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Niedlich oder grausam? Fragwürdige Zucht bei Haustieren

Tiere Niedlich oder grausam? Fragwürdige Zucht bei Haustieren

Große Augen beim Hund sind niedlich. Aber für das Tier nicht selten ein Problem, weil es deshalb krank wird. Deutschlands Tierärzte wollen die sogenannte Qualzucht nun eindämmen.

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Zwei Nacktkatzen der Rasse «Sphynx».

Quelle: Michael Reichel dpa

Bamberg. In Deutschland endet die Zucht von Hund, Katze und Co. immer öfter im Extremen. Tierschützer sind besorgt. Sie warnen vor Modeerscheinungen, denen das Tierwohl zum Opfer falle. Veterinäre wollen künftig besser aufklären.

Von einer zusätzlichen Gesetzesverschärfung halten sie nichts. Das Tierschutzgesetz in Deutschland sei schon jetzt sehr gut. Die wichtigsten Fragen und Antworten im Überblick:

Qualzucht - was versteht man eigentlich darunter?

Es bedeutet, dass Zuchtergebnisse für ein Tier gesundheitliche Probleme mit sich bringt: Katzen ohne Fell etwa fehlen die wichtigen Tasthaare. Hunde mit kurzer Schnauze bekommen häufig Atemnot. Tiere mit extrem dichtem Fell können bei warmem Wetter ersticken.

Martin Kramer, Professor für Tiermedizin in Gießen, nennt den Bernhardiner als weiteres Beispiel: Der war mal im Gebirge zur Rettung im Schnee verschütteter Menschen im Einsatz und wog bis zu 50 Kilo. Heute bringt ein Bernhardiner schon mal 75 Kilo auf die Waage und ist so einfach zu schwer. "Der muss selbst gerettet werden, wenn er vom Weg abkommt", sagt Kramer.

Warum gibt es Qualzucht überhaupt?

Darauf gibt es keine eindeutige Antwort. Schönheit liegt eben im Auge des Betrachters. Große Augen, so vermutet Tierarzt Kramer, sind beliebt, weil sie das berühmte "Kindchen-Schema" erfüllen - so wirkt auch ein eigentlich ausgewachsener Hund ewig süß wie ein Welpe. Die Folge für das Tier: Augenkrankheiten. "Das ist nicht niedlich - die Tiere sind krank", betont Kramer.

Der Tierschutzbund vermutet Modeerscheinungen als Ursache für fehlgeleitete Züchtung: "Heimtiere werden immer häufiger Modetrends unterworfen und ihr Aussehen den Wünschen der Menschen entsprechend gezüchtet."

Woran erkennt man Qualzucht?

Die Liste möglicher Tierleiden ist lang. Laut Tierschutzbund können beispielsweise rein weiße Perserkatzen wegen einer genetisch bedingten Kopplung zwischen Fellfarbe und Gehör taub sein. Tiere mit verkürzter Kopfpartie oder weggezüchteter Nasen haben starke Atemprobleme.

Ein weiteres Problem: Den Tieren fehlen oft Möglichkeiten, sich in ihrer Umgebung zurechtzufinden, wenn ihnen die Tasthaare fehlen.

Was tut der Gesetzgeber?

Im

Tierschutzgesetz ist Qualzucht eigentlich verboten. Es ist demnach untersagt, Tiere zu züchten, wenn ihnen Körperteile oder Organe für ihren artgemäßen Gebrauch fehlen oder umgestaltet sind - und dadurch Schmerzen, Leiden oder Schäden auftreten. Der Tierschutzbund findet die Formulierungen zu schwammig. 

Zudem müssten auch Haltung und der Verkauf von Tieren aus Qualzucht gesetzlich verboten werden, fordert die Organisation. Die Bundestierärztekammer sagt dazu: Das Gesetz sei sehr gut, doch die Umsetzung sei schwierig. Aufklärungsarbeit sei viel sinnvoller.

Welche weiteren Vorschläge gibt es?

Würden Tiere mit offensichtlich durch die Zucht ausgelösten gesundheitlichen Problemen nicht mehr bei Rasseschauen zugelassen, werde sich die Zucht verändern, hofft die

Bundestierärztekammer. Man stelle sich nicht grundsätzlich gegen Zucht - sie müsse nur so ablaufen, dass die Tiere ein normales Leben haben könnten.

Gibt es Qualzucht nur im Haustierbereich?

Nein, Tierschützer schlagen regelmäßig auch bei Nutztieren Alarm. 2013 stellten die Grünen im Bundestag eine Studie zu dem Thema vor. Demnach würden viele Tiere in der Landwirtschaft so auf Leistung getrimmt, dass das zu gesundheitlichen Problemen führt: Das belaste den Organismus der Tiere immer mehr, schreiben die Autoren.

Bei Milchkühen komme es beispielsweise zu Euter- und Klauenentzündungen, bei schnell wachsenden Masttieren zu Herz-Kreislauf-Problemen und Gelenkschäden. "Die Zucht auf übergroße Brustmuskulatur bewirkt, dass Hähnchen und Puten nicht mehr normal laufen können." Der Bauernverband wehrte sich heftig gegen die Vorwürfe. Landwirte hätten einen guten Blick dafür, ob Züchtung nachhaltige Ziele verfolge oder nicht, hieß es damals.

dpa

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