich zu sprechen anfängt, leuchten ihre Augen. Man merkt der 16-Jährigen sofort an, dass sie Feuer und Flamme ist, wenn sie sich für eine Sache engagiert.

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Mit vollem Einsatz unterrichtet Franziska Froelich die Flüchtlinge.

Quelle: Stephan Hönigschmid

Im Moment liegen ihr besonders 25 Flüchtlinge am Herzen, die seit Anfang November vor den Toren von Tharandt in einer ehemaligen Jugendherberge untergebracht sind. "Als ich gehört habe, dass die Flüchtlinge eingetroffen sind, habe ich mich gleich auf den Weg gemacht, um sie kennenzulernen", sagt Froelich.

Auch ein Fußmarsch von anderthalb Stunden konnte die Schülersprecherin des Evangelischen Gymnasiums nicht abhalten. Sie wollte unbedingt etwas tun, damit sich die Asylbewerber willkommen fühlen. Zu sehr hatte sie sich auf einer Einwohnerversammlung über die Kommentare einiger Mitbürger geärgert, die sich skeptisch über die Ankunft der Flüchtlinge äußerten. "An dem Abend gab es so viele negative Bemerkungen wie z.B. ,Wir wollen die hier nicht haben' oder ,Die sollen wieder abhauen'. Es war erschreckend, wie hoch der Anteil der Leute war, die so etwas gesagt haben", bedauert Froelich.

Als sie schließlich in der früheren Herberge ankam, machte sie eine bewegende Erfahrung. "Ich saß im großen Aufenthaltsraum an einem Tisch und habe auf Heimleiterin Monika Nestler gewartet, die gerade telefonierte. Da setzte sich der 12-jährige Amas aus Syrien an meinen Tisch und schaute mich mit großen Augen an." Er habe ein, zwei Worte Englisch und Deutsch gesprochen. Eine Unterhaltung sei jedoch nicht möglich gewesen. "Ich habe dann einfach angefangen, Sonne, Mond und Sterne aufzumalen und die Worte auf Deutsch drunter geschrieben", erinnert sich Froelich. Und als die beiden da so saßen, kamen peu à peu immer mehr Bewohner des Hauses hinzu. "Irgendwann stand eine große Traube um mich herum. Und alle haben die Worte mitgesprochen: A-u-g-e, N-a-s-e, M-u-n-d."

Obwohl Franziska Froelich protestantische Christin ist und die Bewohner, die u.a. aus Syrien, Tunesien und Libyen kommen, überwiegend einen muslimischen Glauben haben, war auch dieser vermeintliche Gegensatz kein Problem. "Ich wurde freundlich aufgenommen. Die Flüchtlinge waren begeistert, dass es in einem Land, in dem keine Religion vorgeschrieben ist, trotzdem Menschen gibt, die einen Glauben haben", so Froelich. Gemeinsam haben sie dann auch gleich gebetet.

Beim anschließenden Essen lernte die Gymnasiastin die bewegenden Schicksale der Flüchtlinge kennen. "Ein Bewohner, der vor dem syrischen Bürgerkrieg geflohen ist, hat mir seine Schusswunde am Arm gezeigt. Außerdem hatte er zahlreiche Schnittwunden, und er erzählte mir, dass er auch verbrüht worden ist." Sie könne gar nicht verstehen, wie diese Menschen angesichts derartiger Erfahrungen überhaupt noch lachen können. Weil ihr dieser Mut imponiert, will sie den Flüchtlingen helfen, in Deutschland Fuß zu fassen. "Wir sollten nicht nur von Nächstenliebe reden, sondern sie praktisch leben", findet die 16-Jährige.

Mit dem Direktor ihres Gymnasiums hat sie bereits darüber gesprochen, was die Schule tun kann, um das Leben der Flüchtlinge zu erleichtern. "Unser Direktor hat angeboten, dass wir immer mittwochs am Nachmittag einige Klassenräume nutzen dürfen, um die Flüchtlinge zu unterrichten", sagt Froelich.

Nachdem die Schülersprecherin anderen Schülern von ihrem Engagement für die Flüchtlinge erzählte, erlebte sie eine Welle der Hilfsbereitschaft. "Es kamen ganz viele Vorschläge. Einige möchten Kleidung und Spielzeug spenden, andere Kuscheltiere und Babykleidung." Und auch der Unterricht soll nicht auf deutsche Sprachkurse beschränkt bleiben. "Die Mutter eines Schülers hat vorgeschlagen, mit den Flüchtlingen zu töpfern und zu malen. Außerdem dürfen sie an Sportkursen teilnehmen und z.B. Fußball spielen."

Um das Wohl der Flüchtlinge ist auch die 69-jährige Heimleiterin Monika Nestler besorgt. Sie wohnt im Heim und betrachtet die Asylbewerber als ihre Familie. "Ich hatte vom ersten Augenblick an alle lieb. Im Heim bin ich die Mama", sagt Nestler und fügt an: "Ich allein hätte nicht die Kraft für diese Aufgabe, aber der liebe Gott gibt sie mir."

Mit ihrem privaten Auto ist sie mit jedem einzelnen Flüchtling in den Supermarkt zum Bäcker oder zum Arzt gefahren und hat sich persönlich vorgestellt. "Ich habe den Menschen in Tharandt und Freital gesagt, dass sie keine Angst zu haben brauchen, und dass sie sich bei Problemen immer an mich wenden können", berichtet die 69-Jährige über ihre vorbeugende Strategie.

Dass die Gespräche manchmal auch die Probleme der Asylbewerber schnell und unbürokratisch lösen können, erlebte sie wenig später. Als sie auf ihrer Tour gegenüber einer Zahnarzthelferin erwähnte, dass sie eine Babyschale benötigt, um ein Flüchtlingskind im Auto transportieren zu dürfen, bekam sie sofort Unterstützung. "Ohne dass ich es wusste, hat die Frau eine Schale über die evangelische Kirchgemeinde organisiert", freut sich die Heimleiterin. Allerdings stellt sie auch fest: "Es sind überwiegend die Christen, die helfen."

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 24.11.2014

Stephan Hönigschmid

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