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Abseits viel bereister Pfade: Paraguay hat einiges zu bieten

Tourismus Abseits viel bereister Pfade: Paraguay hat einiges zu bieten

Paraguay? Darunter können sich die meisten Touristen wenig vorstellen. Es ist ein Land ohne Meer, ohne Küsten, ohne Strände. Aber es gibt Ruinenstädte, die zum Weltkulturerbe zählen, ein riesiges Wasserkraftwerk und Wasserfälle mitten im Urwald.

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Gerhard Bayer betreibt in der Grenzstadt Ciudad del Este ein Hotel und ein Restaurant - dort gibt es Schnitzel nach Wiener Art. Foto: Detlef Berg

Ciudad del Este. Paraguay? Hat man schon mal gehört, doch man kann sich wenig darunter vorstellen. Der Binnenstadt hat keine kilometerlangen Sandstrände zu bieten und doch ist er eine Reise Wert: Auf Touristen warten Wasserfälle, Urwald und jahrtausend alte Ruinenstädte.

Es ist eine schmale Brücke, die den hier ganz unspektakulär dahinfließenden Parana überspannt. Sie verbindet das brasilianische Foz de Iguacu mit Ciudad del Este in Paraguay. Kaum zu glauben, dass das Wasser des Flusses nur wenige Kilometer entfernt zusammen mit dem anderer Flüsse die mächtigen Iguacu-Wasserfälle an der Grenze von Argentinien und Brasilien bildet. Und das ist nur ein mögliches Ziel für Touristen. Ein paar Kilometer stromaufwärts findet sich auf Paraguays Seite noch ein ganz anderes: Itaipu, auf Deutsch "der singende Fels", eines der größten Wasserkraftwerke der Welt.

Hinter der gigantischen, fast 200 Meter hohen und acht Kilometer langen Betonmauer staut sich der Fluss dort auf mehr als 170 Kilometern Länge. "Es lohnt sich, das gigantische Kraftwerk zu besichtigen", sagt Gerhard Franz Beyer. "Es ist ein Gemeinschaftsprojekt von Brasilien und Paraguay, und es gibt regelmäßig Führungen." Dabei kommen Besucher auch ins Innere der Staumauer und sehen die 20 Turbinen, durch die das Wasser zur Stromerzeugung stürzt.

Der 68-jährige Beyer, der in Ciudad del Este ein Hotel samt Restaurant betreibt, freut sich über Besucher aus Deutschland. "Auf der touristischen Landkarte ist Paraguay leider ein weitgehend unbeschriebenes Blatt", sagt er. In der Tat reisen nur wenige Touristen in das Land im Herzen Südamerikas, das von Brasilien, Argentinien und Bolivien umschlossenen wird. "Wir sind eben ein Land ohne Meer und weiße Sandstrände, aber mit überraschend vielfältiger Natur", sagt Beyer mit unverkennbarem Wiener Dialekt. Seine Großeltern stammen von dort.

Am nächsten Morgen beginnt die Mietwagen-Rundreise durch das Land. Die Ruta 6 führt durch eine leicht gewellte Landschaft. Links und rechts der Straße wächst Soja, das mit modernen Landmaschinen geerntet wird. In Bellavista wartet bereits Tannia Acosta. Sie führt durch die Mate-Fabrik und zeigt, wie die Blätter und Zweige der Sträucher geröstet und gemahlen werden. "Mate ist unser Nationalgetränk", sagt Tannia, reicht jedem einen Trinkbecher mit silbernem Röhrchen und gießt Wasser auf.

Nur einige Kilometer von Bellavista entfernt liegen die zum Weltkulturerbe der Unesco zählenden Ruinenstädte Jesus de Taravanguje und Trinidad de Parana. Von 1608 bis 1767 wirkten jesuitische Padres in Paraguay, um die Guarani-Indianern zu missionieren. Dafür schufen sie über 30 Stadtstaaten, mit denen die Guarani dazu gebracht werden sollten, sesshaft zu werden.

1767 vertrieb der König von Spanien die Jesuiten, die ihm zu einflussreich geworden waren. Geblieben sind eindrucksvolle Ruinen der Kirchen, Wehranlagen und Wohngebäuden. Auf dem Weg nach Asuncion führt ein Abstecher in die Provinz Caazapa zu Matthias Wagenknecht. Er stammt aus der Oberlausitz und lebt seit gut 25 Jahren in Paraguay. Nach dem Fall der Mauer kam er im Rahmen eines Aufforstungsprojektes hierher. Er zeigt auf einen jungen Mischwald: "Sehen Sie, das ist mein Kapital." Viel Abwechslung gibt es in der dünn besiedelten Region nicht.

Bis nach Asuncion sind es zwar nur gut 200 Kilometer, doch wegen der teilweise unbefestigten Straßen ist man mehr als drei Stunden unterwegs. Asuncion ist eine grüne Stadt, die gerade ihren Fluss, den Rio Paraguay, wiederentdeckt. Viele der hässlichen Bauten am Ufer sind einer ansehnlichen Uferpromenade gewichen.

dpa

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