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Uni-Klinik Leipzig eröffnet Ambulanz für Pädophile – Therapie soll Missbrauchstaten verhindern

Uni-Klinik Leipzig eröffnet Ambulanz für Pädophile – Therapie soll Missbrauchstaten verhindern

Leipzig. Männer mit pädophiler Neigung können sich seit Mittwoch in Leipzig medizinisch behandeln lassen. Das Universitätsklinikum eröffnete eine Ambulanz für Patienten mit sexueller Vorliebe für Minderjährige.

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Hilfe für Pädophile: Klaus Michael Beier gründete 2005 in Berlin die erste Ambulanz für Männer mit sexueller Vorliebe für Minderjährige. Am Mittwoch wurde auch in Leipzig eine solche Einrichtung eröffnet.

Quelle: Jakob Richter

Die Pädophilen erhalten dort professionelle Hilfe – anonym und kostenlos. Zielgruppe der Therapie sind vor allem Männer, die befürchten, sie könnten Missbrauch an Kindern begehen, und dies selbst als Problem erkennen. Die Mediziner garantieren ihnen dabei absolute Verschwiegenheit – auch wenn sich die Betroffenen über begangene Sexualstraftaten äußern.

„Pädophilie ist immer noch ein Tabuthema, weil es stigmatisiert und die Täter diskriminiert werden. Dagegen wollen wir etwas tun“, sagte Professor Henry Alexander, Leiter des Projektes an der Leipziger Uni-Klinik. „Wir setzen beim Verursacher an, damit es gar nicht erst zu neuen Missbrauchstaten kommt“, ergänzte Sexualmediziner Klaus Michael Beier der das weltweit einmaligen Präventionsprojekts Dunkelfeld 2005 an der Berliner Charité ins Leben gerufen hat. Weitere Ambulanzen gibt es bereits in Kiel und Regensburg.

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Präventionsprojekt Dunkelfeld: Die Uni-Klinik Leipzig hat am 19.10.2011 die Ambulanz für Pädophile eröffnet.

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Mehr als 100 Patienten aus Sachsen bereits in Behandlung

In der Hauptstadt meldeten sich in den vergangenen sechs Jahren mehr als 1500 Betroffene – davon fast jeder Zehnte aus Sachsen. „Hier wollen wir in die Bresche springen und auch Betroffenen aus Sachsen-Anhalt und Thüringen eine Anlaufstelle bieten“, erklärte Alexander. Im Uni-Klinikum wurden dafür rund 20 Therapieplätze geschaffen. Das sächsische Sozialministerium finanziert die neue Ambulanz – zunächst bis 2013 – mit 100.000 Euro pro Jahr. „Ein solches Projekt wäre sonst nicht möglich. Die Krankenkassen bezahlen die Behandlung bislang nicht“, so der Leipziger Uni-Mediziner.

Sachsens Sozialministerin Christine Clauß (CDU) zeigte sich überzeugt, dass mit dem Therapieangebot für potenzielle Missbrauchstäter weitere Sexualverbrechen an Minderjährigen verhindert werden können. Auch die Nutzung von Kinderpornografie soll damit bereits im Vorfeld unterbunden werden. „Wir wollen das Problem nicht verdrängen und skandalisieren, sondern offensiv damit umgehen, indem wir Hilfe anbieten“, sagte die Politikerin. „Ich bin überzeugt, dass wir Kindern und ihren Familien damit schreckliches, teilweise lebenslanges Leid und im schlimmsten Fall sogar Trauer ersparen können.“

Sexuelle Vorliebe für Kinder begleitet Betroffene ein Leben lang

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„Wir wollen das Problem nicht verdrängen und skandalisieren, sondern offensiv damit umgehen, indem wir Hilfe anbieten“, sagt Sachsens Sozialministerin Christine Clauß (CDU).

Quelle: Jakob Richter

Die Uni-Klinik in Leipzig hatte vom Sozialministerium für die neue Ambulanz den Zuschlag erhalten. Clauß hob als Grund vor allem die fachliche Qualifizierung der Sexualmediziner in der Messestadt hervor, betonte aber auch die räumliche Nähe zu den benachbarten Bundesländern. „So können wir die meisten Menschen erreichen“, erklärte die Ministerin. In Dresden sei vorerst keine Einrichtung dieser Art geplant.

2009 gab es in Deutschland mehr als 11.000 Fälle von Kindesmissbrauch, die zur Anzeige gebracht wurden. Die Zahl nicht registrierter Taten im sogenannten Dunkelfeld liegt vermutlich um ein Vielfaches höher. Schätzungen zufolge soll etwa ein Prozent der Männer in Deutschland an Pädophilie leiden – rund 250.000 Personen. Fälle bei Frauen kommen nach Angaben der Mediziner nur äußerst selten vor.

„Die sexuelle Vorliebe für Kinder ist zwar nicht heilbar, aber therapierbar“, erklärt der Leipziger Sexualmediziner Alexander. Denn Pädophilie begleite Betroffene in der Regel ein Leben lang. Ziel sei es, dass die Männer ihre Neigung kontrollieren könnten. Dies werde teilweise mit Medikamenten erreicht. „Die sexuellen Fantasien werden nicht verschwinden. Aber wir können erreichen, dass die Betroffenen ihre Vorstellungen nicht mehr zwanghaft in die Realität umsetzen wollen“, sagte der 64-Jährige.

 

Missbrauchsfälle bleiben unter Verschluss

Die Behandlung könne jedoch nur erfolgreich sein, „wenn wir die Menschen nicht für ihre Neigung verurteilen“, betonte Charité-Professor Beier. Davon ist auch Jerome Braun von der Kinderschutzstiftung Hänsel + Gretel, die das Projekt als Partner unterstützt, überzeugt. „Der beste Kinderschutz ist es, die Taten zu verhindern“, meint Braun.

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Hilfe für Pädophile: Klaus Michael Beier gründete 2005 in Berlin die erste Ambulanz für Männer mit sexueller Vorliebe für Minderjährige. Am Mittwoch wurde auch in Leipzig eine solche Einrichtung eröffnet.

Quelle: Jakob Richter

Mit der Behandlung sollen die Männer vor allem dazu gebracht werden, sich in ihre Opfer hineinversetzen zu können. „Denn häufig denken sie: ’Das Kind will es doch auch’“, so Alexander. Die Experten setzen hier vor allem auf Gesprächs- und Verhaltenstherapien. Dabei wird den Betroffenen die Einhaltung der Schweigepflicht zugesichert, auch wenn diese von Missbrauchsfällen aus der Vergangenheit berichten. Projektleiter Beier verteidigt diese Strategie: „Nur so können wir neue Missbrauchsfälle verhindern. Wir halten die Täter davon ab, es wieder zu tun.“

Betroffene können sich unter der Telefonnummer (0341) 9723958 oder per E-Mail (dunkelfeld@medizin.uni-leipzig.de) an die Ambulanz in Leipzig wenden. Weitere Informationen zum Projekt gibt es unter www.kein-taeter-werden.de .

Robert Nößler

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