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Reisende bringen Zika-Virus auch nach Deutschland

Gesundheit Reisende bringen Zika-Virus auch nach Deutschland

Zika-Fälle gibt es auch in Deutschland. Reisende schleppten den Erreger ein. Mit ganz anderen Dimensionen der Krankheit hat aber Lateinamerika zu kämpfen. Dort breitet sich der Erreger weiter aus.

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Der Zika-Virus wird durch Tropenmücken übertragen. Verbreitet ist der Erreger in vielen Ländern Lateinamerikas.

Quelle: Gustavo Amador

Hamburg. Das gefährliche

Zika-Virus haben schon mehrere Reisende nach Deutschland eingeschleppt. Das Hamburger Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin habe seit 2013 zehn Infektionen festgestellt, sagte der Virologe Jonas Schmidt-Chanasit.

Alle Betroffenen hätten sich auf Fernreisen angesteckt. Der Experte geht von einer hohen Dunkelziffer aus. US-Präsident Barack Obama rief unterdessen zu größeren Anstrengungen bei der Erforschung des Erregers auf. Am Mittwoch wurden neue Zika-Infektionen aus Dänemark und Lateinamerika bekannt.

Das von bestimmten Stechmücken übertragene Virus grassiert derzeit vor allem in Brasilien. Viele Infektionen bleiben unbemerkt. Wer erkrankt, hat in der Regel eher harmlose Symptome. Allerdings steht der Erreger im Verdacht, bei Schwangeren das ungeborene Kind zu schädigen: Die Babys kommen mit einem zu kleinen Kopf auf die Welt und sind geistig beeinträchtigt (Mikrozephalie). Der Zusammenhang mit einer Zika-Infektion sei "sehr wahrscheinlich", so Schmidt-Chanasit.

Missbildungen dieser Art kommen auch bei Neugeborenen in Deutschland vor. Schmidt-Chanasit hält es für denkbar, dass auch hier in einigen Fällen eine Zika-Infektion die Ursache sein könnte. Das ließe sich aber nur bei einer Häufung feststellen oder bei einer sogenannten Reiseanamnese, betonte der Virologe. Mikrozephalie kann aber auch andere Ursachen haben, etwa Röteln während der Schwangerschaft.

Erstmals wurde einer Studie zufolge in Deutschland 2013 ein

Zika-Fallim Labor nachgewiesen. Ein Mann hatte sich auf einer Thailand-Reise angesteckt. Er war der erste registrierte Zika-Kranke Europas.

Ein genaues Bild von eingeschleppten Virus-Fällen in Europa gibt es nicht, denn sie sind nicht meldepflichtig. Es gibt laut Schmidt-Chanasit nur wenige Referenzzentren, die die Infektion diagnostizieren können: neben dem Bernhard-Nocht-Institut in Hamburg noch das Pasteur-Institut in Paris und zwei weitere Einrichtungen in Großbritannien und den Niederlanden. Jetzt steige die Zahl der Fälle täglich, weil sich mehr Patienten untersuchen ließen und die Mediziner genauer hinschauten. So registrierten unter anderem Italien, Großbritannien, die Schweiz und Spanien bereits Infektionen.

Das Zika-Virus wurde erstmals auch bei einem Patienten in Dänemark entdeckt. Der Däne habe sich bei einer Reise nach Lateinamerika mit dem Erreger angesteckt und danach über Fieber, Kopf- und Muskelschmerzen geklagt, teilte das Universitätskrankenhaus in Aarhus mit. Er werde ambulant behandelt. "Sein Zustand ist gut", hieß es.

Obama forderte bei einem Treffen mit Gesundheitsexperten in den USA eine verbesserte Diagnostik. Zudem müssten Impfstoffe und Heilungsansätze entwickelt werden, sagte er nach Angaben des Weißen Hauses. Alle Amerikaner müssten sich über das Zika-Virus informieren können. Reisende hatten den Erreger auch in die USA eingeschleppt.

Die

Weltgesundheitsorganisation (WHO) hatte vor einer Ausbreitung des Erregers auf dem gesamten amerikanischen Kontinent gewarnt. Nur Alaska und Teile Chiles sieht die Behörde außerhalb der Gefahrenzone. Das Virus sei bereits in mehr als 20 Ländern festgestellt worden.

Erstmals wurde auch in Costa Rica eine Zika-Infektion bekannt. Betroffen sei eine 25 Jahre alte Frau, die sich in Kolumbien angesteckt habe, teilte das Gesundheitsministerium des mittelamerikanischen Landes mit. Auch in der Karibik wurden neue Infektionen mit dem Zika-Virus bestätigt.

In Brasilien, das mit rund 4000 registrierten Mikrozephalie-Fällen am stärksten betroffen ist, gibt es derzeit Fallkontrollstudien. Dabei werden Frauen mit fehlgebildeten und mit gesunden Kindern auf Antikörper gegen Zika-Viren getestet. Bei gestorbenen Babys und im Fruchtwasser ist das Virus bereits nachgewiesen worden. Das seien aber nur einzelne Hinweise, betonte Schmidt-Chanasit. Für Studien müssen Hunderte Schwangere untersucht werden. "Ich denke, in einigen Wochen werden wir den endgültigen Beweis haben."

Obwohl einer der möglichen Überträger des Virus, die Asiatische Tigermücke (Aedes albopictus), in Südeuropa und auch in Süddeutschland vorkomme, sei bislang keine in Europa erworbene Zika-Infektion bekannt. Eine Reisewarnung für Schwangere macht nach Meinung des Experten nur für

Länder Sinn, in denen viele Infektionen auftreten, wie in Brasilien und Französisch-Polynesien. Vereinzelte Fälle in Afrika oder Südostasien rechtfertigten eine solche Warnung nicht. Wenn eine werdende Mutter dennoch nach Brasilien reisen wolle, könne sie nur auf Mückenschutz achten.

Eine Impfung oder ein Medikament gegen Zika gibt es noch nicht. Mit einem Mückenbekämpfungs-Programm will Brasilien Sportler und Besucher der Olympischen Spiele in Rio de Janeiro vor dem Erreger schützen.

dpa

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